Obwohl Staatsbesuche immer durchgeplant und gut organisiert sind, entwickelt sich manchmal etwas zu einem ungeahnten Problem – oder zu einem spontanen Spässchen. Wir haben einige Beispiele zusammengestellt.
Frostige Reaktion von Haile Selassie
1954 besuchte Haile Selassie, der Kaiser von Äthiopien, die Schweiz. Er logierte im Schloss Jegenstorf, wo für ihn ein zusätzliches Badezimmer eingebaut wurde. Obwohl die Stimmung auf dem Bildmaterial gut zu sein scheint, führte dieser Staatsbesuch zu einer Irritation: Der Kaiser bedankte sich nämlich vorerst nicht wie üblich für den Empfang. Erst drei Monate später traf das Dankesschreiben ein.
Aus diesem Grund vermerkt das Protokoll dazu: «Es scheint, der Kaiser von Äthiopien habe dem Bundesrat gegenüber eine gewisse Kälte zeigen wollen.»
Schotter vor Teppich für den deutschen Bundespräsidenten
Früher war es üblich, dass hoher Besuch in der Schweiz mit dem Zug anreiste. Man wollte den Gästen die gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmittel präsentieren. Entsprechend wurde auch der Empfang auf dem roten Teppich am Bahnhof inszeniert. 1961, als der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke kam, bremste der Zug zu spät und rollte einige Meter weiter als geplant.
Lübke musste aussteigen und erst einige Meter auf dem Schotter gehen – bis er den roten Teppich erreichte. In der historischen Videoaufnahme wird genau dies geschickt unterschlagen.
Die Sache mit der Berührung der Queen
1980 kam Queen Elisabeth zu einem Besuch in die Schweiz. Bei den militärischen Ehren in Zürich, als die Königin die Ehrengarde musterte und unsicher war, wohin sie gehen sollte, drehte Bundespräsident Georges-André Chevallaz sie mit einer plötzlichen Handbewegung in die richtige Richtung.
Für die Westschweizer Wochenzeitschrift «L'Illustré» war dies ein «Sakrileg». Im Commonwealth seien schon für weniger «Köpfe abgeschlagen worden».
Der Vorfall wurde als ungeschickt oder protokollarisch unpassend wahrgenommen.
Castro und die Käse-Degustation
Keinen Staatsbesuch, aber einen Arbeitsbesuch stattete 1998 der damalige kubanische Staatschef Fidel Castro der Schweiz ab. Er besuchte eine Käserei am Moléson, wo er von der Käsemasse in Verarbeitung probierte. Wie es ihm geschmeckt hat, ist nicht überliefert.
-
Bild 1 von 4. Fidel Castro beim Besuch in einer Freiburger Käserei. Bildquelle: Keystone/Patrick Aviolat/Archiv.
-
Bild 2 von 4. Etwas misstrauisch schaut Fidel Castro in das Käsekessi. Bildquelle: Keystone/Patrick Aviolat/Archiv.
-
Bild 3 von 4. Er lässt sich überzeugen, von der Masse zu probieren. Bildquelle: Keystone/Patrick Aviolat/Archiv.
-
Bild 4 von 4. Ob es ihm schmeckt, ist nicht überliefert. Bildquelle: Keystone/Patrick Aviolat/Archiv.
Das Wandern ist des Besuchers Lust
2003 war der damalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder in der Schweiz. Wie in der Schweiz nicht unüblich, zeigte Bundesrat Pascal Couchepin seinem Besuch die Berge – mit einer Wanderung. Allerdings hatten der Kanzler und seine Entourage nicht ganz die ideale Ausrüstung dabei.
Mit Filz in der Stiftsbibliothek St. Gallen
Beim Besuch des norwegischen Königs Harald im Jahr 2006 hatte Bundesrat Moritz Leuenberger offensichtlich Spass am Herumrutschen in den Filzpantoffeln.
Kräftemessen am Töggelikasten
Bundesrat Alain Berset forderte den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier 2018 zu einem Match im Kleinformat heraus. Der gleiche Staatsbesuch ist auch aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben: Johann Schneider-Ammann nickt während Steinmeiers Rede ein.
Es gab auch nicht lustige Zwischenfälle
Als der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin 1999 anreiste, fanden auf dem Bundesplatz in Bern Demonstrationen gegen die chinesische Tibet-Politik statt. Jiang Zemin war empört.
Die damalige Bundespräsidentin Ruth Dreifuss sprach ihn später noch auf die Einhaltung der Menschenrechte an, was zu einer weiteren Auseinandersetzung führte.