Die grossen Schweizer Arbeitgeber müssten mehr tun, findet Janie Bisset. Sie ist die Chefin von Ikea Schweiz: «Grosse Firmen wie wir haben eine besondere Verantwortung. Wir haben das Geld, die Strukturen und die Möglichkeiten.« Ohne Arbeit sei Integration kaum möglich. Bei Ikea Schweiz arbeiten 3500 Mitarbeitende, darunter etwa 100 mit Fluchtgeschichte.
Die Verantwortlichen der Ikea sind in stetigem Austausch mit Job-Coaches und kantonalen Behörden, sie bietet drei verschiedene Programme für Geflüchtete an, darunter Praktika mit Sprachkursen, eine Vorlehre und ein Programm für den direkten Einstieg. Die Investition lohne sich, sagt Bisset: «70 Prozent der Geflüchteten arbeiten weiter bei uns. Wir investieren in Talente, die sich dann auch in unserer Firma weiterentwickeln können.»
Er wollte unbedingt auf eigenen Beinen stehen
Eines dieser Talente ist Ftwi Atobrhan, der Eritreer ist seit bald zehn Jahren in der Schweiz. Seit 2019 arbeitet er für Ikea. Mittlerweile ist er gelernter Detailhandelsfachmann, aber er kann sich noch gut erinnern, wie er zu Ikea kam: Nach einem Deutschkurs hat sein Job-Coach Arbeit für ihn gesucht. «Ich hatte keine Ahnung, was Ikea ist,» sagt Atobrhan. Das hat sich aber schnell geändert. Heute arbeitet er im Verkauf retournierter Möbel und kennt so fast das ganze Sortiment.
Alleine könne Ikea keinen grossen Unterschied machen, sagt Janie Bisset: «Wir wollen unsere Erfahrungen weitergeben, damit andere Firmen nicht denselben Lernprozess durchlaufen müssen wie wir.» Im November hat das Unternehmen darum zu einem Vernetzungstreffen geladen. Das Ziel: Mehr Unternehmen zu motivieren, Geflüchteten Arbeit zu geben.
Ohne die Unternehmen geht's nicht
Auch Adrian Gerber war an dem Treffen. Er arbeitet im Auftrag des Bundesrats. Seine Aufgabe ist, möglichst viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Schweiz sei schon besser geworden: Nach drei Jahren in der Schweiz arbeite etwa ein Drittel der Geflüchteten, das sind 10 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren. Das sei ein Fortschritt, sagt Gerber: «Aber wir können als Schweiz hier sicher noch mehr machen.»
Nur wenn auch die Chefetage daran glaubt, ist die Integration erfolgreich.
In der Pflicht sieht er die Geflüchteten, aber auch die Unternehmen, sie müssten den Geflüchteten eine Chance geben. «Die sind hier im Land, dieses Potenzial müssen wir nutzen.» Manchmal brauche es eine Extrameile, aber es sei eine Investition und die lohne sich auf lange Sicht. Der Staat könne unterstützen, vermitteln, aber letztlich sei es ein freier Arbeitsmarkt.
Er ist vor allem mit grossen Firmen in Kontakt, damit sie das noch systematischer angehen könnten. Einige würden das schon tun, bei anderen gebe es noch Luft nach oben. Die Bandbreite ist riesig, das zeigt auch eine Umfrage von SRF bei den grössten Arbeitgebenden des Landes.
Damit die Integration von Geflüchteten gelinge, müsse man aber die Tür aktiv öffnen, sagt Janie Bisset. Am Anfang bräuchten Geflüchtete viel Begleitung und Programme, die auf sie zugeschnitten seien. Zudem brauche es die volle Unterstützung der Chefetage, sie müsse voll und ganz dahinterstehen sagt Bisset: «Nur wenn auch die Chefetage daran glaubt, ist die Integration erfolgreich.» Für Janie Bisset ist es eine Herzensangelegenheit. Sie sieht nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch die Unternehmen in der Pflicht.