Verpackungsmaschinen, Auto-Komponenten, Anlagen für Öl- und Gasindustrie: All dies stellen Schweizer Tech-Firmen her. Rund vier Fünftel des gesamten Branchenumsatzes entstehen im Ausland. Doch die Tech-Exporte kommen – nach einem bereits harzigen 2025 – nicht vom Fleck. «Es ist ein Treten an Ort», sagt Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor des Branchenverbands Swissmem.
Die Zahlen für das erste Quartal zeigen ein gemischtes Bild: leichte Fortschritte im Tech-Export nach Deutschland, aber auch ein kräftiges Minus im Geschäft mit den USA und China. Gebannt schauen die Experten nach Nahost und hoffen auf ein tragfähiges Abkommen mit dem Iran. Andernfalls könnte sich der Ausblick verdüstern.
Der hohe Ölpreis wird die Weltkonjunktur verlangsamen. Dadurch wird indirekt die Auslandsnachfrage nach Schweizer Industriegütern schwächer ausfallen.
Dabei gibt es zwei Szenarien – je nachdem, wie es mit den Energiepreisen weitergeht. «Der Iran-Konflikt hat eine neue Unsicherheit ins Spiel gebracht. Die globale Unsicherheit, Investitionen zu tätigen. Weil die Energiepreise stark angestiegen sind, haben die Menschen weniger Kaufkraft. Das wirkt sich auch im Investitionsverhalten der Firmen aus. Das spüren wir», sagt Kohl weiter.
Indirekt über andere Märkte vom Krieg betroffen
Für seine Branche heisst das weniger Aufträge aus dem Ausland. Kohl macht ein Beispiel: «Es gibt ein grosses Geschäft aus Indien in den Nahen Osten – Konsumgüter, die verpackt werden. Weil dieser Absatz eingebrochen ist, verkaufen unsere Verpackungsmaschinenhersteller weniger Maschinen nach Indien. Wir sind also indirekt über andere Märkte vom Iran-Konflikt betroffen.»
Ökonom Alexander Rathke vom Konjunkturforschungsinstitut KOF der ETH Zürich bestätigt: «Der hohe Ölpreis wird insgesamt die Weltkonjunktur verlangsamen. Und das wird uns dann indirekt treffen, da die Auslandsnachfrage nach Schweizer Industriegütern schwächer ausfallen wird.»
Mit einer Befriedung der Region, würde ein globaler Unsicherheitsfaktor wegfallen. Dann hätten wir eine Verbesserung des Investitionsklimas insgesamt.
Es gebe aber auch ein positives Szenario – für den Fall, dass die Waffen am Persischen Golf dauerhaft schweigen, ergänzt Alexander Rathke von der KOF. «Im Grunde hätten wir dieses Jahr einen Aufschwung im verarbeitenden Gewerbe erwartet. Das ist hauptsächlich getrieben davon, dass man davon ausgeht, dass Deutschland nach einigen Jahren der Stagnation die Kurve kriegt.»
Friede könnte sogar zusätzliche Aufträge generieren
Deutschland und die übrigen EU-Länder sind der wichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Tech-Industrie. Sollten dort etwa die staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur greifen, würde die Schweiz mitprofitieren. Wenn dann auch keine anderen bösen Überraschungen kämen, sähe es für seine Branche besser aus, sagt Swissmem-Vizedirektor Kohl.
«Mit einer Befriedung der Region würde ein globaler Unsicherheitsfaktor wegfallen. Weitere bleiben nach wie vor bestehen. Aber immerhin hätten wir eine graduelle Beruhigung und eine Verbesserung des Investitionsklimas insgesamt.»
Aus der Golfregion könnte es für die Schweizer Exportindustrie sogar zusätzliche Aufträge geben. «Wir haben verschiedene Firmen in der Mitgliedschaft, die für die Ölindustrie Förderanlagen oder Komponenten liefern – etwa Kompressionsanlagen und Pumpen. All diese grossen Investitionen braucht es, damit man Öl und Gas fördern kann. Wenn die Region wirklich nachhaltig befriedet ist, dann wird man diese Anlagen rasch wieder aufbauen wollen», sagt Kohl.
Die Schweizer Tech-Industrie blickt also auf zwei sehr unterschiedliche Szenarien. Das Kriegsgeschehen in Nahost gibt den Ausschlag.