«Ich bin vor jedem Opernauftritt nervös, auch noch nach all den Jahren», sagt Alexander Puhrer vor seinem Auftritt im Kulturhaus West Zofingen AG. Früher war Singen sein Hauptberuf. Er gehörte zum festen Ensemble des Opernhauses Graz. Heute ist er CEO des Kernkraftwerks Gösgen, das Singen ist «nur» noch sein Hobby.
Gesang sei aber ein wichtiges Hobby, sagt Puhrer: «Ohne Singen würde in meinem Leben und Alltag etwas fehlen. Ich bin dankbar, dass ich meinen Hauptberuf und das Hobby ausüben kann», sagt der Bariton-Sänger.
Jobwechsel der Familie zuliebe
Den Job als CEO des AKW Gösgen findet der gebürtige Österreicher spannend. Österreich hat ein einziges AKW gebaut, das aber nie gelaufen ist. In der Schweiz sieht das anders aus. Der 150 Meter hohe Kühlturm des AKW Gösgen dominiert die Landschaft.
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Bild 1 von 2. Auf dem Weg zu seinem Hauptjob als CEO des Kernkraftwerks Gösgen im Kanton Solothurn. Bildquelle: SRF/Mario Gutknecht.
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Bild 2 von 2. Büro statt Bühne: Alexander Puhrer in seinem Büro in Gösgen. Bildquelle: SRF.
«Mittlerweile finde ich den Anblick des Kühlturms schön», erzählt er. Als AKW-CEO arbeitet Puhrer seit gut zwei Jahren. Er führt über 600 Angestellte.
Puhrer hatte früher viele Auftritte auf der Opernbühne, als Papageno in der «Zauberflöte» zum Beispiel. Er erinnert sich gern daran. Es sei eine seiner Lieblingsrollen.
Das Theaterleben ist mit dem Familienleben schwierig zu vereinbaren.
Aber er hat den Opernjob zugunsten der Familie aufgegeben. «Als meine Frau und ich eine Familie gegründet haben, hat sich vieles geändert. Das Theaterleben ist mit dem Familienleben schwierig zu vereinbaren.»
Mit Weiterbildung zum AKW-Chef
Puhrer erinnerte sich an seine ursprünglichen Ziele, nämlich eine Karriere in der Nuklearbranche. Schliesslich hat er nebst Gesang auch Physik studiert. «Dann hat meine Frau vorgeschlagen, dass ich mich an der ETH Zürich zum Nuklearingenieur weiterbilde.»
Das war zwei Wochen vor der Atomkatastrophe von Fukushima. «Da war ich mir nicht ganz sicher, ob ich auf den richtigen Beruf gesetzt habe», sagt Puhrer schmunzelnd. Aber er hat die Weiterbildung absolviert und sich den Job als AKW-CEO ergattert.
Bühnenpräsenz fällt auf
Merken die Angestellten des AKW Gösgen, dass ihr Chef nebenbei Opernsänger ist? «Auf den ersten Blick nicht. Aber wenn er vor Leuten spricht, merkt man, dass er das sehr gut kann», sagt der Betriebsleiter des AKW Gösgen, Herbert Meinecke.
Sowieso passten Musik und Physik gut zusammen, findet Alexander Puhrer. Beides sei sehr logisch und strukturiert aufgebaut, sagt der AKW-Chef und unterdessen Hobby-Opernsänger. Es gebe also durchaus Gemeinsamkeiten. «Jemand, der naturwissenschaftlich veranlagt ist, findet sich in der Musik wieder.»
Und während er den Applaus auf der Bühne geniesst, sucht er in seinem Hauptjob im AKW Gösgen keinen Applaus. «Die Anerkennung bekommt man hier einfach anders.»