- Bei Sportwetten ist die Suchtgefahr besonders gross – auch deshalb sind sie für Minderjährige verboten.
- Bei Testkäufen konnten Jugendliche aber bei fast jedem zweiten Versuch Wetten abschliessen.
- Swisslos verspricht Besserung, die Geldspielaufsicht aber behält sich vor zu intervenieren.
Am Kiosk, in Bars oder am Tankstellenshop: Die Sportwetten der Landeslotterien Swisslos und Loterie Romande lassen sich fast überall abschliessen. Gerade jetzt, während der Fussball-WM, bewirbt Swisslos Sportwetten intensiv. Die Suchthilfe-Organisation Blaues Kreuz hat im Auftrag der interkantonalen Geldspielaufsicht in den Kantonen Zürich und Waadt 16- und 17-Jährige losgeschickt. Das Ergebnis: Die Jugendlichen konnten fast bei jedem zweiten Versuch Wetten abschliessen.
«Die Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend», sagt Manuel Richard, der Direktor der Geldspielaufsicht. Gerade für Minderjährige seien Sportwetten sogar gefährlicher als andere Glücksspiele, sie könnten süchtig machen: «Häufig gibt es eine Kontrollillusion: Spieler haben den Eindruck, dass sie besonders gut Bescheid wissen über bestimmte Sportarten.»
Im Kanton Zürich kamen Jugendliche noch leichter an Sportwetten als in der Waadt: Bei etwas mehr als jedem zweiten Versuch hatten sie Erfolg. «Das Resultat ist natürlich nicht gut», gesteht Swisslos-Direktor Roger Fasnacht ein. Aus methodischen Gründen seien aber keine Rückschlüsse auf das gesamte Verkaufsnetz möglich.
Die Geldspielaufsicht hat an 200 von über 4000 Verkaufsstellen getestet. Doch auch bei Tests von Swisslos an 500 Verkaufsstellen sah es nicht besser aus: Auch dort liess man Minderjährige in der Hälfte der Fälle wetten.
An Wettautomaten haben Jugendliche leichtes Spiel
Eine Schwachstelle sind Selbstbedienungsautomaten, wie sie zum Beispiel an vielen Kiosken stehen: Hier gibt es keinen Kontakt mit Personal. Im Kanton Zürich waren Minderjährige an den Automaten bei 9 von 10 Versuchen erfolgreich.
«Wir werden für die Automaten Lösungen prüfen müssen», sagt der Swisslos-Chef. Eine Möglichkeit wäre, dass Spieler am Automaten ihren Ausweis scannen lassen müssen.
Jugendschutz soll besser werden
Swisslos-Chef Fasnacht verspricht: Die Situation werde sich verbessern. Man werde die Testkäufe intensivieren. Verkaufsstellen, die bei Tests durchfielen, würden persönlich kontaktiert. Ausserdem würden Flyer aufgelegt.
Fasnacht erwartet auch Verbesserungen dank Technik: Im Detailhandel würden erste Kameras eingesetzt, welche mit KI das Alter der Kunden bestimmten.
Swisslos wollte Veröffentlichung der Resultate verhindern
Die schlechten Testresultate haben zu Spannungen zwischen der Aufsicht und den Landeslotterien geführt. Diese wollten die Veröffentlichung der Resultate verhindern. Sie befürchteten, dass die Aufsicht gestützt auf die Resultate Massnahmen verfügt.
Erst nach längeren Abklärungen lenkten sie ein. Swisslos-Chef Fasnacht warnt vor starken Einschränkungen bei Sportwetten: «Wenn man den Zugang erschwert, profitieren die illegalen Anbieter. Das ist nicht im Sinne des Spielerschutzes und nicht im Interesse der Allgemeinheit.» Der Reingewinn der Landeslotterien geht für gemeinnützige Projekte an die Kantone.
Die Geldspielaufsicht will weitere Testkäufe durchführen und beobachten, was die Lotteriegesellschaften unternehmen. Für später behält sie sich ein Aufsichtsverfahren und Massnahmen vor. Swisslos also ist gewarnt: Wenn sich nichts bessert beim Jugendschutz, dann greift die Behörde ein.