Dämpfer für den Schweizer Tourismus: Die Hotellerie hat im März weniger Logiernächte verzeichnet. Das zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Insgesamt waren es 3.2 Millionen Übernachtungen – ein Rückgang von 5.2 Prozent verglichen mit der Vorjahresperiode. Ein Grund dafür ist laut Schweiz Tourismus der Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar.
Die Luxushotellerie zeigt sich laut Branchenorganisation «resilient» in der Krise. Ein Beispiel dafür: das Bürgenstock Resort in Nidwalden. In den Buchungen hinterlasse der Krieg noch keine Spuren. Aber er mache sich «psychologisch» bemerkbar. Dies sagt Hoteldirektor Chris Franzen.
Im Interview spricht er über die Abhängigkeit von Airlines, seine Sommerprognosen und die Beziehung zur lokalen Bevölkerung.
SRF News: Wie stark spüren Sie die Auswirkungen des Iran-Krieges auf dem Bürgenstock?
Chris Franzen: Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Aber im Moment gibt es noch keine negativen Auswirkungen. Die Buchungen für die Sommermonate Juni, Juli und August sind noch nicht getätigt.
Die Leute wollen nicht über den Golf fliegen, solange dort Krieg herrscht.
Könnte es sein, dass asiatische und arabische Touristen zurückhaltender werden mit Reisen in die Schweiz?
Ja, ich glaube, das wird der Fall sein. Nicht unbedingt wegen des Krieges an sich. Sondern weil die Leute nicht über den Golf fliegen wollen, solange dort Krieg herrscht. Psychologisch gesehen fühlen sie sich einfach nicht sicher.
Ein Teil Ihrer Gäste kommt aus den Golfstaaten. Wie wirkt sich das aus?
Solange die Fluggesellschaften fliegen, werden arabische Gäste trotz allem Ferien machen und nach Europa kommen.
Sie haben im arabischen Raum Hotels geführt – wie beurteilen Sie die Stimmung vor Ort?
Niemand macht aktuell Ferien im Golf. Auch grosse Meetings und Geschäftsreisen werden nicht stattfinden. Das ist – was die Hotel- und Airline-Industrie angeht – fatal. Diese leiden.
Was ist für Sie diesen Sommer wichtig?
Falls die angesprochenen Gäste nicht kommen, ist es wichtig, andere Kunden zu gewinnen. Mehr Schweizer, mehr Europäer, vielleicht auch mehr Leute aus Süd- und Nordamerika. Damit wir das abfedern können.
Wie läuft es generell im Bürgenstock Resort?
Wir hatten ein gutes letztes Jahr, heuer sieht es noch besser aus. Wenn es so weitergeht, haben wir nichts zu beklagen.
Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Unter anderem machen wir mehr im Marketing. Und ich persönlich bin viel mehr unterwegs, um Kundschaft zu akquirieren. Das zahlt sich aus.
2024 fand auf dem Bürgenstock die Ukraine-Konferenz statt. Hatte auch dies einen Einfluss?
Absolut. Wir waren zwei, drei Tage lang weltweit in den Medien. Ob es sich direkt in Buchungen niederschlägt, kann ich nicht sagen. Aber die Präsenz im Fernsehen macht schon einen Unterschied.
Was immer wieder Thema ist: Ist das Bürgenstock Resort auch für die Einheimischen da?
In diesem Bereich hat sich einiges getan. Wir haben viel mehr Schweizer Gäste, gerade bei den Tagestouristen. Dafür haben wir einiges unternommen: Das Schweizer Restaurant beispielsweise ist ganzjährig geöffnet, die Preispolitik wurde geändert, und wir unterstützen mehr soziale Initiativen in der lokalen Bevölkerung.
Was wünschen Sie sich als Hoteldirektor mit Blick auf die internationalen Entwicklungen?
Ich wünsche mir, dass alles wieder so wird, wie es einmal war, dass alle Kriege verschwinden und man wieder Freude am Reisen hat.
Das Gespräch führte Raphael Prinz.