Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Unterricht mit VR-Brillen Berner Gymeler üben Italienisch im virtuellen Tessin

Ein Novum in der Schweiz: Seit diesem Schuljahr setzen Gymnasien in Bern virtuelle Realität im Sprachunterricht ein.

«Andiamo!», sagt Leo Zuber und zieht die Virtual-Reality-Brille über. Er und seine Klassenkolleginnen und -kollegen tauchen ein in die italienischsprachige Schweiz, fahren mit dem Zug ins Tessin, zusammen mit ihrer Begleiterin, die den Gästen ihre Heimat zeigt. Eine virtuelle Reise vom Berner Klassenzimmer aus.

In dieser Welt kann ich alles um mich herum vergessen, rede einfach, egal, ob ich Fehler mache oder nicht.
Autor: Alessia Crisafulli Schülerin

Später besuchen sie die Castelli von Bellinzona, kaufen ein Picknick ein, kochen Risotto und essen im Grotto im Misox im Kanton Graubünden – ständig aufgefordert, zu interagieren, spontan mit den Einheimischen Italienisch zu sprechen. Das ist Italienischunterricht im Jahr 2026, ein absolutes Novum in der Schweiz.

Frau lächelt in einem Klassenzimmer.
Legende: Alessia Crisafulli fühlt sich bei Unterricht mit VR-Brillen weniger gehemmt. Screenshot SRF

«In dieser Welt kann ich alles um mich herum vergessen, rede einfach, egal, ob ich Fehler mache oder nicht. Ich glaube, so kann ich grosse Fortschritte machen», sagt Schülerin Alessia Crisafulli danach.

Idee der Berner Lehrerin

Initiiert hat das Projekt Ines Honegger Wiedenmayer, sie unterrichtet Italienisch am Berner Gymnasium Kirchenfeld. Für sie ist sonnenklar: Das Ziel eines jeden Sprachunterrichts sei, dass man lerne, frei zu sprechen, Hemmungen abzubauen. «Grammatik und Vokabular lernt man nicht, damit man schriftlich kommunizieren kann, sondern vor allem, um mündlich zu interagieren. Das muss man üben.»

Frau mit Mikrofon im Büro.
Legende: Auch Kultur müsse man üben, sagt Lehrerin Ines Honegger. Screenshot SRF

Und auch die Kultur, die Atmosphäre in den anderen Sprachregionen möchte die Lehrerin ihren Schülerinnen und Schülern so weitergeben. «Wenn wir schon nicht oft mit der Klasse ins Tessin reisen können, holen wir uns so wenigstens ein bisschen davon ins Klassenzimmer», sagt sie.

Ich lerne besser, wenn ich frei rede – aber ich brauche meinen Lehrer, der mich korrigiert, wenn etwas falsch ist.
Autor: Luca Weber Schüler

So wurde die Idee Realität: Mit der Fachhochschule Graubünden, einem Dutzend Expertinnen und Experten, wurde die Reise entwickelt, für rund 400'000 Franken, mitfinanziert vom Bundesamt für Kultur, verschiedenen Kantonen und Gemeinden.

Bald auch in Französisch?

Rund zwanzig Minuten dauert die Reise mit der VR-Brille durch die italienischsprachige Schweiz – dann geht es zurück in den normalen Unterricht, denn dieser kann damit bei Weitem nicht ersetzt werden: Lehrerinnen und Lehrer, die korrigieren und neue Wörter oder Zeitformen erklären, brauche es auch in Zukunft. Das sagt auch Schüler Luca Weber: «Ich lerne besser, wenn ich frei rede – aber ich brauche meinen Lehrer, der mich korrigiert, wenn etwas falsch ist.»

Lächelnder junger Mann vor einer Wand mit Karte und Dokumenten im Klassenzimmer.
Legende: Lehrer mache die VR-Brille nicht überflüssig, sagt Schüler Luca Weber. Screenshot SRF

Und so ist das Berner Pilotprojekt vorerst mal eine Ergänzung im Unterricht – die vielleicht bald auch im Französischunterricht eingesetzt wird oder im Deutschunterricht für die anderen Sprachregionen, sagt Initiantin Ines Honegger Wiedenmayer: «Wenn alles klappt, sollte es als Nächstes virtuelle Reisen in die Romandie geben.»

Frau sitzt an einem Tisch im Freien mit Menü und gedeckten Tellern.
Legende: Mittagessen bestellen im Grotto della nonna: am Berner Gymnasium ganz normaler Italienischunterricht. Screenshot SRF

Vorerst bleibt es aber beim Italienisch. Und so bestellt Alessia Crisafulli am Ende ihrer Reise im Grotto im Misox den Risotto mit Steinpilzen, als wäre es das Einfachste der Welt: «Scelgo il Risotto ai funghi porcini.»

Schweiz Aktuell, 24.3.2026, 19 Uhr; herb

Meistgelesene Artikel