Die Rückgabe archäologischer Funde ist in der Regel Sache zwischen Staaten – nun aber sorgt ein seltener Fall innerhalb zweier Kantone für Aufmerksamkeit: Basel-Stadt übergibt eine 15’000 Jahre alte Frauenstatuette an Schaffhausen und bringt damit eines der bedeutendsten Steinzeitobjekte des Landes an seinen ursprünglichen Fundort zurück.
«Bedeutend für die Geschichte des Kantons»
Die Figur gilt als wissenschaftlich zentraler Fund für den Kanton, obwohl das Objekt aus fossilem Holz, auch Pechkohle genannt, nur in etwa so gross ist wie ein Daumen.
«Die Figur ist sehr bedeutend für die Geschichte des Kantons, für das Verständnis, wie die Menschen da früher gelebt und gewirkt haben», sagt die Schaffhauser Kantonsarchäologin Katharina Schäppi.
Bedeutend sei sowohl das Alter als auch ihre Machart: Die sogenannte «Venus von Schweizersbild» wurde geschnitzt mit Feuersteinwerkzeugen. «Es handelt sich um eine abstrakte Frauenfigur. Das Stilisierte, das Abstrahieren – das ist eine menschliche Leistung. Und das drückt sich in dieser Figur sehr gut aus.»
1975 als Schenkung nach Basel gekommen
Aber wie kam die Statuette nach Basel? Das Objekt stammt aus der Fundstelle Schweizersbild am Stadtrand von Schaffhausen – einem prähistorischen Jagdlagerplatz, der bereits 1891 vom Archäologen Jakob Nüesch untersucht wurde.
Vor rund 60 Jahren fand der Laienforscher Willi Mamber die kleine Figur im Aushub älterer Grabungen und schenkte sie 1975 dem Museum der Kulturen Basel, «als Dank für viele Belehrungen der urgeschichtlichen Forschung in Basel».
Öffentlich ausgestellt wurde das Fundobjekt in Basel nie. Für mehrere internationale Ausstellungen wurde es jedoch ausgeliehen – zuletzt 2022 und 2023 nach Paris.
Im letzten Jahr stellte Schaffhausen dann eine offizielle Anfrage zur Rückführung. Die Basler Museumsleitung betont in diesem Zusammenhang, dass nicht Provenienzfragen oder koloniale Kontexte im Vordergrund standen. «Hier geht es nicht um unrechtmässig erworbenes Kulturgut. Es ist keine Rückgabe in diesem Sinn, sondern eine Schenkung von Basel-Stadt an Schaffhausen», sagt Friedrich von Bose, Direktor des Museums der Kulturen.
Sie ist dort besser aufgehoben.
Entscheidend sei gewesen, dass die Figur in Schaffhausen eine besonders hohe historische Bedeutung habe und dort aktiv erforscht und auch ausgestellt werden könne. «Sie ist dort besser aufgehoben, weil sie eine so hohe historische Bedeutung hat», betont von Bose.
Rückgabe mehr als eine Formalität
Den Segen zur Rückführung musste am Ende die Basler Regierung geben, was sie vor ein paar Tagen dann auch tat – sehr zur Freude der Schaffhauser Kantonsarchäologin. Für Katharina Schäppi ist die Rückgabe mehr als eine Formalität: «Wir hatten bis jetzt nur eine Kopie. Für mich ist das gefühlsmässig nicht das Gleiche – da hängt die Geschichte nicht daran.»