Die neuen Zahlen: Die Menschen auf der Welt haben im vergangenen Jahr zusammengerechnet 20.8 Milliarden Liter Wein getrunken, das sind knapp drei Prozent weniger als im Vorjahr. Der rückläufige Trend hat sich fortgesetzt. Allein seit 2018 sank der globale Weinkonsum um 14 Prozent, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) im Jahresbericht schreibt.
Höhepunkt in den 1970er-Jahren: Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Weinkonsum zunächst stetig gestiegen und erreichte 1979 den höchsten Stand der Geschichte mit insgesamt 29 Milliarden Litern. Vor allem in Europa tranken die Menschen so viel Wein wie noch nie zuvor – der Wein gehörte in Ländern wie Frankreich und Italien zum Alltag. Zum Essen gibt es Wein, das war lange eine Selbstverständlichkeit. Doch im Verlauf der Zeit veränderten sich die Gewohnheiten, und bis zu den 1990er-Jahren sank der globale Konsum.
Neuer Schub mit Globalisierung: Mit dem Fall der Berliner Mauer von 1989 und der anschliessenden Globalisierung konnten die Händler neue Absatzmärkte erschliessen – vor allem auch in Asien. Damit hat sich das Geschäft wieder belebt, und der Weinkonsum kletterte auf fast 25 Milliarden Liter im Jahr 2007. Seither zeigt der Trend nach unten.
China ist entscheidend: Ausschlaggebend für den Dämpfer in der Branche ist China. Dort sind die Zahlen dramatisch eingebrochen. Innerhalb von zehn Jahren ist der Weinkonsum in China um 75 Prozent geschrumpft, die Produktion um 84 Prozent und die Importe um 68 Prozent. Vorübergehend hatte China im globalen Weingeschäft eine wichtige Rolle. Das hat sich relativiert. Statt Wein konsumieren die Chinesinnen und Chinesen lieber andere Getränke wie zum Beispiel Kaffee und Tee. Durch die Anti-Korruptionskampagne der Regierung wurden die Käufe von teuren Weinen eingebunden: weniger süffige Bankette, die Wirtschaft schwächelt und die Konsumentinnen und Konsumenten haben weniger Geld.
Rückläufiger Trend auch in der Schweiz: Laut den Zahlen der OIV ist der Konsum auch in der Schweiz rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande fast vier Prozent weniger Wein getrunken. Auffallend ist die Diskrepanz zwischen den Importen und den Exporten. Für die Schweizer Winzerinnen und Winzer ist es schwierig, hiesigen Wein ins Ausland zu verkaufen, weil der Wein zu teuer ist. Bei den Exporten steht die Schweiz im internationalen Vergleich auf Platz 51, bei den Importen hingegen auf Platz 15. Die Schweizer Produzenten sind auf die Unterstützung und die Treue der heimischen Bevölkerung angewiesen.
Schweizer Winzer: Wenn der Konsum schrumpft, dann reagieren auch die Winzerinnen und Winzer, sie reduzieren zum Teil die Fläche und reissen bestehende Rebstöcke aus. «Ich habe die Rebstöcke zusammen mit meinem Grossvater gepflanzt. Nun muss ich sie ausreissen», sagte neulich ein Winzer aus dem Wallis in einem Bericht des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS. Bis zu zehn Prozent der Rebberge im Wallis, in der Waadt und in Genf könnten verschwinden, so der Bericht.
Wümmet sinkt weltweit: Die Winzer drosseln die Menge und passen sich dem rückläufigen Konsum an. Weltweit resultierte im letzten Jahr die zweitniedrigste Ernte seit 1961. Nur gerade 2024 war noch magerer. Wetterextreme wie Dürre, Starkregen und Frost setzen der Branche zu. Die Anbaufläche hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark reduziert, um knapp 413 000 Hektar. Dies entspricht einem Zehntel der Fläche der Schweiz.