Darum geht es: Ab 2027 hat die Stadt Luzern ein Vorkaufsrecht auf grössere Wohnliegenschaften und Grundstücke. Planen zwei Parteien einen Verkauf beziehungsweise Kauf, müssen sie zuvor die Stadt informieren. Sie hat dann das Recht, die Liegenschaft zum von den beiden Parteien vereinbarten Preis selbst zu kaufen.
Wann hat die Stadt ein Vorkaufsrecht? Es tritt in Kraft, wenn eine Wohnungsknappheit herrscht. Das heisst, dass weniger als 1.5 Prozent der Wohnungen leerstehen. Das ist in der Stadt Luzern seit rund 25 Jahren durchgehend der Fall. Im Fokus der Stadt stehen grössere Mehrfamilienhäuser und Überbauungen, die für den gemeinnützigen Wohnungsbau von Interesse sind.
Welche Ausnahmen gibt es? Eigentumsübertragungen in direkter Verwandtschaftslinie fallen nicht unter die neue Gesetzgebung. Beispielsweise können Eltern ihren Kindern eine Liegenschaft weiterhin verkaufen, ohne dass die Stadt dazwischenkommen kann. Dasselbe gilt für Übertragungen zwischen Ehepaaren oder Schenkungen. Kleinere Immobilien wie Einfamilienhäuser sind ebenfalls ausgenommen.
Was macht die Stadt mit den Liegenschaften? In der Regel gibt sie sie im Baurecht an Genossenschaften und andere gemeinnützige Wohnbauträger weiter. Dafür hat sie nach dem Kauf drei Jahre Zeit. Gelingt dies nicht, kann die ursprüngliche Verkäufer- respektive Käuferschaft die Liegenschaft wieder zurückkaufen.
Wie viele Liegenschaften will die Stadt kaufen? Dies sei schwierig abzuschätzen, sagt die zuständige Stadtluzerner Baudirektorin Korintha Bärtsch. «Es müssen passende Liegenschaften auf dem Markt sein, die Stadt will nicht alles kaufen.» Zudem sei auch der Preis entscheidend. Zusammen mit anderen Massnahmen sollen in der Stadt Luzern bis 2048 mindestens 1'100 zusätzliche preisgünstige Wohnungen entstehen. Der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus soll von aktuell rund 14 Prozent auf 18 Prozent steigen.
Wo in der Schweiz gibt es bereits ein Vorkaufsrecht der öffentlichen Hand? Die Kantone Genf und Waadt kennen dieses Mittel bereits. In Zürich scheiterte Ende 2025 eine Vorlage an der Urne, die den Gemeinden ebenfalls ein Vorkaufsrecht einräumen wollte. Eine Umfrage des Bundes von 2023 zeigt, dass zwei Drittel der Städte und städtischen Gemeinden in der Schweiz über zu wenig Wohnraum verfügen. Der Hauptgrund dafür sei mangelndes Bauland, weshalb sie ein Vorkaufsrecht für Grundstücke als eine mögliche Lösung sähen.