Was sind Stolpersteine? Sie sehen ein wenig aus wie goldene Pflastersteine. Eigentlich sind es Gedenktafeln aus Messing, die mit Hammer und Schlagbuchstaben mit Namen und Daten beschriftet werden. Die Messingtafeln sind auf kleinen Betonwürfeln befestigt und werden in den Boden eingelassen. Die Stolpersteine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocaust erinnern.
Woher stammt die Idee? Der deutsche Künstler Gunter Demnig lancierte die Idee in den 1990er‑Jahren. Sein Leitgedanke war: «Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.» Der Satz stammt aus dem Talmud, einem zentralen Schriftwerk des Judentums. Unterdessen erinnern europaweit bereits über 110'000 Stolpersteine an die Menschen hinter den Nummern, zu denen die Nationalsozialisten sie herabstuften.
Wer entscheidet, wessen gedacht wird? Das bestimmt der Verein Stolpersteine Schweiz, der aus verschiedenen Regionalgruppen besteht. Diese können Vorschläge machen. Auch Privatpersonen können sich bei Ideen melden. «Nachher ist es in der Verantwortung dieser Regionalgruppen, die Stolpersteine zu konkretisieren, die Biografien zu schreiben, die Absprachen mit den Behörden zu machen und dies mit der Verwandtschaft der Opfer zu koordinieren», sagt Jakob Tanner, Historiker und Vorstandsmitglied des Vereins.
Wo in der Schweiz gibt es bereits Stolpersteine? Stolpersteine gibt es bereits in mehreren Schweizer Städten. Etwa in Zürich, Basel und Winterthur – an den früheren Wohn- oder Arbeitsorten der Opfer. Der Verein Stolpersteine Schweiz ist seit rund sechs Jahren aktiv.
Warum gibt es in der Schweiz erst wenige Stolpersteine? Zum einen überrascht es nicht, dass die meisten Stolpersteine in Deutschland zu finden sind – mit Blick auf die Geschichte. Zum anderen sind die Kapazitäten des Schweizer Vereins beschränkt. Freiwillige kümmern sich um die ganze Arbeit. Aktuell sind in der Schweiz etwas mehr als 50 Stolpersteine zu finden. Die ersten wurden 2013 in Kreuzlingen verlegt.
Was will der Verein in der Schweiz bewirken? Der Verein Stolpersteine Schweiz möchte Opfern des Nationalsozialismus gedenken, die zumindest einen Teil ihres Lebens in der Schweiz verbracht haben. Zudem verfolgten sie einen weiteren Gedanken, sagt Vorstandsmitglied und Historiker Jakob Tanner: «Wir versuchen auch, an die damals nicht wahrgenommene Verantwortung zu erinnern.» Es gebe sehr viele Fälle, bei denen schweizerische Behörden in der Verantwortung waren, in denen Opfer nicht oder nicht richtig geschützt oder gar an Nazideutschland ausgeliefert worden seien.
Wieso gibt es auch Kritik? Manche Städte und Staaten in Europa wollen laut Historiker Jakob Tanner keine Stolpersteine. «Es gibt heftige Auseinandersetzungen», sagt er. Vor allem Rechtsnationalisten wollten auf keinen Fall, dass die eigene Nationalgemeinschaft durch unliebsame Erinnerungen beschädigt werde. Andere Städte wie etwa München haben sich in der Vergangenheit kritisch geäussert, weil bei Stolpersteinen aus ihrer Sicht die Opfer symbolisch mit Füssen getreten würden.