Die Wildschweinpopulation in der Schweiz wächst immer mehr. Die mittlerweile bis zu 30'000 Tiere verursachen zunehmend Schäden in der Landwirtschaft.
Verschiedene Kantone wollen das Problem vor allem mit verstärkter Bejagung lösen. Die zeigt bis jetzt aber nicht die gewünschte Wirkung. Der Kanton Zürich versucht nun, neue Wege zu gehen. Statt aus allen Rohren zu schiessen, sollen nebst einer gezielteren Jagd vor allem auch vorbeugende Massnahmen in der Landwirtschaft helfen, die Probleme zu lösen.
Wildschweine mit Lärm und Gestank vertreiben
Mit dem neuen Wildschwein-Management setzt die Zürcher Jagdverwaltung auf drei Säulen: Nebst einer gezielteren Jagd und jährlichen Entschädigungszahlungen von rund 350'000 Franken für Wildschweinschäden in der Landwirtschaft setzt der Kanton nun auch auf vorbeugende Massnahmen.
So unterstützt die Jagdverwaltung Landwirte und Landwirtinnen beim Kauf von Abwehrinstallationen. Letztes Jahr wurden dafür 200'000 Franken gesprochen. Nebst Elektrozäunen für den Schutz der Felder kommen stinkende Duftstoffe zum Einsatz, welche die Wildschweine vertreiben sollen. Aber auch der sogenannte Wildschweinschreck kann helfen, eine mobile Lautsprecheranlage für die Felder mit Schuss- und Schreckgeräuschen. Für den Unterhalt all dieser Massnahmen zahlt der Kanton nochmals eine Viertelmillion Franken.
«Unsere Erfahrungen aus den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, dass alleine mit einer intensiven Bejagung die Schäden nicht eingedämmt werden können», so Sandro Stoller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der kantonalen Jagdverwaltung und zuständig für das Wildschwein-Management.
Wir bejagen die Wildschweine möglichst nur auf den Feldern, nicht aber in den Wäldern.
Solange die Tiere einen zu einfachen Zugang zu Futterquellen auf den Feldern hätten, vermehre sich die Population rasant, mit Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent pro Jahr.
Anpassungsfähige Tiere lernen schnell
Die Jagdverwaltung setzt auch auf Vergrämungsabschüsse auf den Feldern. «Wir bejagen die Wildschweine möglichst nur auf den Feldern, nicht aber in den Wäldern», so Stoller. So lernten die anpassungsfähigen Tiere schnell, dass sie die Felder meiden müssen und im Wald einen sicheren Rückzugsort haben.
Wir schiessen bewusst die Jungtiere und lassen die älteren Tiere mit Leitfunktion leben.
Jäger wie Sebastian Wittwer kümmern sich um diese Aufgabe. Im Jagdrevier der Weinländer Gemeinde Dorf geht er mehrmals pro Woche auf die Pirsch. Hinweise der Bauern helfen ihm, auszumachen, wo die Wildschweine gerade am aktivsten sind. Dank Ausnahmebewilligung darf er mit Nachtsichtgerät jagen. So erhofft sich die Jagdverwaltung eine effizientere und gezieltere Jagd.
Wittwer erklärt das Vorgehen: «Wir schiessen bewusst die Jungtiere und lassen die älteren Tiere mit Leitfunktion leben.» Diese seien das Gedächtnis der Rotte und sorgten nach Abschüssen auf den Feldern dafür, dass die restlichen Tiere mehr im Wald bleiben und die Felder möglichst meiden.
Diese Strategie scheint bislang aufzugehen. Während andere Jagdreviere im Kanton mit ähnlich hohem Wildschweinbestand Schäden von über 30'000 Franken haben, konnten die Schäden im Jagdrevier Dorf vergleichsweise tief gehalten werden mit 7000 Franken.
Nun bemüht sich die Jagdverwaltung darum, dass auch die Jäger der anderen Reviere im Kanton mit dieser Strategie jagen, so Sandro Stoller. «Wenn wir es schaffen, bei etwa gleich hoher Wildschweinpopulation die Schäden bei den landwirtschaftlichen Kulturen zu senken, dann sind alle zufrieden.»