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Widerstand aus der Branche «Weltfremd»? Bund will Schweizer Winzer über Importregeln stärken

Rückläufiger Konsum und ausländische Konkurrenz: Der Schweizer Wein steckt in der Krise. Nun reagiert der Bundesrat – doch die neuen Regeln gefallen nicht allen in der Branche.

«First come, first served»: Heute funktioniert der Weinimport nach dem Windhundprinzip. Jedes Jahr darf eine bestimmte Menge Wein zu Vorzugskonditionen eingeführt werden. Wer schnell genug ist, profitiert von tiefen Zöllen.

Das soll sich ändern. In Zukunft sollen nur noch diejenigen Einfuhrkontingente erhalten, die selbst auch Schweizer Trauben kaufen und pressen.

Weinhändler gehen auf die Barrikaden

Wer also Schweizer Wein herstellt, bekommt das Recht, Barolo, Bordeaux und Co. zu importieren, erklärt der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Christian Hofer: «Dieses System soll die Stellung der Winzerinnen und Winzer stärken. Sie erhalten Importzertifikate, die sie dann auch weitergeben können.»

Person giesst Wein in ein Glas in einem Weinberg.
Legende: Die Keller der Winzerinnen und Winzer sind voll, der Verkauf harzt. Als wäre das nicht genug, verlieren Schweizer Weine gegenüber ausländischen Weinen an Boden. Keystone/Jean-Christophe Bott

Für den Weinhandel hätte das neue System gravierende Folgen. Das sagt Philippe Schwander, einer der bekanntesten Weinhändler der Schweiz. «Diese Regelung wäre eine absolute Katastrophe für den Weinhandel, der notabene etwa zehn Mal mehr Leute beschäftigt als die Weinbauern», sagt Schwander. «Unter den 2500 Winzern hat auch nur eine Minderheit Absatzprobleme. Ihre Weine sind einfach nicht marktfähig.»

In dieselbe Kerbe schlägt die Vereinigung Schweizer Weinhandel. Ihr Direktor, Olivier Savoy, spricht von einem «weltfremden Vorschlag». Denn er berücksichtige weder den Markt noch die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten.

Keine «staatlichen Krücken»

Der Rückgang des Weinkonsums sei dem gesellschaftlichen Wandel geschuldet, findet Savoy. Darauf müsse die Branche mit Innovationen reagieren und nicht mit Protektionismus. «Die Weinbranche kommt nicht darum herum, sich ständig neu zu erfinden: neue Produkte kreieren und verkaufen, neue Märkte erschliessen.»

Wenn diese unternehmerische Aufgabe wahrgenommen werde, sei das Potenzial gross, ist Savoy überzeugt. «Die Qualität der Schweizer Weine ist unbestrittenermassen sehr gut.» Deshalb brauche es keine staatlichen Krücken, um den Schweizer Wein zu retten.

Die neuen Regeln für den Weinimport gehen jetzt in die Vernehmlassung. Ob sie eingeführt werden, entscheidet der Bundesrat im kommenden Herbst.

Heute Morgen, 12.03.2026, 6:05 Uhr

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