Den Autohändlern in asiatischen Ländern werden die Elektroautos seit dem Iran-Krieg regelrecht aus den Händen gerissen. Beispielhaft zeigt sich das in Vietnam: Der einheimische Autohersteller Vinfast hat im März zwei bis dreimal so viele Elektroautos verkauft wie noch im Februar.
Vinfast begründet diese extreme Nachfrage explizit mit den Folgen des Iran-Krieges. Inmitten der «unvorhersehbaren Schwankungen der Treibstoffpreise» zeigten die Elektroautos ihre Vorteile, etwa bei den Betriebskosten, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.
Auch in der Schweiz verspüren die Elektroautos seit dem Iran-Krieg Rückenwind, allerdings nicht im vergleichbaren Ausmass wie im asiatischen Raum.
Schwacher Rückenwind in Europa für Elektroautos
«Wir erkennen effektiv ein leicht grösseres Interesse an Elektrofahrzeugen, aktuell insbesondere bei den Marken Skoda und Audi», heisst es etwa bei der Amag, der grössten Autoimporteurin der Schweiz. Gross sei zudem die Nachfrage nach den elektrischen Kleinwagen von VW. Diese Modelle kommen allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt.
Ähnlich tönt es bei anderen Marken. Renault etwa stellt grundsätzlich ein «anhaltend hohes Interesse» an Elektroautos fest. Allerdings «sehen wir in der Schweiz noch kein klares Signal für eine strukturell veränderte Nachfrage nach Elektroautos, die sich eindeutig auf die geopolitische Lage im Nahen Osten zurückführen liesse», schreibt der französische Autohersteller weiter.
Gleiches gilt auch für Polestar. Die schwedisch-chinesische Marke verkauft ausschliesslich elektrische Fahrzeuge: «Wir bemerken seit dem markanten Anstieg der Benzinpreise durch den Iran-Krieg ein vermehrtes Interesse nach unseren (…) Elektrofahrzeugen.» So sei etwa die Zahl der angefragten Testfahrten seit Jahresanfang «markant» gestiegen.
Mehr Verkaufsgespräche und mehr Probefahrten schlagen sich allerdings nicht sofort in mehr Verkäufen nieder wie in anderen Staaten. Die Amag erklärt sich diese Tatsache wie folgt: «Dass die E-Verkäufe aktuell nicht komplett explodieren, hängt sicher damit zusammen, dass ein Autokauf eine langfristige Investition ist und man in unsicheren Zeiten vielleicht auch noch etwas zuwartet.»
Hinzu kommt, dass der finanzielle Druck in der Schweiz, umzusteigen, nicht so hoch ist wie anderswo. «Der Benzinpreis schlägt nicht so stark aufs Budget wie früher», sagt Philippe Thalmann, Professor für Umweltökonomie an der EPFL Lausanne. Auch deshalb, weil die heutigen Autos mit viel weniger Treibstoff auskommen als in der Vergangenheit. «Das Benzin ist – inflationsbereinigt und angesichts des Verbrauchs der Autos – viel günstiger als noch in den 80er-Jahren.»
Wenn der Benzinpreis 15 Franken pro Liter kostet
Ganz anders präsentiert sich die Lage in den asiatischen Ländern. Dort fallen die gestiegenen Ölpreise finanziell viel stärker ins Gewicht. So kostet in Vietnam der Liter Benzin umgerechnet 70 Rappen, dies bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 350 Dollar. Kaufkraftbereinigt entspricht das einem Literpreis in der Schweiz von rund 15 Franken. Der Strompreis in Vietnam ist hingegen vergleichsweise tief, was das Elektroauto gerade aus finanziellen Gründen zur günstigeren Alternative macht.