Die neusten Sterblichkeitszahlen des Bundes zeigen: Die Hitzewelle von vorletzter Woche hat bei den über 65-jährigen Personen zu übermässig vielen Todesfällen geführt. SRF-Wissenschaftsredaktorin Gina Buhl ordnet die Zahlen ein.
Was zeigt die neueste Todesfallstatistik?
Die Sterblichkeit bei der älteren Bevölkerung in der Schweiz liegt aktuell rund 15 Prozent oder etwa 200 Todesfälle über dem für die Jahreszeit erwarteten Niveau. Zum Vergleich: Im Hitzesommer 2015 lag die Zahl bei 18 Prozent, letztes Jahr bei 5 Prozent.
Sterblichkeitsstatisitk
Was sind die Todesursachen?
Das ist die Krux bei diesem Thema, denn auf dem Totenschein steht nur in den seltensten Fällen «Hitze». Die Menschen sterben an Herzinfarkt, an Kreislaufversagen, an Atemwegserkrankungen. Die Hitze verschärft also bestehende Erkrankungen, ist aber selbst nicht unbedingt die Todesursache.
Wie gut lässt sich die Übersterblichkeit mit Hitze in Verbindung bringen?
In individuellen Fällen meistens gar nicht. Nur beim klassischen Hitzschlag mit Organversagen lässt sich die Hitze direkt als Ursache feststellen. Aber in der Statistik sieht man den Zusammenhang deutlich: Die Sterblichkeit steigt genau dann an, wenn die Hitzewelle da ist. Darum spricht man bewusst von «Übersterblichkeit» und nicht von Hitzetoten. Wie viele davon am Ende wirklich der Hitze zuzuschreiben sind, zeigt erst die Todesursachen-Statistik, die aber mit ein bis zwei Jahren Verzug publiziert wird.
Wie kommen die Todeszahlen des BFS zustande?
Das Bundesamt für Statistik (BFS) vergleicht die aktuellen Sterbezahlen mit dem statistisch erwarteten Wert, der sich aus den saisonalen Schwankungen und einem Trend ergibt. Das heisst: Derzeit liegt die Sterblichkeit rund 15 Prozent über dem zu erwartenden Niveau. Wichtig: Die Daten haben einen Verzug von rund zehn Tagen. Die jüngsten zehn Tage sind also ausgeklammert, die Wochen davor hochgerechnet. Deshalb muss man diese Wochenzahlen des BFS mit etwas Vorsicht anschauen, denn die Werte sind noch nicht vollständig. So fehlen etwa im Moment noch die Zahlen von manchen Städten.
Was bringen die bestehenden Hitze-Aktionspläne?
Einen direkten Zusammenhang nachzuweisen, ist schwierig. Aber eine Auswertung hat gezeigt, dass in den Sommern 2018 und 2019 die Übersterblichkeit deutlich tiefer war als 2003 oder 2015 bei ähnlich hohen Temperaturen. Die Massnahmen könnten also durchaus wirken. Dazu gehören Frühwarnsysteme, die Begleitung von Seniorinnen und Senioren oder anderen eher hitzeempfindlichen Gruppen von Menschen. Es fehlt allerdings eine schweizweite Einheitlichkeit der Massnahmen – denn sie werden von den Kantonen erlassen. Und so haben erst 8 der 26 Kantone einen vollständigen Hitze-Aktionsplan gemäss den WHO-Kriterien umgesetzt.