Das ist passiert: Auf der Plattform Polymarket werden Hunderte Millionen US-Dollar gewettet, wie sich der Irankrieg entwickelt. Marschieren die USA im Iran ein? Fällt das iranische Regime bis Ende April? Das aktuellste Beispiel sind Wetten auf die Waffenruhe, die diese Woche verkündet wurde. Laut Medienberichten erzielten mehrere Personen dabei Gewinne von Hunderttausenden US-Dollar. Kritische Stimmen vermuten in solchen und ähnlichen Fällen Insiderhandel, während es andere grundsätzlich unmoralisch finden, über Wetten auf Krieg und Zerstörung zu profitieren.
So funktionieren Prognosemärkte: Eine typische Wette könnte zum Beispiel lauten: «Gibt es in der Schweiz einen Bundesratsrücktritt bis Ende Jahr? Ja oder Nein.» Beide Antwortmöglichkeiten sind mit einer Wahrscheinlichkeit bewertet, die zusammen eins ergibt – etwa 0.34 Ja und 0.66 Nein. Je tiefer die Wahrscheinlichkeit, desto höher der potenzielle Gewinn. Dabei kann auf alles Mögliche gewettet werden: Zum Beispiel, ob Jesus vor Ende 2027 zurückkehrt oder ob das Wetter in Shanghai morgen auf über 19 Grad steigt.
Das steckt hinter dem Boom: Schon während der US-Präsidentschaftswahlen 2024 haben die Prognosemärkte für einige Aufmerksamkeit gesorgt, weil Donald Trump dort schon früh als klarer Sieger gehandelt wurde. Entscheidend sei jedoch, was die Trump-Regierung nach der Wahl beschlossen hat, sagt der Ökonom Martin Spann. Sie habe die Regeln für Prognosemärkte gelockert und in der Folge seien diese stark gewachsen. Im ersten Quartal 2026 erreichte Polymarket laut eigenen Angaben ein Handelsvolumen von über 26 Milliarden US-Dollar.
So steht es um die Regulierung: Polymarket sei ein Spezialfall und unter Prognosemärkten eine Ausnahme, sagt Spann, der zum Thema promoviert hat. Kriegswetten und ähnlich fragwürdige Geschäfte seien in vielen Ländern nämlich nicht erlaubt. Möglich sei dies auf Polymarket, weil die Plattform die heiklen Geschäfte über einen Sitz in Panama abwickle und so die Regulierungen umgehe.
Mutmassliche Fälle von Insiderhandel: Solche Vorwürfe gibt es nicht erst seit dem Irankrieg. Besonders auffällig waren Wetten rund um die US-Intervention in Venezuela. Nur Stunden bevor Trump die Entführung von Machthaber Maduro verkündete, wurden auf Polymarket Wetten auf einen Machtwechsel abgeschlossen. Ein Account erzielte dabei einen Gewinn von rund einer halben Million US-Dollar. Die Plattform selbst sagt, sie wolle Massnahmen ergreifen, um Insider Trades zu unterbinden. Gerade bei Polymarket sei es jedoch schwierig, Insiderhandel nachzuweisen, sagt der Experte Martin Spann. Zwar würden die einzelnen Wetten mittels Blockchain-Technologie dokumentiert, doch die Accounts dahinter seien anonym.
Einfluss auf das Weltgeschehen: Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass Wettquoten immer öfter auch von renommierten Medien als Quelle für Nachrichten genutzt werden – ähnlich wie Umfragewerte. Ökonom Spann sagt, das könne dann ein Problem sein, wenn Quoten aktiv beeinflusst werden, um dadurch wiederum die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zum Beispiel könnten mit viel Geld die Wettquoten eines Wahlkandidaten gesteigert werden, um so die öffentliche Meinung über ihn positiv zu beeinflussen. Generell betrachtet Spann den Insiderhandel jedoch als grösseres Problem.