Die ersten Trainings im noch nicht beheizbaren Aussenbecken der «Badeanstalt» Burgdorf nach der Wintersaison im warmen Hallenbad habe er nicht so toll gefunden, erzählt Marcel Hadorn, damals 25 Jahre alt. Da stellte er sich immer die Frage: «Wie warm?»
Informationen zu Wassertemperaturen in Flüssen und Seen gab es zum Jahrhundertwechsel bereits im Internet, nicht aber von Badis. Das wollte er ändern: zusammen mit zwei Christians, die er aus der Schulzeit und dem Schwimmtraining kannte.
Es waren einmal Badis ohne Internet
Programmiert war das Gerüst von wiewarm.ch zügig. Aber wie sollten sie täglich an die Wassertemperaturen gelangen in einer Zeit, in der kaum eine Badi Internet hatte und mobiles Internet über Handys noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckte?
Durch Zufall zeigte ihnen ein Kollege eine «Kiste» mit Antenne, die man über «RS-323», eine damals übliche Kommunikationsschnittstelle, an einen PC anschliessen konnte. Dank ihr war es möglich, SMS zu empfangen, und das innovative Grundprinzip von wiewarm.ch war geboren: Jeder Bademeister konnte die Wassertemperatur selbst messen und sie dann mit einem SMS an wiewarm.ch schicken.
Bademeister waren schnell überzeugt
Marcel Hadorn erinnert sich, wie er an einem Sonntag ins Auto stieg und verschiedene Badis um Burgdorf herum abklapperte, um sie zum Mitmachen zu animieren. Schwierig war das nicht, weil der Bademeister von Burgdorf bereits zugesagt hatte unter der Bedingung, dass wiewarm.ch gratis sei.
«Wenn Burgdorf mitmacht, können wir nicht abseits stehen», dachte sich manche Bademeisterin. Viele machen bis heute mit, übermitteln die Wassertemperaturen nun aber mit dem Smartphone oder dem Computer über eine Schnittstelle zu wiewarm.ch. Wer will, kann die Werte sogar automatisch auch auf der Website der Badi anzeigen lassen.
Attraktive Daten
Bald nach dem Start von wiewarm.ch druckten Zeitungen die täglich aktualisierten Wassertemperaturen ab. Eine Zeitung gab dabei regelmässig die Quelle der Daten nicht an. Schnell hätten sie herausgefunden, welcher Computer die Daten für die Zeitung bei ihnen «absaugte», erklärt Marcel Hadorn. Und so erhöhten sie nur für diese Adresse aus Spass die Wassertemperatur um fünf Grad.
Da war in Bern die Aare eben fünf Grad wärmer als sonst.
Die Zeitung habe die Temperatur tatsächlich gedruckt, amüsiert sich Marcel Hadorn noch heute: «Da war in Bern die Aare eben fünf Grad wärmer als sonst.» Die Zeitung sei auf sie zugekommen und habe ab dann die Quelle der Wassertemperaturen angegeben. Wiewarm.ch ist bis heute dem Prinzip «Open Data» treu geblieben.
Seit Kurzem quelloffen
Als der Erfolg kam, hätten sie sich die Frage gestellt, ob sie Werbung anzeigen sollten, sagt Marcel Hadorn. Aber sie kamen zum Schluss, dass sie das nicht wollten.
So hat wiewarm.ch bis heute seine Unschuld nicht verloren und erinnert daran, was einst das Internet hätte sein wollen: nicht kommerziell, freie Informationen für alle, keine Datensilos. Ganz in diesem Sinne haben sie diesen Winter die Website zu einem Open-Source-Projekt umgebaut, an dem jede und jeder an der Website mitgestalten und sie erweitern kann.