Felix Feurer taucht einen Lappen in den Dorfbrunnen und tritt zu den klassisch gelben Wegweisern. Er streckt sich und wischt über den obersten, der nach Schlatt, Feuerthalen und Schaffhausen zeigt. «Zum Glück bin ich 1.85.»
Der 77-Jährige hilft mit, dass sich Wanderinnen und Wanderer im Zürcher Weinland nicht verlaufen. An diesem Tag ist er auf der Route von Wildensbuch nach Rudolfingen unterwegs.
Kleine Handgriffe für klare Wege
Feurer ist einer von über 200 Freiwilligen des Vereins, der dafür sorgt, dass die rund 3000 Kilometer Wanderwege im Kanton Zürich gut signalisiert sind.
Beim Wildensbucher Dorfbrunnen fährt er jetzt mit einem trockenen Lappen über die Wegweiser, fast wie jemand, der sein Auto poliert. «So, das wäre es schon gewesen», sagt er und grinst.
Weiter geht es zum nächsten Schild am Waldrand. Äste verdecken es. Felix Feurer zückt die Gartenschere und schneidet sie zurück. Für den Fall, dass er auf Dornen trifft, hat er Handschuhe im Rucksack.
Freiwilligenarbeit erfüllt ihn
Während andere nach ihrer Pensionierung kürzertreten, macht Feurer seither noch mehr Freiwilligenarbeit. Es befriedige ihn, einen Beitrag zum dichten Wanderwegnetz der Schweiz zu leisten – und unterwegs Menschen zu begegnen. «Gerade im Alter ist das wichtig.»
Er wandert selbst gern. Früher zog es ihn fürs Klettern in die Berge, heute ist Felix Feurer häufiger im Flachland unterwegs.
Im Wald knirscht das Kies unter Feurers Schuhen, die Vögel zwitschern. Er sagt, er geniesse die Abkühlung bei den hohen Temperaturen.
Neben Wegweisern markieren auch kleine Blechschilder in Form von Rhomben und aufgemalte Signale den Weg. Felix Feurer sagt: «Ziel ist, dass man auf dem Weg eigentlich gar keine Karte braucht.»
Bei einem Strommast macht er Halt. Mit einem Akkuschrauber befestigt er ein Schild mit dem Symbol eines Wanderers, eine Schraube oben, eine unten. «Schon hält es.»
Ohne Freiwillige keine Wanderwege
Wandern ist in der Schweiz ein Volkssport. Rund 65'000 Kilometer Wanderwege spinnen sich über das Land. Das System funktioniert nur dank Freiwilligen wie Felix Feurer.
Dabei fällt ihre Arbeit kaum auf. Schilder stehen einfach da, Pfeile zeigen in die richtige Richtung, Wege sind frei. Dass sich jemand darum kümmert, bleibt im Hintergrund.
Wo eine Signalisation verbessert werden muss, merken Feurer und die anderen Vereinsmitglieder häufig selbst. Gelegentlich schauen auch Kontrolleure der Schweizer oder Zürcher Wanderwege vorbei und notieren, wo es Mängel gibt.
Diese Hinweise nutzen die Freiwilligen, um das Netz zu verbessern. «Das schauen wir sportlich an», meint Felix Feurer. Mehr Augen sehen mehr. Und am Ende zähle, dass alle den Weg finden.