Es ist ein Stück Nostalgie auf Schienen: Durchs Luzerner Surental führt seit 1912 ein Bahngleis – jenes der Sursee-Triengen-Bahn. Die knapp neun Kilometer lange Strecke wurde nie elektrifiziert. Stattdessen gibt's den Sommer über jeweils einmal monatlich historische Dampffahrten.
Am Sonntag wäre es wieder so weit gewesen – doch daraus wird nichts: Die Dampflokomotive bleibt im Depot. Der Trockenheit wegen. «Das Risiko eines Brandes ist uns einfach zu gross», sagt Matthias Emmenegger, der Geschäftsführer der Bahn.
Zwei heikle Stellen
Das Problem ist: Bei der Dampflokomotive kann an zwei Stellen Glut entweichen. Zum einen beim Kamin: «Trotz Funkenfang ist es nicht komplett ausgeschlossen, dass durch die Abluft Glut mitfliegt», sagt Emmenegger.
Ein kleinstes Glutteilchen könnte reichen, um eine trockene Wiese zu entflammen.
Zum anderen brennt im Bauch der Lok ein Feuer. Die Kohle wird dabei auf einem Rost verbrannt, durch den Frischluft strömt. «Dabei könnten Kleinstteilchen entweichen, was aktuell reichen könnte, um eine trockene Wiese oder ein Kornfeld zu entflammen.»
Bereits im Juni schickte die Bahnbetreiberin der Dampflokomotive aus Sicherheitsgründen einen Löschzug hinterher. Da die Trockenheit seither noch schlimmer wurde, zieht die Sursee-Triengen-Bahn nun sozusagen die Notbremse. Eine Premiere in der Geschichte der Firma. Doch Matthias Emmenegger sagt: «Es macht keinen Sinn, etwas ‹dürezstiere›.»
Statt Dampfbahnen verkehren Diesel- oder Elektroloks
In der Schweiz gibt es mehrere historische Dampfbahnen, die derzeit mit demselben Problem kämpfen. So musste etwa die Rigi Bahnen AG die drei geplanten Fahrten von nächster Woche mit der Zahnraddampflok von Goldau auf die Rigi absagen. Auch zwischen Interlaken Ost und Giswil lässt sich am Sonntag kein historisches Rollmaterial sehen – die Brünig-Dampfbahn pausiert.
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Bild 1 von 3. Die Dampflok 16 der Rigi Bahnen im Einsatz beim Jubiläum 2025. Bildquelle: Michi Captures.
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Bild 2 von 3. Ein Zug auf der Furka-Bergstrecke mit Lok HG 2/3 Nr. 6 bei Muttbach VS. Bildquelle: Urs W. Züllig.
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Bild 3 von 3. Eine Komposition des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland, fotografiert 2002 zwischen Hinwil und Bauma. Bildquelle: Keystone/Peter Gerber.
Etwas anders sieht es bei der Dampfbahn auf der Furka-Bergstrecke aus: Zwischen Realp im Kanton Uri und Gletsch im Wallis ist aktuell noch eine Dampflokomotive im Einsatz. Ab Gletsch bis Oberwald VS fährt aufgrund der Waldbrandgefahr allerdings eine Diesellok. Der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland verzichtete derweil letzten Sonntag auf Dampfloks und setzte stattdessen einen historischen Elektrozug ein.
Sursee-Triengen-Bahn erwägt «Fahrplanänderung»
Strom oder Diesel – die Sursee-Triengen-Bahn kann weder auf das eine, noch auf das andere ausweichen. Zum einen ist die Strecke, wie erwähnt, nicht elektrifiziert. Zum anderen wäre der Aufwand gross, einzig für solche Ausnahmesituationen eine Diesellok zu unterhalten. «Das lohnt sich nicht», sagt Geschäftsführer Matthias Emmenegger.
Aufgrund der aktuellen Trockenheit stellen sich die Verantwortlichen vielmehr die Grundsatzfrage: Soll die Sursee-Triengen-Bahn in Zukunft in den Monaten Juni und Juli überhaupt noch aus dem Depot kommen? «Wir überlegen, ob wir die Fahrten in den Frühling und den Spätherbst verschieben sollen.»
So oder so: Ende August ist die nächste Dampffahrt geplant. Die bis zu 300 Bahnbegeisterten, die jeweils ein Billett der Sursee-Triengen-Bahn lösen, dürften sich den Termin bereits angestrichen haben.