Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Umstrittenes Seilbahnprojekt «Porta Gottardo» will ganzjährigen Tourismus – und erntet Kritik

Private wollen den legendären Pass zwischen Uri und Tessin touristisch ganzjährig erschliessen. Doch «Porta Gottardo» erntet Kritik von Umweltorganisationen.

Noch ist es ruhig auf dem verschneiten Gotthardpass. Doch dies könnte sich ändern. In rund zehn Jahren soll es möglich sein, auf über 2000 Metern Ski zu fahren. Das Projekt «Porta Gottardo» zielt auf ganzjährigen Tourismus und will dazu mehrere Gebiete miteinander verbinden.

Geplant ist eine Seilbahn von Airolo auf die Passhöhe. Von dort soll eine Verbindung zum Gemsstock auf fast 3000 Metern über Meer entstehen – mit Anschluss an das Skigebiet Andermatt. Eine zweite Linie soll den Pass mit Realp verbinden.

Schutz der Landschaft spielt zentrale Rolle

Einheimische und Gäste reagieren unterschiedlich auf das Vorhaben. «Natürlich würde ich das Projekt sehr begrüssen», sagt Armando Passera. «Ich wäre froh, nicht nur für mich, sondern auch für künftige Generationen.»

Von einer «sehr guten Lösung» spricht Federica Pelli Samir, vorausgesetzt, die Natur werde respektiert. Ähnlich drückt sich Bruno Schneider aus, ein Tourist. Welchen Einfluss solche Eingriffe auf die Landschaft haben, sei die entscheidende Frage. «Was man in Andermatt gemacht hat, finde ich übertrieben, verglichen mit der Grösse des Dorfes.»

Ablehnend äussern sich Umweltorganisationen, auch wenn erst Vorstudien zum Projekt vorliegen und vieles unklar ist. Würden mehrere Seilbahnen in eine noch weitgehend intakte Landschaft gebaut werden, «dann sind das grosse Eingriffe in dieses wilde Gebiet», kritisiert Franziska Grossenbacher, Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Machbarkeit und Potenzial noch unklar

Die Initianten wollen nun einmal die Machbarkeit der Idee prüfen. Diego Baratti, Sprecher des «Gruppo promotore Porta Gottardo» erklärt auf Anfrage, hinter der Idee stünden Private aus den Regionen Airolo und Andermatt, allerdings ohne Namen zu nennen. Ein nächster Schritt könne die Gründung eines Vereins sein.

Skifahrer auf verschneiter Piste mit Seilbahn im Hintergrund.
Legende: Beim Projekt «Porta Gottardo» ist auch eine Verbindung zum Skigebiet Andermatt geplant. (12.2.22) KEYSTONE/Urs Flueeler

Jürg Stettler, Professor für Tourismus an der Hochschule Luzern, sieht Potenzial für beide Regionen in den Kantonen Tessin und Uri. Allerdings auch Risiken. Von Vorteil sei, dass man versuche, ein hoch gelegenes, potenziell schneesicheres Gebiet zu erschliessen. Immerhin reiche das Einzugsgebiet von der Deutschschweiz mit der Grossagglomeration Zürich bis in den Raum Milano im Süden. «Wenn man dieses grössere Gebiet entwickelt, kann durchaus eine Nachfrage bestehen.

Die zentrale Frage wird sein, ob es im Rahmen eines eher gesättigten Marktes mit Überkapazitäten gelingen wird, eine solche Gebietserweiterung wirtschaftlich zu betreiben.»

Ob und wann die Seilbahnen zwischen Airolo, Andermatt und Realp realisiert werden, ist völlig offen. Die Diskussionen rund um touristisch sinnvolles Wachstum, Schutz der Alpen und Finanzierbarkeit sind in vollem Gang.

Schweiz Aktuell, 27.1.2026, 19 Uhr

Meistgelesene Artikel