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Weniger Interesse Stirbt die Berner Fasnacht aus?

Worum geht es? Am Donnerstag beginnt in Bern die Fasnacht. In einem Communiqué des Vereins Bärner Fasnacht zeichnet das Organisationskomitee aber ein düsteres Bild: Man leide an Mitgliederschwund. Früher seien am grossen Umzug über 60 Guggenmusiken dabei gewesen, in diesem Jahr sind es noch 35. Es fehle an Freiwilligen, die den Verein etwa beim Verkauf der Plaketten unterstützen. Und es gebe auch immer weniger Besucherinnen und Besucher. Im letzten Jahr seien die Gassen trotz mildem Wetter nie richtig gefüllt gewesen – und hätten sich kurz nach Mitternacht schon wieder geleert.

Woran liegt das? Eine einfache Erklärung gebe es nicht, so Michelle Uetz, Präsidentin des Vereins Bärner Fasnacht. «Wir stellen aber fest, dass viele Guggenmusiken und Fasnachtsgruppen ein Nachwuchsproblem haben.» Seit der Corona-Pandemie habe sich das Ausgehverhalten der Menschen verändert. Dazu kommt: In Bern hat die «fünfte Jahreszeit» keine Tradition. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert war die Fasnacht in der Bundeshauptstadt lange verboten, erst seit 1982 wird sie wieder jährlich gefeiert. «Viele Menschen wissen gar nicht, dass es in Bern eine Fasnacht gibt», so Michelle Uetz.

Menschenmenge beobachtet Fasnachtsumzug mit Musikern in der Berner Altstadt.
Legende: Trotz warmen Temperaturen und Frühlingswetter waren laut den Organisatoren wenige Menschen an der Berner Fasnacht 2025. KEYSTONE-SDA/ANTHONY ANEX

Haben andere Fasnachten ähnliche Probleme? Es scheint nicht so. Das Luzerner Fasnachtskomitee etwa schreibt auf Anfrage, die Luzerner Fasnacht sei in den letzten Jahren eher noch grösser geworden – auch wenn dieses Jahr wegen des schlechten Wetters etwas weniger Besucherinnen und Besucher auf den Gassen unterwegs waren. Und die Basler Fasnacht, die am kommenden Montag beginnt, vermeldete vor kurzem einen Anstieg der angemeldeten Fasnachtscliquen um zehn auf 509. Das zeige, «dass die Basler Fasnacht eine lebendige und aktive Tradition ist», so das Basler Fasnachts-Comité in einer Mitteilung.

Wie sieht es bei den kleineren Fasnachten aus? Auch dort scheinen die wenigsten die Probleme der Berner Fasnacht zu kennen: Die Bieler Fasnacht etwa vermeldet für ihren Sonntagsumzug dieses Jahr sogar einen neuen Rekord an teilnehmenden Gruppen. Zudem gebe es in Biel dieses Jahr zwanzig Prozent mehr Marktstände. Konstant sind die Zahlen in Chur, wo in den letzten Jahren immer 40 bis 45 Gruppierungen mitgemacht haben, wie die Fasnachtsvereinigung auf Anfrage schreibt. Man merke höchstens, dass unter der Woche weniger Zuschauerinnen und Zuschauer kämen, offenbar würden heute weniger Ferien- oder Freitage für die Fasnacht eingesetzt als früher.

Karnevalsumzug mit festlich geschmücktem Wagen in belebter Strasse.
Legende: In Luzern zählte die Stadt dieses Jahr trotz teils schlechtem Wetter gegen 300'000 Besucherinnen und Besucher an der Fasnacht. KEYSTONE-SDA/PHILIPP SCHMIDLI

Gibt es überall genügend freiwillige Helferinnen und Helfer? Auf Freiwillige sind alle Fasnachten angewiesen. Alle angefragten Komitees geben an, dass es ihnen immer gelinge, genügend davon zu finden – auch wenn das «jeweils eine Aufgabe» sei, wie etwa die Fasnachtsvereinigung Chur schreibt. Entscheidend sei eine frühe und professionelle Helfersuche, so die Faschingszunft aus Biel.

Wie geht es mit der Berner Fasnacht weiter? Die Organisatoren der Berner Fasnacht wollen abwarten. «Wir müssen von Jahr zu Jahr schauen», so Präsidentin Michelle Uetz. Denkbar sei etwa, künftig das Programm zu verkleinern, um Kosten zu sparen. Das Nachwuchsproblem der Guggenmusiken könne der Verein aber nicht lösen. «Ein Patentrezept gibt es leider nicht», sagt Michelle Uetz. Der Verein suche aber nach «guten Ideen», damit die Berner Fasnacht eine Zukunft habe.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 19.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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