Studierende konnten am Dienstag im Freihandmagazin der Basler Universitätsbibliothek (UB) keine Bücher holen. Die Abteilung wurde am Morgen wegen eines Wasserschadens geschlossen.
Bauarbeiter hatten auf dem Dach eine Wasserleitung geöffnet, was in der Folge ein Leck auslöste, wie UB-Direktorin Alice Keller erklärt. Das Wasser lief durch Holzdecken und ‑böden der obersten drei Etagen des Altbaus an der Bernoullistrasse hinunter und beschädigte so rund 3000 Bücher.
Bei nassen Büchern muss man sofort reagieren, damit kein Schimmel entsteht und die Seiten nicht permanent gewellt werden.
Zahlreiche Bände wurden stark durchnässt. «Bei nassen Büchern muss man sofort reagieren, damit kein Schimmel entsteht und die Seiten nicht permanent gewellt werden», sagt Keller. Nasse Bücher wurden umgehend in drei dafür gesperrten Lesesälen aufgefächert und ausgelegt.
Das korrekte Trocknen folgt erst und nimmt Zeit in Anspruch. Eine spezialisierte Firma holt die betroffenen Bände ab, trocknet sie aufwendig und presst sie schliesslich. So sollen sie wieder in gutem Zustand in die UB zurückkommen.
Nicht betroffene Regale wurden teils mit Plastik abgedeckt und Entfeuchtungsgeräte eingesetzt. Und das defekte Ventil auf dem Dach wurde selbentags ausgetauscht. So konnte das Freihandmagazin am Mittwochnachmittag wieder geöffnet werden. Spezial- und Zeitschriftenlesesaal blieben bis auf Weiteres für die Büchertrocknung gesperrt.
Im Freihandmagazin der Basler UB stehen keine historischen Schätze, sondern modernere Sammlungen. Diese Bücher sind abgesehen von vergriffenen Exemplaren im Prinzip ersetzbar, aber bei manchen ist Ersatz nicht einfach zu finden. Auch antiquarisch schwer aufzutreiben sind laut Keller zum Beispiel arabische Bücher, von denen viele dort gestanden seien.
Bezifferbar wird der Schaden erst, wenn die Bücher getrocknet zurückkommen. Dann wird klar, welche Bände konkret wie stark beschädigt bleiben und ersetzt werden müssen.
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Bild 1 von 7. Viele Hände halfen, die nassen Bücher abzuwischen und in Lesesälen auszulegen. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 2 von 7. Zum Abtropfen wurde jede freie Fläche in der Nähe genutzt. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 3 von 7. Unter den Regalen musste Wasser weggesaugt werden. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 4 von 7. Zwischen den Regalen ist teils wenig Platz zum Arbeiten. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 5 von 7. Erst als die Fluchtwege wieder frei waren, konnte das Freihandmagazin wieder geöffnet werden. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 6 von 7. Manche Bände bekamen viel Wasser ab. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
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Bild 7 von 7. Die Basler Universitätsbibliothek mit ihrem geschwungenen Blechdach über dem zentralen Lesesaal liegt nur ein paar Schritte vom Spalentor entfernt. Bildquelle: zVg Universitätsbibliothek Basel.
Der Handlungsbedarf sei unbestritten, sagt Keller: «Das Gebäude muss saniert werden; das ist uns und dem Kanton bewusst.» Sie hoffe, dass die Basler UB einen Neubau bekomme für ihre Altbestände, weil sie nicht immer wieder Wasserschäden riskieren dürften.
Zweiter Wasserschaden innert drei Jahren
Bereits vor drei Jahren sei ein Wasserschaden passiert – an einer ähnlichen Stelle, aber mit anderer Ursache. Die Wasserleitungen in der UB seien eben alt; da passiere immer wieder etwas.
Laut Keller wurden Zwischensanierungen bereits ins Auge gefasst, wobei deren Ausmass noch offen sei. Für diese Zeit müssten dann auch Ersatz-Arbeitsflächen für UB-Personal und -Benutzende bereitstehen.
Eigentlich wollte man laut Keller die Sanierung des UB-Hauptbaus erst vornehmen, wenn der geplante Erweiterungsbau nebenan an der Hebelschanze steht. Weil dies aber noch zehn Jahre dauern dürfte, sei jetzt unklar, ob die UB so lange warten könne.