Maskierte Beamte auf den Strassen oder ein Präsident, der mit der Annexion Grönlands droht: Die Schlagzeilen aus den USA überschlagen sich. Wenn der Journalist Gabe Bullard heute davon liest, denke er: «Ich habe früher auch schon solche Schlagzeilen gesehen, als ich noch in den USA gelebt habe. Aber damals waren es Schlagzeilen aus anderen Ländern.»
Dabei hat auch Bullard selber einiges erlebt, als er noch als Journalist in USA tätig war. Er war vor Ort, als 2020 die «Black Lives Matter»-Proteste nach dem Tod von George Floyd die USA erschütterten. Ein halbes Jahr später berichtete er über den Sturm auf das Kapitol durch Anhänger von Donald Trump.
Umbrüche in USA schon länger spürbar
Seit rund zweieinhalb Jahren lebt der gebürtige Amerikaner nun in der Schweiz. Zusammen mit seiner Frau ist er in die Heimatstadt ihrer Familie gezogen. Unterdessen sei für ihn der Blick auf seine Heimat auf der anderen Seite des Atlantiks verstörend.
Geschichten, die früher für einen riesigen Skandal gesorgt hätten, lösen kaum mehr etwas aus.
Die Umbrüche in der politischen Landschaft der USA seien allerdings schon länger spürbar, sagt Bullard. «Geschichten, die früher für einen riesigen Skandal gesorgt hätten, lösen kaum mehr etwas aus.» Als Hauptgrund sieht Bullard die Lügen. Diese würden in der US-Politik heute viel mehr akzeptiert: «Die Wahrheit zu sagen, ist nicht mehr so wichtig wie früher.»
Die Distanz zu seinem Heimatland gebe Bullard auch eine neue Perspektive. Es führe ihm vor Augen, wie schnell sich die Verhältnisse ändern können und dass diese weniger stabil waren als gedacht.
Erleichterung und Verunsicherung
Bullard, der im US-Bundesstaat Illinois aufgewachsen ist, sagt, er sei froh, nicht mehr über US-Politik berichten zu müssen.
Ich verstehe selber noch nicht genau, wieso das alles passiert.
Den journalistischen Alltag habe er oft auch als aufreibend erlebt. Beim Lesen der Schlagzeilen ertappe er sich zwar noch heute, sich sofort Gedanken zu machen, wie er das Thema bearbeiten könne. «Und dann merke ich: Ich bin so froh, dass ich mich nicht redaktionell darum kümmern muss. Weil ehrlich gesagt: Ich verstehe selber noch nicht genau, wieso das alles passiert.»
Neues Leben, neue Themen – weiter dem Journalismus verpflichtet
Heute arbeitet Bullard als freier Journalist in der Schweiz. Er berichtet weniger über Politik, dafür mehr über Kultur, Kunst und Entwicklungen im Bereich verschiedener Technologien. Er schreibt vor allem für englischsprachige Medien aus den USA und Grossbritannien. Ausserdem moderiert er eine lokale Radiosendung für englischsprachige Expats in der Region Basel.
Aber auch wenn Gabe Bullard die USA hinter sich gelassen hat, will er dem Journalismus treu bleiben: «Ich will im Journalismus bleiben. Ich bin überzeugt, dass er wichtig ist.»