Migration bleibt mit Abstand grösste Sorge der Schweizer

Für knapp die Hälfte der Wählerinnen und Wähler ist die Migrations- und Asylthematik das dringendste Problem, das die schweizerische Politik lösen soll. Jedoch vertrauen immer weniger auf die SVP als Rettungsanker. Das zeigt das neue SRG-Wahlbarometer.

Platz 1 auf dem Sorgen-Ranking des dritten Wahlbarometers in diesem Jahr bleibt die Migration. Das ist keine Überraschung: Bei allen vergangenen Wahlbarometern in dieser Legislatur besetzte dieses Thema den ersten Platz.

Überraschend ist jedoch: Heute nennen 46 Prozent der Befragten die Migration als dringendstes Problem – im Gegensatz zu erst 34 Prozent im Juni. «Wir sind mittlerweile bei einer Ausprägung, wie wir sie noch nie zuvor gemessen haben», kommentiert Martina Mousson vom gfs.bern die Dominanz des Themas.

30 Prozent mehr Medienbeiträge zur Migration

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Eckwerte des Wahlbarometers

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 21. und 29. August 2015 durchgeführt. Befragt wurden 2013 Personen. mehr

Dahinter stecken verschiedene Gründe, wie die Politikwissenschaftlerin ausführt. Einerseits hat die SVP ihren Wahlkampf mit der Asylthematik lanciert.

Andererseits sind die Medien unabhängig davon in den Sommermonaten aus realpolitischen Gegebenheiten vermehrt auf das Thema aufgesprungen. Die Asyldramen in und um Europa beschäftigen die Menschen. Eine Auswertung des Forschungsinstituts FÖG der Universität Zürich zeigt: Anfang Juli bis Ende August nahm die mediale Beachtung um ganze 30 Prozent zu.

Auch in der Romandie und im Tessin ist die Migrationsfrage das Top-Thema – es folgen Arbeitslosigkeit, die vor allem im Tessin ebenfalls ein dringendes Problem ist. In der Deutschschweiz hingegen rangiert diese Sorge erst auf Platz 5.

Dort steht auf Platz 2 die Beziehung zur EU und die Bilateralen. Dieses Thema nimmt auch national den zweiten Platz ein. Allerdings hat sich die Sorge um die Beziehung zur EU im Vergleich zu den zwei vorausgegangenen Wahlbarometern vom März und Juni deutlich abgeschwächt.

Sorgen-Ranking nach Sprachregion

RangGesamtschweiz
Deutsche Schweiz
Französische Schweiz
Italienische Schweiz
1MigrationMigrationMigrationMigration
2EU + Europa / Bilaterale
EU + Europa / BilateraleArbeitslosigkeitArbeitslosigkeit
3AHV / soziale Sicherheit
AHV / soziale SicherheitAHV / soziale SicherheitEU + Europa / Bilaterale
4ArbeitslosigkeitUmweltEU + Europa / BilateraleKrankenkasse
5UmweltArbeitslosigkeitEnergiewendeUmwelt

Eine Überraschung zeigt sich in der Frage, welche Partei am meisten zur Lösung des Migrationsproblems beiträgt. Zwar erhält die SVP mit 29 Prozent noch am meisten Zustimmung.

Allerdings waren vor zwei Jahren noch 52 Prozent der Befragten überzeugt, die SVP könne am meisten zur Lösung des Problems beitragen.

Claude Longchamp über die Frage der Profilierung

0:40 min, vom 9.9.2015

«Nicht zuletzt die Masseneinwanderungs-Initiative hat dieses Vertrauen einbrechen lassen», erklärt Martina Mousson vom gfs.bern den Vertrauensverlust. «Denn die SVP hat das Problem zwar thematisiert, jedoch keine praktikable Lösung angeboten, was bei der Wählerschaft schlecht ankam.»

Ist dies eine Chance für andere Parteien, sich in der Migrationsfrage zu profilieren? Claude Longchamp, Leiter am Forschungsinstitut gfs.bern, glaubt nicht daran: «Es gibt zwar eine gewisse Kritik an der SVP, aber nicht zugungsten einer anderen Partei, sondern zugunsten einer überparteilichen Lösung.

Das zeigt auch das Resultat des Wahlbarometers: Am zweithäufigsten geben die Befragten an, dass sie keiner Partei die Lösung des Problems zutrauen. Am dritthäufigsten wird die SP als Problemlöserin genannt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Das Wahl-Barometer

    Aus 10vor10 vom 9.9.2015

    Das aktuelle Wahl-Barometer, der gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut gfs.bern gemacht wurde. Er zeigt, dass die SVP die stärkste Partei bleiben würde, während andere verlieren.

  • Die grossen Parteien legen zu, die kleinen verlieren

    Aus Tagesschau vom 9.9.2015

    Wäre bereits Ende August in der Schweiz gewählt worden, dann wäre das Parlament etwas nach rechts gerutscht. Grundsätzlich hätten die grossen Parteien etwas zugelegt, die kleinen verloren. Dies das Ergebnis des 3. SRG-Wahlbarometers. Erläuterungen zum SRG-Wahlbarometer

  • Wahlbarometer - SVP und FDP stehen an der Spitze

    Aus Echo der Zeit vom 9.9.2015

    Hätten die eidgenössischen Wahlen Ende August stattgefunden, wären FDP und SVP die stolzen Wahlsiegerinnen. Die politische Mitte hingegen verliert. Die SP bleibt zweitstärkste Partei. Das zeigt das SRG-Wahlbarometer.

    Samuel Burri