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Vorgaben beim Sport Trotz Kritik: Grossteil der Sportverbände erfüllen Frauenquote

Fördergelder für nationale Verbände sind an Geschlechter- und Ethikvorgaben gebunden – laut Bund ein Erfolg. Das sehen nicht alle so.

Darum geht es: Die nationalen Sportverbände müssen seit Anfang des letzten Jahres neue Vorgaben einhalten, falls sie Geld aus dem nationalen Sportfördertopf erhalten wollen. Dazu gehören verschiedene Ethik- und Führungsregeln, wie etwa eine ausgewogene Vertretung von Männern und Frauen in Leitungsorganen (je mindestens 40 Prozent). Auch müssen die Verbände die Amtszeiten in den Gremien begrenzen oder Interessenkonflikte transparent machen.

Vorgaben als Reaktion auf Missbrauch

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2020 deckte das Magazin des «Tages-Anzeigers» erschütternde Zustände im nationalen Leistungszentrum in Magglingen auf. Junge Kunstturnerinnen und Athletinnen der rhythmischen Sportgymnastik wurden von ihren Trainerinnen und Trainern gemobbt und misshandelt. Als Folge knüpfte der Bundesrat die nationale Sportförderung an ethische Vorgaben und führte zudem eine Geschlechterquote für die Leitungsgremien der nationalen Sportverbände ein. Seit dem 1. Januar 2025 müssen die Verbände die neuen Vorgaben definitiv umsetzen.

Das wurde erreicht: Laut dem Bundesamt für Sport (Baspo) sind die neuen Regeln grossmehrheitlich erfolgreich umgesetzt worden. Von den 69 nationalen Verbänden erfüllen rund 80 Prozent sämtliche Vorgaben. «Wir sind sehr zufrieden», sagt Baspo-Direktorin Sandra Felix gegenüber SRF: «Besonders gut klappt es, Männer und Frauen zu mindestens 40 Prozent in die Leitungsorgane aufzunehmen – das erfüllen sogar über 90 Prozent der Verbände.» Die Vorgaben gelten als erreicht, wenn die Verbände sie in ihren Statuten festgeschrieben haben oder sie demnächst festschreiben wollen, erklärt Felix: «Ob sie auch faktisch gelebt werden, muss sich erst noch zeigen.»

Ist das wirklich Sinn und Zweck der Übung?
Autor: Matthias Jauslin Politiker und Vorstandsmitglied beim Aero-Club

Deshalb gibt es Kritik: Nicht für alle Verbände sind die Voraussetzungen die gleichen. Insbesondere Sportarten, die stark von einem Geschlecht geprägt sind – wie Schwingen, Schiessen oder Sportfliegen – haben es schwerer, eine Quote in den Führungsgremien zu erreichen. «Unser Verband hat 20'0000 Mitglieder und nur 2.8 Prozent davon sind Frauen», erklärt GLP-Nationalrat Matthias Jauslin, der im Vorstand des Schweizer Flugsportverbands Aero-Club ist. «Wie sollen wir da eine ausgewogene Verbandsführung erreichen können?» Auch sein Verband habe aber die Vorgabe in die Statuten aufgenommen, nur eben, bei der Umsetzung werde es schwierig, so Jauslin. Und er fragt sich: «Ist das wirklich Sinn und Zweck der Übung?»

Schützin mit Gewehr und Gehörschutz lächelt.
Legende: Nicht nur bei den Mitgliedern, auch in Leitungsgremien von Sportverbänden sollen Frauen vermehrt anzutreffen sein. Keystone/Philipp Schmidli

Das steht nun an: In den nächsten Jahren werde sich eine Praxis herauskristallisieren müssen, ist Baspo-Direktorin Sandra Felix überzeugt: «Das Baspo wird gemeinsam mit dem Dachverband Swiss Olympic die Verbände auf dem Weg hin zur aktiven Umsetzung begleiten.» Die Verbände, die bis jetzt die Vorgaben nicht erfüllen, müssten sich nun hinter die Bücher klemmen, wollten sie weiterhin Fördergelder des Bundes erhalten. Und bei den anderen werde sich zeigen, ob die in den Statuten festgehaltenen Vorgaben verhältnismässig umgesetzt werden können. «Mir ist klar, dass es da Unterschiede gibt – diese werden bei der Bewertung berücksichtigt», so Felix.

Widerstand im Parlament: Politisch stösst der neue Kurs des Bundes auch auf Gegenwind. Noch ist ein Vorstoss im Parlament hängig, der die Geschlechterquote in den nationalen Sportverbänden wieder aushebeln möchte. SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner kritisiert darin insbesondere die zusätzliche Bürokratie, die die neuen Regeln mit sich brächten.

SRF 4 News, 19.2.2026, 16 Uhr;liea ; 

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