- Die Zuger Gemeinde Cham muss ein 34 Millionen Franken schweres Bauprojekt vorerst auf Eis legen.
- Wie Abklärungen zeigen, ist die betroffene Parzelle im Industriegebiet mit PFAS belastet.
- Für die Altlastensanierung rechnet die Gemeinde mit Kosten von mehreren Millionen Franken.
Aus sechs Standorten der Musikschule sollte ein einziger werden: Im Neubauprojekt auf dem Areal der ehemaligen Papier-Fabrik wollte die Gemeinde Cham die über 30 Instrumentalfächer zusammenführen. Auch ein Konzertraum war geplant.
Doch aus dem Musikschulzentrum für rund 1000 Schülerinnen und Schüler wird vorerst nichts. Der Untergrund ist mit PFAS belastet, also per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen.
Das vorgesehene Baufeld sei im Sommer 2025 vom kantonalen Amt für Umwelt neu beurteilt worden, teilt die Gemeinde mit. Das Areal gelte seither als «belastet und untersuchungsbedürftig».
Nun laufen Abklärungen zu den Ewigkeitschemikalien im Untergrund. Die Untersuchungen sollen unter anderem zutage fördern, ob auch das Grundwasser betroffen ist. Ein Entscheid wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Darum vertagt Cham die geplante Urnenabstimmung zum Baukredit im Juni.
Noch lässt sich nicht abschätzen, wie hoch die Kosten ausfallen werden.
Zwei Szenarien seien möglich: Entweder reiche es, beim Aushub das Material korrekt zu entsorgen – oder das Areal müsse saniert werden. «Noch lässt sich nicht abschätzen, wie hoch die Kosten ausfallen werden», sagt Gemeindeschreiber Alain Bühlmann.
Mehrere Areale stehen unter Beobachtung
Nicht nur der Untergrund der früheren «Papieri» machen der Gemeinde Sorgen. Auch das Gebiet Teuflibach und das Areal der einstigen Pavatex, einer Herstellerin von Holzfaserdämmstoffe, sind belastet. Beim Teuflibach befindet sich ein grosser Kinderspielplatz, der seit rund einem Jahr geschlossen ist. «Hier ist der Sanierungsbedarf bestätigt», sagt Gemeindeschreiber Alain Bühlmann.
Auf dem Pavatex-Areal möchte die Gemeinde ein neues Schulhaus planen. Dort sind die Abklärungen in Sachen PFAS allerdings noch weniger weit fortgeschritten.
Zurück zum geplanten Musikschulzentrum: Im Sommer 2029 hätte dieses eröffnen sollen. «Aufgrund der laufenden Abklärungen ist dieser Fahrplan eher unwahrscheinlich», sagt Alain Bühlmann. Der Musikschulunterricht sei von diesen Verzögerungen aktuell aber nicht tangiert. «Das Angebot bleibt in den heutigen Räumlichkeiten erhalten.»
Auch Nordteil des Geländes ist belastet
Das Baufeld des geplanten Musikschulzentrums befindet sich im Eigentum der Gemeinde Cham. Für die Entwicklung des übrigen Industriegeländes zeichnet die Immobiliengesellschaft Cham Swiss Properties verantwortlich. Auf dem Areal der früheren Papierfabrik entsteht während 15 bis 20 Jahren auf elf Hektaren ein neues Quartier mit rund 1000 Wohnungen und 1000 Arbeitsplätzen.
Die Ausarbeitung der möglichen Sanierungsvarianten für den Nordteil ist zurzeit im Gange.
Im Nordteil des «Papieri»-Areals sei der Verdacht auf PFAS-Verunreinigungen erstmals im Laufe des Jahres 2024 aufgetaucht, schreibt Cham Swiss Properties auf Anfrage. «Die Ausarbeitung der möglichen Sanierungsvarianten ist zurzeit im Gange.» Das Risiko, dass weitere Flächen auf dem «Papieri»-Areal mit Ewigkeitschemikalien belastet sein könnten, schätzt das Unternehmen als «gering» ein. «Die bisherigen Untersuchungen waren sehr umfassend.»
Cham Swiss Properties betont: Gemäss Aussagen der Behörden bestehe «keine Gefahr für die Anwohnerinnen und Anwohner».