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Betrug per E-Mail oder SMS Noch immer fallen viele Leute auf Phishing-Mails rein

Für den Bankenombudsmann gibt es immer mehr zu tun: Mehr Betrugsfälle, aber auch künstliche Intelligenz hat einen Einfluss.

Der Schweizerische Bankenombudsmann hatte viel zu tun im letzten Jahr. Vor allem wegen sogenannter Phishing-Mails gingen bei ihm viele Beschwerden ein. Was dabei die Probleme sind und warum KI seine Arbeit erschwert, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart.

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin

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Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

Wie stark hat der Betrug via Phishing-Mails zugenommen?

2025 nahmen die Betrugsfälle um insgesamt 15 Prozent zu – da ist auch Phishing mit dabei. Und Phishing ist die beliebteste Betrugsmasche der Kriminellen. Dabei werden Passwörter, Log-ins oder Kontodaten mittels falscher E-Mails, SMS oder Fake-Anrufen abgesaugt. Innert vier Jahren hat die Zahl der Anfragen beim Bankenombudsmann zu Betrugsmaschen im Zahlungsverkehr um sagenhafte 253 Prozent zugenommen.

Insgesamt 2575 Beschwerden im letzten Jahr

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Die wichtigste Problemursache blieben laut dem Bericht des Bankenombudsmanns auch im letzten Jahr Betrugsfälle etwa im Zusammenhang mit Kartenzahlungen oder dem Onlinebanking. Insgesamt erledigte die Bankenombudsstelle von Andreas Barfuss im vergangenen Jahr 2575 Fälle. Das waren 100 mehr als 2024. Seine Stelle intervenierte in 319 Fällen beim betreffenden Finanzinstitut und machte in 174 Fällen konkrete Lösungsvorschläge. Bei 98 Prozent folgten die Banken den Empfehlungen und kamen den Kundinnen oder Kunden entgegen.

Berechtigte nachrichtenloser Vermögen
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Anlaufstelle für kontakt- und nachrichtenlose Vermögenswerte erhielt der Bankenombudsmann letztes Jahr zudem 460 neue Suchanfragen. In der Folge konnten 33 kontaktlose Kundenbeziehungen mit Konto- und Depotwerten in Höhe von 12.1 Millionen Franken den berechtigten Personen zugänglich gemacht werden, dazu kamen sieben Schrankfächer. Seit der Einführung dieses Systems im Jahr 2001 konnte die Anlaufstelle damit insgesamt 772 kontakt- und nachrichtenlose Kundenbeziehungen ermitteln. Dabei konnte sie berechtigten Personen Werte von insgesamt 157.3 Millionen Franken sowie den Inhalt von 82 Schrankfächern zugänglich machen. (sda)

Wieso diese grosse Zunahme?

Die traurige Wahrheit: Die Masche funktioniert in vielen Fällen. Das stellt auch der Bankenombudsmann Andreas Barfuss fest. Dabei werde das Vorgehen der Kriminellen immer wieder leicht abgeändert. Und: Die Masche kostet nichts: «Man kann massenhaft E-Mails absetzen – und womöglich reagiert eine von einer Million Personen darauf», so Barfuss. Leider lohne sich die Masche für die Kriminellen immer noch. Und der Ombudsmann rechnet nicht damit, dass die Zahl der Betrugsfälle abnehmen wird – nicht zuletzt wegen KI. Denn mit künstlicher Intelligenz können die Stimmen von Enkeln, Polizisten oder IT-Supporterinnen problemlos nachgeahmt werden, um damit mit falschen Anrufen Geld zu erschleichen.

Laut dem Bericht macht KI auch immer mehr Arbeit. Wie das?

Betrogene Bankkunden lassen sich ihre Beschwerden immer öfter von KI schreiben, anstatt sich beim Ombudsmann telefonisch zu melden. Und diese schriftlichen Beschwerden gäben mehr Arbeit, so die Ombudsstelle. Dabei seien die KI-Eingaben oftmals zwar sprachlich und argumentativ elegant formuliert, aber juristisch schwach. Oft sei nicht klar, was die Quellen seien, so Ombudsmann Barfuss. Zudem werde die Argumentation oft von ausländischem Recht abgeleitet. Barfuss nennt die Recherchen seines Teams «Schnitzeljagden», um herauszufinden, worauf denn nun eine Anfrage basiere. «Zudem stellen wir fest, dass die künstliche Intelligenz einen Bias hat: Sie möchte dem Benutzer gefallen. Und so weckt sie womöglich Erwartungen, die sich dann nicht einlösen lassen», so Barfuss. Und das wiederum führt zu mehr Konfliktpotenzial zwischen Beschwerdeführern und Banken – und zu mehr Arbeit für den Bankenombudsmann.

Rendez-vous, 19.5.2026, 12:30 Uhr ; 

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