Die Ausgangslage in Zürich ist so spannend wie seit langem nicht mehr. Denn drei der neun Stadträtinnen und Stadträte treten nicht mehr an: Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und die beiden Stadträte Filippo Leutenegger (FDP) und André Odermatt (SP) verzichten auf eine weitere Amtszeit.
Kann die SP ihre vier Sitze verteidigen, oder verliert sei einen auf Kosten des bekannten grünen Nationalrats Balthasar Glättli? Oder verliert die FDP einer ihren beiden Sitze? Der Ausgang der Wahlen ist offen.
Sechs Bisherige treten nochmals an
Kaum zittern muss Daniel Leupi von den Grünen. Der Finanzvorsteher ist seit 2010 Stadtrat. Jahr für Jahr konnte der 60-Jährige Millionenüberschüsse in der Rechnung präsentieren. Unterdessen haben sich die Finanzprognosen aber verschlechtert und Leupi will Investitionen priorisieren. Nichtsdestotrotz sitzt er fest im Sattel. Laut der aktuellsten Tamedia-Wahlumfrage würde er am 8. März gar die meisten Stimmen holen.
Alle bisherigen Stadtratskandidatinnen und Stadtratskandidaten
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Bild 1 von 6. Daniel Leupi (Grüne). Seit 2010 ist Daniel Leupi Stadtrat, seit 2013 ist er Vorsteher des Finanzdepartements. Jahr für Jahr konnte der 60-Jährige Millionenüberschüsse in der Rechnung präsentieren. Unterdessen haben sich die Finanzprognosen aber verschlechtert. Bildquelle: ZGV.
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Bild 2 von 6. Raphael Golta (SP). Raphael Golta ist seit 2014 Sozialvorsteher. Nun möchte er Nachfolger von Parteikollegin Corine Mauch werden und das Zürcher Stadtpräsidium übernehmen. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.
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Bild 3 von 6. Andreas Hauri (GLP). Seit acht Jahren ist Andreas Hauri Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements. In dieser Zeit hat er die Stadtspitäler neu aufgestellt und Zürich durch die Corona-Krise geführt. Bildquelle: ZVG/Giorga Müller.
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Bild 4 von 6. Karin Rykart (Grüne). Seit acht Jahren ist Karin Rykart Vorsteherin des Sicherheitsdepartements. Sie muss unter anderem das Personalproblem bei der Stadtpolizei lösen. Diese kämpft seit Jahren mit einer Unterbesetzung. Bildquelle: ZVG.
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Bild 5 von 6. Michael Baumer (FDP). Michael Baumer ist seit 2018 Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe. In dieser Funktion war er unter anderem zuständig für den grössten Fahrplanwechsel in der Geschichte der VBZ. Bildquelle: Keystone/Allessandro Della Bella.
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Bild 6 von 6. Simone Brander (SP). Simone Brander ist seit vier Jahren Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements. 130 Kilometer sichere Velorouten muss sie bis 2031 schaffen. Die Umsetzung stockt allerdings. Bildquelle: ZVG.
Gute Chancen für weitere vier Jahre gewählt zu werden, hat auch Sozialvorsteher Raphael Golta von der SP. Der 50-Jährige bewirbt sich ausserdem als Nachfolger von Corine Mauch im Stadtpräsidium. Für dieses Amt gilt er als Kronfavorit.
Die Wiederwahl schaffen dürften auch Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) und Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP). Beide sind seit acht Jahren im Stadtrat. Auch Michael Baumer von der FDP, der die Wahl vor vier Jahren nur knapp schaffte, würde laut der neusten Wahlumfrage für weitere vier Jahre gewählt.
Alle Bisherigen im Interview
Am schlechtesten aller bisherigen Stadträtinnen und Stadträte schneidet, laut Umfrage, Tiefbauvorsteherin Simone Brander von der SP ab. Die 47-Jährige sorgte kürzlich für Aufsehen, unter anderem weil sie die Gratis-Entsorgungscoupons abgeschafft hat. Die Wiederwahl dürfte aber auch sie schaffen.
Elf Neue greifen an
Mit Balthasar Glättli mischt ein national bekannter Politiker den Wahlkampf in Zürich auf. Der 54-Jährige sitzt seit 14 Jahren für die Grünen im Nationalrat. Vier Jahre lang war er Präsident der Grünen Schweiz. Nun will Glättli zurück in die Lokalpolitik und Stadtrat von Zürich werden.
Zwar haben die Grünen bereits zwei Sitze in der Regierung. Durch seine Bekanntheit sind Glättlis Chancen aber durchaus intakt. Laut der aktuellsten Tamedia-Umfrage würde Glättli sogar auf dem vierten Rang landen. Direkt vor SP-Nationalrätin Céline Widmer, die ebenfalls neu kandidiert.
Sie wollen neu in den Zürcher Stadtrat
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Bild 1 von 11. Balthasar Glättli (Grüne). Seit 2011 sitzt Balthasar Glättli für die Grünen im Nationalrat. Ausserdem war er vier Jahre lang Präsident der Grünen Schweiz. Jetzt will er in den Zürcher Stadtrat. Bildquelle: ZVG.
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Bild 2 von 11. Céline Widmer (SP). Céline Widmer ist seit 2019 Nationalrätin. Dort widmet sie sich insbesondere Finanz-, Gleichstellungs- und Migrationsthemen. Ausserdem war sie mehrere Jahre im Stab von Stadtpräsidentin Corine Mauch tätig. Bildquelle: SRF/Dominik Steiner.
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Bild 3 von 11. Tobias Langenegger (SP). Tobias Langenegger will einen der beiden freiwerdenden SP-Sitze im Zürcher Stadtrat für sich gewinnen. Der 40-Jährige politisiert seit zehn Jahren im Zürcher Kantonsparlament. Einer seiner politischen Schwerpunkte ist die Wohnpolitik. Bildquelle: ZVG.
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Bild 4 von 11. Përparim Avdili (FDP). Përparim Avdili gilt als Senkrechtstarter innerhalb seiner Partei. 2018 wurde er ins Stadtparlament gewählt. Seit 2022 ist er Präsident der städtischen FDP und im Herbst 2025 hat ihn seine Partei als Kandidaten für das Stadtpräsidium nominiert. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.
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Bild 5 von 11. Marita Verbali (FDP). Marita Verbaldi soll für die FDP einen dritten Sitz im Zürcher Stadtrat erobern. Die 55-Jährige sitzt seit zwei Jahren im Stadtparlament und arbeitet beim Zürcher Stadtspital als Unternehmensentwicklerin. Bildquelle: ZVG.
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Bild 6 von 11. Serap Kahriman (GLP). Serap Kahriman will für die Grünliberalen einen zweiten Sitz im Stadtrat erobern und gleichzeitig Stadtpräsidentin werden. Als Tochter türkischer Einwanderer, machte sie zuerst eine Lehre als Gärtnerin und wurde dann Juristin. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.
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Bild 7 von 11. Ueli Bamert (SVP). Ueli Bamert will für die SVP einen Sitz im Zürcher Stadtrat erobern und er will Stadtpräsident von Zürich werden. Damit würde ihm gelingen, was der Partei zuletzt vor über 35 Jahren gelungen ist. Der 46-Jährige ist seit acht Jahren im Zürcher Kantonsparlament und Co-Präsident der städtischen SVP. Bildquelle: Keystone/Claudio Thoma.
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Bild 8 von 11. Tanja Maag (Alternative Liste). Tanja Maag sitzt für die Alternative Liste im Zürcher Gemeinderat, wo sie auch Co-Fraktionschefin ist. Die 51-jährige lebt mit ihrer Familie im Kreis 9 und arbeitet als Bildungsverantwortliche im Spital Zollikerberg. Bildquelle: ZVG.
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Bild 9 von 11. Karin Weyermann (Die Mitte). Die 41-jährige Juristin ist langjährige Gemeinderätin der Mitte und leitete die Partei auch einige Jahre. Weyermann sieht sich als Brückenbauerin zwischen rechts und links. Bildquelle: ZVG.
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Bild 10 von 11. Sandra Gallizzi (EVP). Sandra Gallizzi will für die EVP einen Sitz im Zürcher Stadtrat erobern. Die Partei ist seit über 30 Jahren nicht mehr in der Stadtregierung vertreten. Die 54-Jährige sitzt seit knapp drei Jahren im Zürcher Stadtparlament. Bildquelle: ZVG.
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Bild 11 von 11. Mikhail Shalaev (Jungfreisinnige). Als Sechsjähriger kam Mikhail Shalaev mit seinen Eltern von Russland nach Zürich und verstand kaum ein Wort Deutsch. Nun kandidiert er für die junge FDP für den Stadtrat. Bildquelle: SRF/Can Külahcigil.
Durchaus intakt stehen die Chancen auch für Përparim Avdili. Der 38-Jährige mit Wurzeln in Nordmazedonien will den zweiten FDP-Sitz verteidigen, der durch den Rücktritt von Filippo Leutenegger frei wird. Daneben kandidiert er auch fürs Stadtpräsidium.
Laut Umfrage liefert sich Avdili ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit SP-Kandidat Tobias Langenegger, der den vierten Sitz der SP in der Stadtregierung verteidigen will. Der 40-Jährige ist Kantonsrat und dort Co-Präsident der SP-Fraktion.
Die Neuen im Porträt
Schwierig haben dürften es Ueli Bamert (SVP) und Serap Kahriman (GLP). Beide kandidieren zwar auch fürs Stadtpräsidium. Die SVP ist seit 35 Jahren nicht mehr im Stadtrat vertreten und die GLP kämpft ohne Schützenhilfe von links und rechts.
Auch Marita Verbali (FDP), Sandra Gallizzi (EVP), Karin Weyermann (Mitte), Tanja Maag (AL) und Mikhail Shalaev (Jungfreisinnige) bleiben laut aktueller Umfrage chancenlos.