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Vorbereitung für den Ernstfall Angehende Lehrkräfte üben heikle Elterngespräche mit KI

Wenn Eltern den Unterricht infrage stellen, Druck machen oder mit rechtlichen Schritten drohen, stehen Lehrpersonen vor grossen Herausforderungen. Gerade bei schlechten Noten oder Übertrittsentscheiden eskalieren Gespräche immer wieder.

Für viele angehende Lehrkräfte sind solche Situationen schwer einschätzbar – und doch gehören Gespräche mit schwierigen Eltern zum Schulalltag. Um darauf vorbereitet zu sein, trainieren Studierende der Sekundarstufe an der Pädagogischen Hochschule Zürich nun mit KI-Avataren.

«Es ist super, es ist richtig krass!», sagt Yannik Burri, angehender Lehrer Sekundarstufe I. Er führt sein erstes Elterngespräch – allerdings mit einem digitalen Gegenüber.

Konfrontation im virtuellen Raum

Der Avatar tritt selbstbewusst auf: «Guten Tag, mein Name ist Albert. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir über die Situation meiner Tochter sprechen können. Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass ihre Lehrmethoden geeignet sind, um sie auf das Gymnasium vorzubereiten. Wir brauchen hier Ergebnisse, keine Stuhlkreise.»

Burri reagiert verwundert: «Ui, das überrascht mich, gibt es Anzeichen, worauf basieren Sie diese Annahmen?» Der Avatar legt nach: «Bei ihrem Vorgänger herrschte noch Zucht und Ordnung und die Schüler hatten klare Ziele vor Augen, das vermisse ich bei ihrem Unterricht schmerzlich.»

Wir schauen mit den Studierenden genau, was es für Möglichkeiten gibt, damit ein Gespräch nicht eskaliert – oder wie man ein Gespräch auch abbricht.
Autor: Simone Herzog Dozentin Pädagogische Hochschule Zürich

Solche Szenarien sind vielleicht zugespitzt. Das System befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Ziel ist es aber, Studierende auf anspruchsvolle Gespräche vorzubereiten.

Training für den Ernstfall

Burri sieht den Nutzen: «Man kann nicht voraussagen, was für Fälle auf einen zukommen werden, weil einfach so viel möglich ist.» Jede Übung helfe, Sicherheit zu gewinnen.

Person mit VR-Brille steht vor projiziertem Avatar an der Wand.
Legende: Studierende üben mit Avataren für künftige Elterngespräche. SRF

Gerade bei Themen wie Übertritt, Schulangst oder Mobbing könnten Gespräche eskalieren. Dozentin Simone Herzog erklärt: «Wir schauen mit den Studierenden genau, was es für Möglichkeiten gibt, damit ein Gespräch nicht eskaliert – oder wie man ein Gespräch auch abbricht.»

Auch der Lehrerverband erkennt Potenzial. Beat Schwendimann sagt: «Es kann durchaus sein, dass Eltern drohen, zum Beispiel mit einem Anwalt.» Solche Situationen liessen sich im geschützten Rahmen üben.

Grenzen der Technologie

Die Studierenden bleiben jedoch kritisch. Fabienne Tanner, angehende Lehrperson, sagt: «Das passiert halt auf einer sehr fiktiven Ebene.» Man könne schlecht begründen, wenn man einfach eine Antwort erfinden müsse.

KI kann ein richtig realistisches Gespräch mit einem Erziehungsberechtigten auf keinen Fall ersetzen.
Autor: Martin Berger Projektleiter bei Immerse Project

Auch Burri meint: «Je länger das Gespräch geht, desto mehr merkt man dann: Okay, die KI geht jetzt nicht extrem auf das ein, was ich sage.» Ein reales Gespräch wird wohl in eine andere Richtung gehen, vermutet er.

Projektleiter Martin Berger von Immerse Project ordnet ein: «KI kann ein richtig realistisches Gespräch mit einem Erziehungsberechtigten auf keinen Fall ersetzen.» Die Simulation sei nur eine Annäherung, eine weitere Methode.

Ehrliche Bewertung inklusive

Am Ende bewertet der Avatar das Gespräch direkt: «In diesem Moment hast du dich jedoch eher gerechtfertigt und erklärt, statt Herrn Alberts Aussage anzunehmen und zu erkunden.»

Bleibt zu hoffen, dass die Elterngespräche in der realen Welt angenehmer verlaufen. Unberechenbar bleiben sie – trotz Training.

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10vor10, 13.04.2026; 21:50 Uhr ; 

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