Normalerweise haben die Schwarznasenschafe von Oliver Gottsponer aus Visperterminen VS ein langes, dichtes Fell. Doch jetzt, Anfang März, sind ihre Haare nur wenige Zentimeter lang. Gottsponer hat sie kürzlich geschoren. «Bei Schwarznasenschafen wird die Wolle so lang, dass man sie zweimal pro Jahr scheren muss», erklärt er. Der 24-jährige Agrarstudent besitzt 90 Tiere. Pro Schaf kommen jährlich fünf bis sechs Kilo Wolle zusammen, insgesamt also rund 200 Kilo.
Schafschur – Schritt für Schritt
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Bild 1 von 3. Im Wallis werden die Schwarznasen auf einen «Bock» gestellt, mit dem Kopf fixiert und stehend geschoren. Bildquelle: SRF/Ruth Seeholzer.
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Bild 2 von 3. Nach dem Scheren brauchen Schafe einen windgeschützten, trockenen Unterstand. Bildquelle: SRF/Ruth Seeholzer.
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Bild 3 von 3. Die Schafwolle wird eingesammelt und weiterverarbeitet. Bildquelle: SRF/Ruth Seeholzer.
Für Gottsponer sind die Schafe nur ein Nebenerwerb – wie für die meisten Schäferinnen und Schäfer im Wallis. Denn das Geschäft mit der Wolle lohnt sich nicht mehr. Noch vor 30 Jahren war einheimische Wolle ein begehrter Rohstoff. Früher habe man pro Kilo Wolle über fünf Franken erhalten, sagt Oliver Gottsponer. Heute zahle man drauf, weil die Schur teurer sei als der Erlös.
Das Problem ist der Absatzmarkt. Gefragt ist feine Wolle, die sich zu Kleidern verarbeiten lässt. Aber die Wolle der Schwarznasenschafe ist rau und kratzig und deshalb nicht geeignet. Die Lager des Grossabnehmers Swiss Wool sind bereits übervoll. Darum nimmt er im Wallis seit zwei Jahren keine Wolle mehr an.
Schäferinnen und Schäfer stellen sich deshalb die Frage: Wohin mit der ganzen Wolle? Wohin mit diesem wertvollen Rohstoff?
Altes Handwerk wiederbeleben
Vielerorts landet die Wolle in der Kehrichtverbrennung. Oliver Gottsponer jedoch hat für seine haarigen Reste eine Abnehmerin gefunden. Sie heisst Fabienne Truffer, lebt im Walliser Bergdorf Erschmatt und hält selbst auch Schwarznasenschafe. Sie verarbeitet die gewaschene Wolle weiter und filzt daraus etwa Sitzkissen, Plüschtiere oder Dekoartikel. Diese verkauft sie in einem Online-Shop. «Die Nachfrage ist gross», sagt Truffer.
Vom Plüschtier zur Deko
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Bild 1 von 3. Gefilztes Schwarznasenschaf. Bildquelle: ZVG.
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Bild 2 von 3. Sitzfell aus Schafwolle. Bildquelle: ZVG.
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Bild 3 von 3. Deko-Körbe aus Schafwollfilz. Bildquelle: ZVG.
Nebst Wollprodukten bietet sie auch Spinn- oder Filzkurse an. «Es geht mir darum, dass die Menschen das alte Handwerk wieder schätzen», sagt Fabienne Truffer.
Dünger für Obstbäume und Tomaten
Altes Handwerk zu erhalten – das ist auch im Sinn von Oliver Gottsponer. Deshalb seine Faszination für die Schwarznasenschafe. «Ich bin offen für Neues, gleichzeitig sollte man seine Wurzeln nie vergessen.» Deshalb sei es ihm wichtig, für die Schafwolle neue Wege zu finden.
Eine weitere Möglichkeit, die geschorene Schafwolle zu verwerten, sei der Garten. Besonders bei Wolle, die sich nicht für feine Handarbeiten eigne, etwa vom Unterbauch oder den Beinen, sagt Gottsponer. Am besten verwende man sie ungewaschen und vermengt mit Mist. Denn in der Schafwolle habe es Stickstoff, den Pflanzen wie etwa Tomaten schätzen würden. Ausserdem helfe die Schafwolle, Wasser im Boden zu speichern, was gerade in trockenen Sommern wichtig sei.
Oliver Gottsponer gibt seine Wolle deshalb auch an Leute in seinem Umfeld weiter. Er selbst braucht sie ebenfalls zum Düngen. «Ich mische sie mit Mist und verteile sie unter meinen Obstbäumen.»
Viele Ideen also, wie sich Schafwolle verwerten lässt – ohne dass sie im Abfall landet.