Die Schweiz verhandelt seit Monaten mit den USA über ein Handelsabkommen, das die Zölle bei maximal 15 Prozent deckeln würde. Seit letztem Freitag ist bekannt: Für gewisse Produkte aus der Schweiz gilt nun ein Zollsatz von 12.5 Prozent.
Die amerikanische Zollpolitik ist jedoch volatil – die Sätze haben in kurzer Zeit mehrfach gewechselt. Die Frage, die sich jetzt stellt: Soll sich die Schweiz mit den neuen Tarifen zufriedengeben, oder soll der Bundesrat weiterverhandeln?
Drei Stimmen aus dem Nationalrat
Drei Wirtschaftsfachleute aus dem Nationalrat haben dazu unterschiedliche Positionen.
SVP-Unternehmer Roland Rino Büchel zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem aktuellen Stand, mahnt aber zur Verbindlichkeit: «Der Stand von 12.5 Prozent ist in Ordnung. Er ist nicht brillant, das ist klar. Aber wir müssen weiter etwas wirklich Verbindliches machen. Das ist ein Handelsabkommen. Wir müssen da Rücksicht nehmen auf die Landwirtschaft, die Hightech-Industrie, Maschinenindustrie, gerade hier im St. Galler Rheintal, in der Ostschweiz.»
Elisabeth Schneider-Schneiter von der Mitte, Präsidentin der Handelskammer beider Basel, sieht dagegen noch Verhandlungsbedarf. Sie verweist auf die EU, die einen tieferen Zollsatz von 10 Prozent ausgehandelt hat: «12.5 Prozent sind mehr als die EU bekommen hat mit 10 Prozent. Die EU ist unsere wichtigste Handelspartnerin. Ich bin der Meinung, man sollte weiter versuchen, auf die 10-Prozent-Schiene zu kommen. Damit haben wir gleich lange Spiesse mit der EU. Das ist für unsere Unternehmen wichtig.»
Kritik an der Verhandlungsstrategie des Bundesrats
Grundsätzlichere Kritik kommt von Gerhard Andrey, Unternehmer und Nationalrat der Grünen. Er zweifelt nicht nur am Ergebnis, sondern auch am Vorgehen des Bundesrats: «Der Bundesrat muss anerkennen, dass man sich nicht darauf verlassen kann, was mit den USA verhandelt wird. Das haben wir jetzt zur Genüge erfahren. Und dann muss der Bundesrat auch eine Vorlage machen, die er dem Parlament und dem Volk vorlegen kann, und nicht wie jetzt häppchenweise auf Verordnungsebene an der Demokratie vorbeiverhandeln.»
Wie hoch die Zölle für Schweizer Produkte in den USA letztlich ausfallen werden, bleibt offen – und hängt vor allem davon ab, woher der Wind politisch in den USA weht.