In Zürich eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist äusserst schwierig. Die Leerwohnungsziffer lag in der Stadt im Sommer 2025 bei 0,1 Prozent – und was zu finden ist, liegt meist im Hochpreissegment. Für die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher ist die Wohnungsnot die Sorge Nummer eins, wie die letzte Bevölkerungsbefragung gezeigt hat. Deshalb hat der Stadtrat nun ein neues Wohnprogramm entworfen, zusammen mit Philippe Koch, der als erster «Delegierter Wohnen» seit einem Jahr im Amt ist.
Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) hat mehrere Massnahmen vorgestellt: «Es gibt nicht einfach DAS Instrument, womit wir von heute auf morgen das Wohnproblem lösen.» Vielmehr gehe es um langfristige Planung.
Ausgangslage: Von den knapp 400'000 Mieterinnen und Mietern in Zürich lebt ein Drittel in gemeinnützigen Wohnungen, der Grossteil davon in Genossenschaften. Der heutige Anteil dieser Wohnungen liegt aber unter einem Drittel, nämlich bei 27 Prozent. 73 Prozent der Mietwohnungen sind nicht gemeinnützig. Die Belegung der gemeinnützigen Wohnungen ist folglich höher, dies, weil dort meist Vorschriften gelten.
Ziele des Stadtrats: Die Stadtregierung sieht die soziale Durchmischung gefährdet, weil Personen mit weniger finanziellen Mitteln aus der Stadt verdrängt werden. Deshalb hat sich die Stadt das Drittelsziel gesetzt: Bis 2050 soll ein Drittel aller Mietwohnungen gemeinnützig sein.
1. Massnahme: Mehr Wohnungen: Die Stadt baut selbst Wohnraum und will Land und Häuser kaufen. Den Wohnraum soll die Stadt vermieten oder das Land im Baurecht an Genossenschaften und Stiftungen abgeben. Dafür sieht der Stadtrat jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag vor.
2. Massnahme: Fairer Zugang: Durch klare Regeln will die Stadtregierung sicherstellen, dass diejenigen eine gemeinnützige Wohnung erhalten, die sie brauchen. Dabei will die Stadt jüngere oder ältere Menschen unterstützen wie auch Haushalte mit wenig Einkommen. Auch die Belegung der Wohnungen soll reguliert werden, damit keine Einzelpersonen in zu grossen Wohnungen bleiben. Zudem soll dort, wo viele Wohnhäuser renoviert werden müssen, auf die Sozialverträglichkeit geachtet werden. Damit die bestehenden Mieterinnen und Mieter nicht verdrängt werden, sondern ihnen Perspektiven aufgezeigt werden.
3. Massnahme: Mehr Koordination: Der Mietwohnungsmarkt soll besser zusammenarbeiten. So will die Stadt den Dialog suchen mit gemeinnützigen Trägerschaften sowie privaten, profitorientierten Bauherren. Die Stadt hat zudem Planungsinstrumente, die es ihr erlauben, bei grösserer Ausnutzung auch Privaten Vorschriften zum Anteil gemeinnütziger Wohnungen zu machen.
Kritik von links bis rechts: Die neue Strategie des Stadtrats findet bei den Parteien wenig Anklang. Die Alternative Liste schreibt in einer Mitteilung, das Programm sei «mut- und zahnlos», die SP bezweifelt, dass die Massnahmen ausreichen, um profitorientierte Immobilienfirmen zu stoppen. Die Grünen sehen das Programm immerhin als «Schritt in die richtige Richtung», und auch die EVP befürwortet, dass auf benachteiligte Personen geachtet werden soll. Die FDP ist der Meinung, die Stadt treibe mit Hauskäufen die Preise in die Höhe, während die SVP grundsätzlich gegen das «ungesunde Wachstum» der Stadt ist. Die GLP sieht positiv, dass Private einbezogen werden, hält die Ziele des Programms allerdings für unklar und nicht messbar.