Der Schweizerische Bankenombudsmann hatte viel zu tun im letzten Jahr. Vor allem wegen sogenannter Phishing-Mails gingen bei ihm viele Beschwerden ein. Was dabei die Probleme sind und warum KI seine Arbeit erschwert, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart.
Wie stark hat der Betrug via Phishing-Mails zugenommen?
2025 nahmen die Betrugsfälle um insgesamt 15 Prozent zu – da ist auch Phishing mit dabei. Und Phishing ist die beliebteste Betrugsmasche der Kriminellen. Dabei werden Passwörter, Log-ins oder Kontodaten mittels falscher E-Mails, SMS oder Fake-Anrufen abgesaugt. Innert vier Jahren hat die Zahl der Anfragen beim Bankenombudsmann zu Betrugsmaschen im Zahlungsverkehr um sagenhafte 253 Prozent zugenommen.
Wieso diese grosse Zunahme?
Die traurige Wahrheit: Die Masche funktioniert in vielen Fällen. Das stellt auch der Bankenombudsmann Andreas Barfuss fest. Dabei werde das Vorgehen der Kriminellen immer wieder leicht abgeändert. Und: Die Masche kostet nichts: «Man kann massenhaft E-Mails absetzen – und womöglich reagiert eine von einer Million Personen darauf», so Barfuss. Leider lohne sich die Masche für die Kriminellen immer noch. Und der Ombudsmann rechnet nicht damit, dass die Zahl der Betrugsfälle abnehmen wird – nicht zuletzt wegen KI. Denn mit künstlicher Intelligenz können die Stimmen von Enkeln, Polizisten oder IT-Supporterinnen problemlos nachgeahmt werden, um damit mit falschen Anrufen Geld zu erschleichen.
Laut dem Bericht macht KI auch immer mehr Arbeit. Wie das?
Betrogene Bankkunden lassen sich ihre Beschwerden immer öfter von KI schreiben, anstatt sich beim Ombudsmann telefonisch zu melden. Und diese schriftlichen Beschwerden gäben mehr Arbeit, so die Ombudsstelle. Dabei seien die KI-Eingaben oftmals zwar sprachlich und argumentativ elegant formuliert, aber juristisch schwach. Oft sei nicht klar, was die Quellen seien, so Ombudsmann Barfuss. Zudem werde die Argumentation oft von ausländischem Recht abgeleitet. Barfuss nennt die Recherchen seines Teams «Schnitzeljagden», um herauszufinden, worauf denn nun eine Anfrage basiere. «Zudem stellen wir fest, dass die künstliche Intelligenz einen Bias hat: Sie möchte dem Benutzer gefallen. Und so weckt sie womöglich Erwartungen, die sich dann nicht einlösen lassen», so Barfuss. Und das wiederum führt zu mehr Konfliktpotenzial zwischen Beschwerdeführern und Banken – und zu mehr Arbeit für den Bankenombudsmann.