Weil Mieten laufend steigen und grosse Mehrfamilienhäuser zur Renditesteigerung leer gekündigt werden, wird der Ruf nach mehr Wohnschutz laut. Vor allem in Städten geht die Angst um, kein bezahlbares Logis mehr zu finden.
2025 lag die Leerstandsquote in Basel bei 0.9 Prozent; offiziell herrscht Wohnungsnot. Noch weniger Wohnungen waren in Bern (0.4 Prozent) und in Zürich (0.1 Prozent) verfügbar. Entsprechend heiss wird politisch gestritten.
Folgt Zürich bei Wohnschutz Genf und Basel?
Am 14. Juni stimmt der Kanton Zürich über eine Wohnschutz-Initiative samt Gegenvorschlag ab. Erfahrungen sind andernorts greifbar: etwa in Basel-Stadt und im Kanton Genf, der Vorreiter war.
2022 sind das neue baselstädtische Wohnraumfördergesetz und die Wohnraumschutzverordnung in Kraft getreten. Neu sind insbesondere eine Bewilligungspflicht für Sanierungen, Umbauten oder Abbrüche, die über ordentlichen Unterhalt hinausgehen, sowie eine fünfjährige Mietzinskontrolle nach Renovationen. Seither beklagen bürgerliche Parteien und Wirtschaftskreise negative Auswirkungen.
Lehrstellen wurden gestrichen und Mitarbeitende entlassen.
Jetzt unterstreicht der kantonale Gewerbeverband seine Kritik mit einer neuen Mitgliederumfrage: Bau-Umsätze seien seit 2021 jedes Jahr gesunken, sagt GV-Politikleiterin Tamara Hunziker an einer Medienkonferenz. «Erschreckend ist, dass schon Lehrstellen gestrichen wurden und dass Mitarbeitende entlassen werden mussten.»
Laut Gewerbeverband ist 2024 bei keinem der 50 Unternehmen, die geantwortet haben (Rücklaufquote 15 Prozent), der Umsatz gestiegen, sondern bei fast jedem dritten Betrieb um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Kürzliche Retuschen am Wohnschutzrecht hätten kaum etwas gebracht. Hunziker fordert darum weitere Lockerungen.
Grosse Investoren verscheucht
Investoren seien verunsichert wegen des Wohnschutzes und Krisen weltweit, sagt Philipp Grassi, Inhaber einer Gipserfirma. Diese lebten von Unterhalts- und Sanierungsaufträgen grosser Investoren. «Das ist teils weggebrochen, weil sich grössere Akteure wie Versicherungen zurückgezogen haben vom Platz Basel.»
Der Mieterinnen- und Mieterverband Basel hingegen führt den Rückgang von Bautätigkeiten nicht auf den Wohnschutz zurück, sondern auf die Zinsentwicklung, wie man auch in anderen Kantonen sehe. Präsident Pascal Pfister spricht von «übertriebener Panikmache».
Der Wohnschutz ist ein Erfolgsmodell.
«Aus Sicht der Mieterinnen und Mieter ist der Wohnschutz ein Erfolgsmodell», sagt Pfister. Renditesanierungen zulasten der Mietenden gebe es seltener, doch saniert werde sehr wohl weiterhin, wie die Bundesstatistik zeige. Zudem seien im Basler Baugewerbe 2025 weniger arbeitslos gewesen als 2024.
Den Vergleich des Gewerbeverbands vor und nach Einführung des Wohnschutzes lässt Pfister nicht gelten, da noch kurz vor Inkrafttreten viel renditesaniert worden sei. Nun sei man wieder auf einem «realistischen» Niveau. Lockerungen wären daher falsch; Rechtssicherheit sei jetzt gefragt.
Weniger Leerkündigungen
Auch für Lukas Ott, den Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung, erreicht der Wohnschutz sein Ziel: «Leerkündigungen wurden reduziert und Mietzinsaufschläge bei Sanierungen und Umbauten gedämpft.»
Unerwünschte Nebenwirkung sei indes, dass auch weniger ökologische Sanierungen stattfänden. Da habe die Regierung nachgebessert, mit Blick auf das Klimaschutz-Ziel. Wie sich das auswirke, bleibe abzuwarten.