«Wir nummerieren alle Bauteile, damit wir nach dem Abbau wissen, was wohin gehört», sagt Martin Hochuli. Seine Firma baut das Hochstudhaus in Hirschthal AG ab und an einem neuen Ort wieder auf. 1803 – im Gründungsjahr des Kantons Aargau – wurde das Bauernhaus errichtet. Es ist eines der letzten im Kanton. Pläne gibt es keine. Darum wurde alles vor dem Abbau dokumentiert.
Lange war die Zukunft des baufälligen Gebäudes ungewiss. Einem der ältesten Gebäude im Dorf drohte der Abriss. Die Gemeinde und der Heimatschutz setzten sich aber für das geschützte Haus ein. Klar war aber: Am heutigen Ort kann es nicht bleiben.
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Bild 1 von 3. Die einzelnen Teile werden nummeriert, damit sie am neuen Ort an die richtige Stelle kommen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Vom über 200 Jahre alten Gebäude gibt es keine Pläne. Deshalb wurden alle Ansichten skizziert. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Einer der Namensgeber der Hochstudhäuser: ein tragender Pfosten, der vom Boden bis unters Dach reicht (links). Bildquelle: SRF.
«Es brauchte sechs Jahre, bis wir die Lösung ausgearbeitet hatten und die Finanzierung stand», erklärt Markus Goldenberger. Er ist Präsident des Vereins Hochstudhaus Talhof und ehemaliger Gemeinderat von Hirschthal. Auf dem Gelände eines Bauernhofs in der Gemeinde wird das Gebäude wieder aufgebaut – knapp zwei Kilometer Luftlinie entfernt vom bisherigen Standort.
Das alte Bauernhaus soll zur Übernachtungsmöglichkeit für Klassen auf einer Schulreise werden. Es gibt eine Besenbeiz im Gebäude sowie einen Hofladen. Die 650'000 Franken für Ab- und Aufbau sowie den Umzug sind finanziert. Für den Ausbau sei man auf Sponsorensuche, so Goldenberger.
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Bild 1 von 4. Die Isolation auf dem Dachboden wird entfernt. Die Bretter sind alt, der Arbeiter deshalb am Klettergurt per Seil gesichert. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Das Haus ist ausgeräumt. Auch der Kachelofen (Bildmitte) wurde bereits ausgebaut. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Auch die Türen werden mitgezügelt. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Für Markus Goldenberger war klar: «Diesen Zeitzeugen müssen wir erhalten.». Bildquelle: SRF.
«Die Alternative war, dass das Haus verloren ist. Dass es weg ist», begründet er seinen Einsatz für das alte Gebäude. Am neuen Ort soll das Haus der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Die Besenbeiz soll ein neuer Treffpunkt im Dorf sein.
Wie viel Originalsubstanz des Hauses wiederverwendet werden kann, zeigt sich erst im Verlauf des Abbaus. «Das Haus war zehn Jahre nicht bewohnt. In so langer Zeit leidet ein Gebäude», so Zimmermann Martin Hochuli. Lange habe es hineingeregnet. Einige verfaulte und beschädigte Bauteile würden deshalb ersetzt. Im Mai soll der Aufbau am neuen Ort starten.