Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Auswirkungen des Iran-Kriegs Rückenwind für Elektroautos

Elektroautos sind wegen des Iran-Kriegs und der gestiegenen Treibstoffpreise gefragt. In Asien sind die Verkäufe sprunghaft angestiegen. In Europa und der Schweiz ist das Wachstum ebenfalls spürbar, aber verhaltener.

Den Autohändlern in asiatischen Ländern werden die Elektroautos seit dem Iran-Krieg regelrecht aus den Händen gerissen. Beispielhaft zeigt sich das in Vietnam: Der einheimische Autohersteller Vinfast hat im März zwei bis dreimal so viele Elektroautos verkauft wie noch im Februar.

Zwei Arbeiter stehen in einer Halle einer Autofabrik an einer Produktionsline und montieren Autoteile an ein Chassis.
Legende: Beim vietnamesischen Autohersteller Vinfast läuft die Produktion der Elektroautos auf Hochtouren. Die Firma verzeichnet aufgrund des Iran-Krieges eine nie dagewesene Nachfrage nach ihren Elektromodellen. ZVG

Vinfast begründet diese extreme Nachfrage explizit mit den Folgen des Iran-Krieges. Inmitten der «unvorhersehbaren Schwankungen der Treibstoffpreise» zeigten die Elektroautos ihre Vorteile, etwa bei den Betriebskosten, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Asien: Elektroautos im Aufschwung

Box aufklappen Box zuklappen

Gerade China setzt seit einigen Jahren konsequent auf Elektroautos. Doch auch in vielen anderen asiatischen Ländern wie Thailand oder den Philippinen nahm die Zahl der Elektrofahrzeuge bereits vor dem Iran-Krieg stark zu: Je nach Land waren zwischen 20 und 40 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch. Der Krieg beschleunigt diese Entwicklung nun zusätzlich.

Zum Vergleich: In der Schweiz fahren aktuell rund 25 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge rein elektrisch.

Auch in der Schweiz verspüren die Elektroautos seit dem Iran-Krieg Rückenwind, allerdings nicht im vergleichbaren Ausmass wie im asiatischen Raum.

Schwacher Rückenwind in Europa für Elektroautos

«Wir erkennen effektiv ein leicht grösseres Interesse an Elektrofahrzeugen, aktuell insbesondere bei den Marken Skoda und Audi», heisst es etwa bei der Amag, der grössten Autoimporteurin der Schweiz. Gross sei zudem die Nachfrage nach den elektrischen Kleinwagen von VW. Diese Modelle kommen allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt.

Ähnlich tönt es bei anderen Marken. Renault etwa stellt grundsätzlich ein «anhaltend hohes Interesse» an Elektroautos fest. Allerdings «sehen wir in der Schweiz noch kein klares Signal für eine strukturell veränderte Nachfrage nach Elektroautos, die sich eindeutig auf die geopolitische Lage im Nahen Osten zurückführen liesse», schreibt der französische Autohersteller weiter.

Ein graues Auto steht auf einem Parkplatz und wird mittels eines gelben Stromkabels geladen.
Legende: Grösser als bei den Neuwagen ist offenbar die Nachfrage nach Elektroautos auf dem Occasionsmarkt. Da verzeichnen Polestar und die Amag eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vorjahr. Konkrete Zahlen nennen allerdings beide Firmen nicht. KEYSTONE/DPA/Jan Woitas

Gleiches gilt auch für Polestar. Die schwedisch-chinesische Marke verkauft ausschliesslich elektrische Fahrzeuge: «Wir bemerken seit dem markanten Anstieg der Benzinpreise durch den Iran-Krieg ein vermehrtes Interesse nach unseren (…) Elektrofahrzeugen.» So sei etwa die Zahl der angefragten Testfahrten seit Jahresanfang «markant» gestiegen.

Mehr Verkaufsgespräche und mehr Probefahrten schlagen sich allerdings nicht sofort in mehr Verkäufen nieder wie in anderen Staaten. Die Amag erklärt sich diese Tatsache wie folgt: «Dass die E-Verkäufe aktuell nicht komplett explodieren, hängt sicher damit zusammen, dass ein Autokauf eine langfristige Investition ist und man in unsicheren Zeiten vielleicht auch noch etwas zuwartet.»

Schweiz: Zeitverzögerte Zulassungszahlen

Box aufklappen Box zuklappen

In der Schweiz erfasst das Bundesamt für Strassen (Astra) die neu zugelassenen Fahrzeuge. Allerdings widerspiegelt diese Statistik die effektive Entwicklung zeitverzögert.

Wenn ein Auto neu gekauft wird, dauert es in der Regel einige Wochen oder Monate, bis das Fahrzeug der Besitzerin oder dem Besitzer übergeben wird. Erst mit der Übernahme wird das Auto angemeldet und statistisch erfasst. Somit bilden die aktuellen Zahlen das Kaufverhalten aus der Vergangenheit ab.

Die Autokäufe in den Monaten März oder April erscheinen folglich erst im Sommer oder Herbst in der Statistik, je nach Liefertermin des jeweiligen Fahrzeugs.

Hinzu kommt, dass der finanzielle Druck in der Schweiz, umzusteigen, nicht so hoch ist wie anderswo. «Der Benzinpreis schlägt nicht so stark aufs Budget wie früher», sagt Philippe Thalmann, Professor für Umweltökonomie an der EPFL Lausanne. Auch deshalb, weil die heutigen Autos mit viel weniger Treibstoff auskommen als in der Vergangenheit. «Das Benzin ist – inflationsbereinigt und angesichts des Verbrauchs der Autos – viel günstiger als noch in den 80er-Jahren.»

Wenn der Benzinpreis 15 Franken pro Liter kostet

Ganz anders präsentiert sich die Lage in den asiatischen Ländern. Dort fallen die gestiegenen Ölpreise finanziell viel stärker ins Gewicht. So kostet in Vietnam der Liter Benzin umgerechnet 70 Rappen, dies bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 350 Dollar. Kaufkraftbereinigt entspricht das einem Literpreis in der Schweiz von rund 15 Franken. Der Strompreis in Vietnam ist hingegen vergleichsweise tief, was das Elektroauto gerade aus finanziellen Gründen zur günstigeren Alternative macht.

SRF 4 News, 24.04.2026, 16:13 Uhr; noes

Meistgelesene Artikel