Darum geht’s: Beim Einkaufen in Webshops suchen wir in der Regel Produkte, vergleichen online Preis und Qualität und kaufen dann ein. Bei «Agentic Commerce» müssen wir der KI nur unseren Wunsch mitteilen, dann übernehmen KI-gesteuerte Agenten den ganzen Kaufprozess.
KI bucht Ferien: Ginge es nach Marc Vanlerberghe von der Krypto-Stiftung Algorand, würden schon bald KI-gesteuerte Agenten die neuen Laufschuhe selbstständig einkaufen oder gar die nächsten Ferien buchen: «Es braucht Tage, um Flüge, Mietautos oder Hotels zu suchen. Es ist doch viel einfacher, wenn eine Maschine diese Abwägungen macht, massgeschneiderte Ferien zusammenstellt und diese auch gleich bucht.» Wer also zum Beispiel Ferien buchen will, erklärt seinem KI-Agenten in einem Prompt seine Präferenzen – zum Beispiel Badeferien in Übersee mit einem Mietauto – und legt das Budget fest. Der Agent stellt ein passendes Ferienangebot zusammen und bucht die gesamte Reise umgehend mittels hinterlegter Kreditkarte und Identitätsausweisen.
Onlinehandel neu denken: Für den Onlinehandel bedeutet Agentic Commerce einen fundamentalen Wandel. «Händler haben bis anhin laufend ihre Websites und Dienstleistungen optimiert, von der Sichtbarkeit auf Google, über das Shopping-Erlebnis selbst, die Verweildauer auf der Website und den Reminder, dass noch Produkte im Warenkorb liegen, bis zur Befragung nach dem Einkauf», sagt Marketing-Spezialist Marc Vanlerberghe von Algorand. Das wäre künftig alles kaum noch von Bedeutung. «Maschinen interessieren solche Dienstleistungen nicht.»
Gigantischer Markt: Marc Vanlerberghe ist überzeugt: «Agentic Commerce, das Webshopping von Maschinen, ist der Markt der Zukunft.» Die KI-Agenten würden die Kundschaft sehr genau kennen, eigenständig aussuchen und einkaufen. Das Potenzial sei gigantisch. «Die Marktanalysen grosser Consulting-Konzerne wie McKinsey rechnen schon in drei bis vier Jahren mit einem Multi-Billionen-Dollar-Markt.»
Auch für Unternehmen: Agentic Commerce könnte das Webshopping von uns, aber nicht zuletzt auch den Einkauf von Unternehmen verändern, zum Beispiel bei wiederkehrenden Beschaffungen von Bauteilen oder Rohstoffen. Und das könnte die Lieferketten nachhaltig verändern, weil Maschinen schneller evaluieren, kaufen und nachliefern lassen.
Wie weiter: Die Software-Protokolle, die diese neue Art von E-Commerce unterstützen, sind teilweise erst wenige Monate alt. Es sind zum Beispiel Protokolle, die ermöglichen, dass künstliche Intelligenzen verschiedener Anbieter miteinander kommunizieren können oder Aufträge an die Agenten und abgeschlossene Verträge sicher in einer Blockchain abgelegt werden. Diese komplexen Abläufe sind anfällig auf Kinderkrankheiten. Es dürfte wohl noch eine Weile dauern, bis Agentic Commerce sich breit durchsetzt. Und es dürfte einige Fehlbestellungen, allenfalls auch mit juristischen Folgen, geben.