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Blockierte Strasse von Hormus Warum jetzt der Dünger knapp wird

Aus der Golfregion kommt ein grosser Teil der weltweit verschifften Düngemittel. Doch der Krieg blockiert die Lieferungen. Jetzt steigen die Preise.

Darum geht es: Der Krieg im Nahen Osten und die Angriffe auf Frachtschiffe haben den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht. Das beeinträchtigt nicht nur den Handel mit Öl und Gas, sondern auch den Export von Dünger. Rund ein Drittel der weltweit verschifften Düngemittel passiert die Strasse von Hormus normalerweise; die wichtigsten Herkunftsländer sind Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und Oman. Die Golfregion exportiert vor allem Harnstoff, die gebräuchlichste Art von Stickstoffdünger, der aus Erdgas und Luftstickstoff hergestellt wird. Aber auch ein bedeutender Anteil der weltweit gehandelten Phosphatdüngemittel stammen aus den Golfstaaten.

Warum exportiert die Golfregion so viel Dünger? «Die Düngerproduktion ist sehr energieintensiv», erklärt Hendrik Mahlkow, Handelsökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft. «Und in der Golfregion haben wir viel Energie, also vor allem Erdgas und LNG.» Die Region sei für Ackerbau nicht besonders geeignet und könne keine grossen Mengen an Düngemitteln aufnehmen. Die Produktionsstätten in den Golfstaaten seien deshalb vor allem exportorientiert.

Die drei wichtigsten Nährstoffe

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Pflanzen brauchen drei Hauptnährstoffe, um zu gedeihen: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Sie bilden die Hauptbestandteile der meisten Düngemittel, denn Böden liefern diese Nährstoffe in der Regel nicht in ausreichender Menge. Zusätzlich benötigen Pflanzen noch weitere Nährstoffe wie Magnesium, Schwefel und Calcium. Diese Stoffe sind ähnlich wichtig, aber in grösserer Menge in den Böden vorhanden, so dass es weniger davon in Form von Düngemitteln braucht. Je nach Boden können zusätzlich noch Mikronährstoffe wie Mangan, Bor, Zink oder Kupfer nötig sein, um Pflanzen optimal zu versorgen.

In welche Regionen gehen die Düngerexporte? Die Hauptabnehmer für die Düngemittel aus der Golfregion waren bislang vor allem Länder in Afrika und Asien. Sie dürften den fehlenden Nachschub an Dünger bald spüren, denn Düngemittel werden selten gelagert, sondern auf Bestellung produziert und exportiert. Die Düngermärkte verfügen also über wenig Puffer.

Was passiert jetzt mit den Preisen? Die faktische Blockade der Strasse von Hormus verknappt das globale Angebot an Dünger und treibt die Preise nach oben. Landwirte bezahlen teilweise über 30 Prozent mehr als vor dem Kriegsausbruch. Diese Preisentwicklung alarmiert Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt. Auch die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) warnt in einer Analyse davor, dass die Störungen des Handels durch die Strasse von Hormus die Düngerpreise deutlich steigern könnten. Gemäss Handelsökonom Mahlkow trifft die aktuelle Krise ausserdem auf einen ohnehin schon angespannten Düngermarkt: «Wir haben zum Beispiel in China Exportbeschränkungen für Düngemittel. Und die europäische Produktion ist wegen des Ukrainekriegs auf einem sehr geringen Niveau.»

Profitiert jetzt die Düngemittelindustrie?

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Ja und Nein. Düngemittelproduzenten, die nicht am Persischen Golf sitzen und weiter liefern können, profitieren von einer Verknappung des Angebots insofern, als die Weltmarktpreise steigen, zumindest kurzfristig. Dieser Anstieg gab ihren Börsenkursen zuletzt ordentlich Schub. So auch bei K+S, einem grossen deutschen Hersteller von Kalidüngemitteln. Doch der Konzern ist vorsichtig: Unternehmenssprecher Michael Wudonig verweist darauf, dass die schnell steigenden Düngerpreise die Bauern allgemein unter Druck setzen und zu Einsparungen zwingen könnten. Das könne den Markt insgesamt lähmen. «Insofern sind solche kriegsbedingten Eingriffe in den Markt, die nicht nicht richtig fundamental bestimmt sind, immer etwas Unschönes. Und da freut sich dann auch kein Produzent, nur weil er kurzfristig vielleicht von höheren Preisen profitieren kann», so Wudonig.

Werden Lebensmittel nun teurer? Ja. Wenn weltweit die Preise für Dünger steigen, würden mittelfristig die Preise für Lebensmittel nach oben gehen, sagt Experte Mahlkow - auch in Europa. Das sei beispielsweise in Westeuropa, wo die Kaufraft hoch ist, nicht so dramatisch. «In Entwicklungsländern aber geben die Menschen über 50 Prozent, oft sogar 80 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus. Wenn dort die Preise um zehn, fünfzehn oder zwanzig Prozent steigen, haben die Menschen gar keinen Spielraum mehr, um mehr auszugeben. Diese Regionen trifft das dann besonders stark.»

Echo der Zeit, 17.03.2016, 18 Uhr;liea

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