Die Sicht der USA: Das US-Handelsministerium hat eine Bilanz zum vergangenen Jahr gezogen. Dabei zeigt sich: Das Land importiert nach wie vor deutlich mehr Ware, als es exportiert. Daraus resultiert ein Handelsbilanzdefizit. Laut der Datenbank des Handelsministeriums gab es 2025 ein Defizit von 1’231 Milliarden Dollar, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu vor 10 Jahren stieg das Defizit sogar um 65 Prozent. Nicht eingerechnet sind die Dienstleistungen.
Anschluss verpasst: Bereits nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 verzeichneten die USA im Handel mit der Welt ein Defizit. Doch mit der Globalisierung hat das Land den Anschluss verpasst. Die USA haben es nicht geschafft, eine wettbewerbsfähige Industrie aufzubauen. Die Regierung von Donald Trump versucht, das mit dem Zollhammer zu korrigieren, bisher ohne Erfolg.
Importe: 2025 haben vor allem die Importe in die USA sprunghaft zugenommen und dies, obwohl die Regierung das zu verhindern versuchte. Allerdings gibt es zwischen den Branchen Unterschiede. So haben die Firmen und Haushalte in den USA vor allem mehr Computer, Computerzubehör und Geräte für die Telekommunikation gekauft. Deutlich abgenommen haben im Gegenzug die Importe von Autos.
Grundlage von Verhandlungen: Die Zahlen des US-Handelsministeriums sind relevant, weil sie auch in den Verhandlungen mit den verschiedenen Handelspartnern eine Rolle spielen. Sie sind mit eine Entscheidungsgrundlage der US-Regierung, die sich auf diese Daten abstützt. Die Schweiz dürfte weiter unter Beobachtung bleiben. Gemäss den Zahlen der US-Behörden resultierte für die USA im Handel mit der Schweiz im vergangenen Jahr ein Defizit von 34 Milliarden Dollar. Das ist zwar ein Rückgang von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im langfristigen Vergleich hat aber das Ungleichgewicht aus der Sicht der USA zugenommen. Die Schweizer Wirtschaft ist vor allem im Export von Medikamenten erfolgreich, und auch Uhren und Maschinen sind im Handel mit den USA wichtig.
Grösstes Defizit mit der EU: Die USA haben im Handel mit den meisten Ländern der Welt im vergangenen Jahr erneut ein Defizit. Den grössten Fehlbetrag gibt es aus Sicht der USA mit der EU, gefolgt von China, Mexiko und Vietnam. Auffallend ist der grosse Überschuss mit den Niederlanden. Das hat vor allem damit zu tun, dass ein grosser Teil der Ware über den Hafen von Rotterdam nach Europa geliefert wird, was einen Einfluss auf die Statistik hat.
Überschuss bei Dienstleistungen: Erfolgreicher als im Handel mit Gütern sind die USA im Bereich der Dienstleistungen, bei denen es einen Überschuss von 339 Milliarden Dollar gibt. Zu den Dienstleistungen gehören zum Beispiel Lizenzeinnahmen von Softwarelieferanten wie Microsoft und anderen Techfirmen. «Der Überschuss bei den Dienstleistungen wird in der politischen Debatte um Handelsdefizite regelmässig unterschlagen», schreibt Handelsexperte Johannes Fritz von der Stiftung SGEPT auf Anfrage. Die Dienstleistungen müssten in die Verhandlungen mit einbezogen werden. Und weiter: «Die Daten von 2025 zeigen, dass Zölle die Handelsströme sehr wohl umlenken können.» Die Autoimporte seien zum Beispiel um 52 Milliarden Dollar gefallen. Das seien reale Effekte. Lieferketten seien von China nach Vietnam und Taiwan verlagert worden. «Die Zölle verschieben Handelsströme, aber sie verringern sie nicht», so das Fazit von Johannes Fritz.