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Verbot wegen Suchtgefahr Sportwetten unter 18: Testkäufe entlarven schwachen Jugendschutz

  • Bei Sportwetten ist die Suchtgefahr besonders gross – auch deshalb sind sie für Minderjährige verboten.
  • Bei Testkäufen konnten Jugendliche aber bei fast jedem zweiten Versuch Wetten abschliessen.
  • Swisslos verspricht Besserung, die Geldspielaufsicht aber behält sich vor zu intervenieren.

Am Kiosk, in Bars oder am Tankstellenshop: Die Sportwetten der Landeslotterien Swisslos und Loterie Romande lassen sich fast überall abschliessen. Gerade jetzt, während der Fussball-WM, bewirbt Swisslos Sportwetten intensiv. Die Suchthilfe-Organisation Blaues Kreuz hat im Auftrag der interkantonalen Geldspielaufsicht in den Kantonen Zürich und Waadt 16- und 17-Jährige losgeschickt. Das Ergebnis: Die Jugendlichen konnten fast bei jedem zweiten Versuch Wetten abschliessen.

«Die Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend», sagt Manuel Richard, der Direktor der Geldspielaufsicht. Gerade für Minderjährige seien Sportwetten sogar gefährlicher als andere Glücksspiele, sie könnten süchtig machen: «Häufig gibt es eine Kontrollillusion: Spieler haben den Eindruck, dass sie besonders gut Bescheid wissen über bestimmte Sportarten.»

Nahaufnahme von Wettkarten und Formularen mit Zahlen und Text.
Legende: Swisslos bewirbt ihre Sportwetten intensiv. Inzwischen machen sie bei Swisslos bereits rund ein Fünftel des gesamten Reingewinns aus. Swisslos

Im Kanton Zürich kamen Jugendliche noch leichter an Sportwetten als in der Waadt: Bei etwas mehr als jedem zweiten Versuch hatten sie Erfolg. «Das Resultat ist natürlich nicht gut», gesteht Swisslos-Direktor Roger Fasnacht ein. Aus methodischen Gründen seien aber keine Rückschlüsse auf das gesamte Verkaufsnetz möglich.

Die Resultate im Detail

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Die Geldspielaufsicht hat insgesamt 200 Testkäufe durchführen lassen – 100 im Kanton Zürich und 100 in der Waadt. In 47.5 Prozent der Fälle konnten Jugendliche dabei Sportwetten abschliessen.

In der Romandie schaute das Verkaufspersonal etwas genauer hin: Dort waren die Jugendlichen nur in 39 Prozent der Fälle erfolgreich. Im Kanton Zürich hingegen in 56 Prozent der Fälle.

Unterschiede gibt es auch zwischen Stadt und Land. Auf dem Land war es einfacher für Minderjährige, Wetten abzuschliessen: In 57.5 Prozent gelang dies. In den Städten hingegen wurde mehr kontrolliert, die «Erfolgsquote» lag bei nur 41.7 Prozent.

Selbstbedienungsgeräte schnitten im Kanton Zürich besonders schlecht ab: Dort konnten die Jugendlichen in 90.9 Prozent der Fälle Wetten abschliessen. In der Waadt waren die jugendlichen Testpersonen an den Automaten nur in 50 Prozent der Fälle erfolgreich.

Die Geldspielaufsicht hat an 200 von über 4000 Verkaufsstellen getestet. Doch auch bei Tests von Swisslos an 500 Verkaufsstellen sah es nicht besser aus: Auch dort liess man Minderjährige in der Hälfte der Fälle wetten.

An Wettautomaten haben Jugendliche leichtes Spiel

Eine Schwachstelle sind Selbstbedienungs­automaten, wie sie zum Beispiel an vielen Kiosken stehen: Hier gibt es keinen Kontakt mit Personal. Im Kanton Zürich waren Minderjährige an den Automaten bei 9 von 10 Versuchen erfolgreich.

Digitaler Touchscreen mit Sportwetten-Optionen.
Legende: An Swisslos-Selbstbedienungsautomaten wie hier, haben Minderjährige besonders leichtes Spiel. Bei den Testkäufen im Kanton Zürich konnten sie in 9 von 10 Fällen Sportwetten abschliessen. SRF

«Wir werden für die Automaten Lösungen prüfen müssen», sagt der Swisslos-Chef. Eine Möglichkeit wäre, dass Spieler am Automaten ihren Ausweis scannen lassen müssen.

Jugendschutz soll besser werden

Swisslos-Chef Fasnacht verspricht: Die Situation werde sich verbessern. Man werde die Testkäufe intensivieren. Verkaufsstellen, die bei Tests durchfielen, würden persönlich kontaktiert. Ausserdem würden Flyer aufgelegt.

Online gilt bei Swisslos schon längst die Ausweispflicht

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Swisslos und Loterie Romande bieten ihre Sportwetten auch online an. Anders als an Kiosken, Tankstellenshops oder in Restaurants, müssen sich die Spielerinnen und Spieler online registrieren und einen amtlichen Ausweis präsentieren.

Fasnacht erwartet auch Verbesserungen dank Technik: Im Detailhandel würden erste Kameras eingesetzt, welche mit KI das Alter der Kunden bestimmten.

Swisslos wollte Veröffentlichung der Resultate verhindern

Die schlechten Testresultate haben zu Spannungen zwischen der Aufsicht und den Landeslotterien geführt. Diese wollten die Veröffentlichung der Resultate verhindern. Sie befürchteten, dass die Aufsicht gestützt auf die Resultate Massnahmen verfügt.

Erst nach längeren Abklärungen lenkten sie ein. Swisslos-Chef Fasnacht warnt vor starken Einschränkungen bei Sportwetten: «Wenn man den Zugang erschwert, profitieren die illegalen Anbieter. Das ist nicht im Sinne des Spielerschutzes und nicht im Interesse der Allgemeinheit.» Der Reingewinn der Landeslotterien geht für gemeinnützige Projekte an die Kantone.

Die Geldspielaufsicht will weitere Testkäufe durchführen und beobachten, was die Lotteriegesellschaften unternehmen. Für später behält sie sich ein Aufsichtsverfahren und Massnahmen vor. Swisslos also ist gewarnt: Wenn sich nichts bessert beim Jugendschutz, dann greift die Behörde ein.

Rendez-Vous, 15.07.2026, 12:30 Uhr; noes

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