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Wahlen Stadt Zürich Eventkandidat oder Alteingesessener? Neues Stadtoberhaupt gesucht

Ein FDP-Kandidat mit Migrationsgeschichte fordert die dominierende SP heraus und zwingt sie zu einer Debatte: Hat Zürich ein Repräsentationsproblem?

Es ist ein Wahlkampfabend, der eher an eine Party als an Politik erinnert. Im Zürcher Club Plaza rappt der Musiker EAZ für den FDP-Kandidaten Përparim Avdili. Der Song heisst «eine vo ois». Politische Überzeugung steckt hinter dem Auftritt des Rap-Stars allerdings kaum. «Ich bin noch nie wählen gegangen», sagt EAZ offen. Was ihn mit Avdili verbindet, sei ihre gemeinsame Herkunft: Beide sind Söhne albanischer Arbeitsmigranten.

Avdili setzt bewusst auf diese gemeinsame Geschichte. Politische Inhalte gibt es an diesem Abend nur in kleinen Dosen. Dafür viel Identifikation, Emotion und Inszenierung. «Es geht darum, neue Leute zu erreichen, mit neuen Formen und mit Spass», sagt er.

Neue Wählerschichten ansprechen

Politik als Event ist für Zürich ungewohnt. Doch es gehe auch darum, Personen an die Urne zu bringen, die bislang nicht gewählt haben, so Avdili: «Das ist auch ein demokratischer Auftrag.»

Përparim Avdili steht mit Mikrofon in der Hand auf einer Bühne.
Legende: Përparim Avdili möchte für die FDP das Stadtpräsidium erobern. SRF

Die Events sind nicht das Einzige, womit der Herausforderer punkten will: Insbesondere Avdilis ungewöhnlich früh lancierte Plakatkampagne gab in Zürich zu reden.

SP setzt auf leisere Töne

Während der FDP-Kandidat lautstark um Aufmerksamkeit buhlt, bleibt Favorit Raphael Golta bei der klassischen Strategie. Der SP-Sozialvorsteher, seit zwölf Jahren im Zürcher Stadtrat, verzichtet auf grosse Shows: «Mir liegt eher die Information, als so ein Brimborium zu veranstalten.» Podien, Flyeraktionen, inhaltliche Debatten, so sein nüchterner Stil.

Ich habe bewiesen, dass ich Politik für Menschen machen kann, die nicht meinen Background haben.
Autor: Raphael Golta Stadtrat Zürich/SP

Anfang Februar hat die SP ihren Wahlkampf offiziell eingeläutet. Rund drei Monate nachdem Përparim Avdili, ebenfalls in einem Zürcher Club, seine Wahlkampagne lanciert hatte.

Die Frage nach der Repräsentation

Schon bevor sich die SP im Sommer 2025 für Golta als Nachfolger von Corine Mauch entschied, galt er als logischer Kandidat. Seine innerparteiliche Konkurrentin Mandy Abou Shoak, die eine Fluchtbiografie mitbringt, unterlag bei der Abstimmung unter den SP-Delegierten. Daraufhin wurde der Partei vorgeworfen, Vielfalt zu predigen, sie aber in den eigenen Reihen zu wenig zu leben.

Drei Menschen am Tisch: Raphael Golta, dahinter die Stadtrats-Kandidaten Céline Widmer und Tobias Langenegger
Legende: Raphael Golta läutet mit der SP den Wahlkampf ein. SRF

Raphael Golta weist das zurück: «Ich habe bewiesen, dass ich Politik für Menschen machen kann, die nicht genau meinen Background haben.» Die Frage nach politischer Repräsentation ist in Zürich, wo fast die Hälfte der Bevölkerung eine Migrationsgeschichte haben, in diesem Wahlkampf allgegenwärtig.

Meine Kandidatur soll eine Einladung an alle Menschen und auch an meine Partei sein.
Autor: Përparim Avdili FDP-Kandidat

Die FDP habe bislang kaum Verständnis für marginalisierte Gruppen gezeigt, heisst es aus der SP. Avdili sagt: «Meine Kandidatur soll eine Einladung an alle Menschen und auch an meine Partei sein, die Vielfalt der Bevölkerung in der Politik zu repräsentieren.»

Chancen klar verteilt

Mit Serap Kahriman von der GLP versucht noch eine weitere Kandidatin mit Migrationsgeschichte das Zürcher Stadtpräsidium zu erobern. Vierter Kandidat im Rennen ist Ueli Bamert von der SVP. Sie beide dürften gemäss Umfragen chancenlos bleiben.

Die Umfragen zeigen auch: Avdili hat Chancen, in die Stadtregierung gewählt zu werden. Für das Stadtpräsidium dürfte es hingegen kaum reichen. Die Debatte darüber, wie divers Zürichs Politik sein soll, wird auch nach der Wahl am 8. März weitergehen.

10 vor 10, 6.02.2026, 21:50 Uhr; thon;liea

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