Aktuell läuft beim Bund die Vernehmlassung zu verschiedenen PFAS-Regelungen für die Landwirtschaft. Was auf die betroffenen Bäuerinnen und Bauern zukommt und welche Unterstützung sie erhalten, ist noch offen.
Trotzdem haben PFAS-verunreinigte Böden und Produkte schon heute konkrete finanzielle Auswirkungen.
Wer bei landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften um ein Darlehen ersucht, muss möglicherweise einen negativen PFAS-Nachweis vorlegen. Dies gilt unter anderem für die Kantone Thurgau und Appenzell Ausserrhoden. Auch im Kanton St. Gallen soll dies bald der Fall sein.
Im Kanton Thurgau gilt die neue Regel vor allem für Bauprojekte in der Rinderhaltung. Dazu gehören Stallbauten, Silos oder Hofdüngeranlagen. Nicht betroffen sind Ställe für Schweine und Geflügel.
Planungssicherheit gewünscht
Die Rinderhaltung steht bei der Kreditvergabe besonders im Fokus, weil Rinder über Gras, Heu oder auch Trinkwasser PFAS aufnehmen können. Schweizweite Untersuchungen haben gezeigt, dass die PFAS-Belastung in Rindfleisch deutlich höher ist als bei Schweine- oder Geflügelfleisch.
Eine Investition wäre fatal, wenn die wirtschaftliche Existenz des Landwirts gefährdet ist.
Die Geldgeber wollen Sicherheit. Einen Stall zu bauen, der dann wegen der PFAS-Belastung nicht genutzt werden kann, das wollen sie vermeiden. «Ziel ist es, dass Investitionen in Infrastruktur nur dann erfolgen, wenn sie auch wie geplant genutzt werden kann», erklärt Ines Rebentrost das Vorgehen.
Rebentrost ist Fachperson PFAS beim Landwirtschaftlichen Zentrum Arenenberg im Thurgau und Anlaufstelle für Landwirtinnen und Landwirte. «Eine Investition wäre fatal, wenn die wirtschaftliche Existenz des Landwirts gefährdet ist.»
PFAS-Belastung senken ist schwierig
Ist die PFAS-Belastung zu hoch, heisst das nicht automatisch, dass es keinen Kredit gibt. Zusammen mit dem Betrieb werde untersucht, was die Ursachen sind und wie die Belastung reduziert werden könnte.
Der Ausserrhoder Bauernverbandspräsident Beat Brunner relativiert. Es sei nicht so einfach, die Belastung durch PFAS zu senken: «In der Praxis ist das, je nach Betroffenheit, fast unmöglich und braucht vor allem sehr viel Zeit.»
Einen neuen Stall zu bauen oder einen Bauernhof zu übernehmen, sei ein Entscheid für kommende Jahrzehnte, sagt Brunner weiter. Stand heute sei aber offen, ob ein betroffener Betrieb überhaupt weiter wirtschaften könne. Was fehle, sei die Planungssicherheit. «Die ganze Existenz ist damit infrage gestellt», gibt Brunner zu bedenken.
Nur wenige Betriebe betroffen
Es gibt auch Kantone, die derzeit auf einen PFAS-Nachweis bei Krediten verzichten. Der Kanton Bern schreibt auf Anfrage, weder die Bernische Stiftung für Agrarkredite noch die zuständige Abteilung beim Amt für Landwirtschaft und Natur würden Nachweise verlangen.
Die Zahl der Fälle, die einen negativen PFAS-Nachweis erfordern, sei in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden momentan überschaubar, heisst es von Rebentrost und Brunner. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Doch schon jetzt zeigt sich: Die Chemikalien sind mehr als nur ein abstraktes Umweltrisiko, sondern können bereits konkrete Auswirkungen auf Betriebe haben.