Bereinigung der Marken: Die beiden grössten Detailhändler der Schweiz gehen bei ihren Marken über die Bücher. Die Migros strafft laufend das Segment von M-Budget. Coop wiederum streicht im mittelpreisigen Segment die Marke Qualité & Prix. Die Entwicklung zeigt: Sowohl Coop als auch die Migros streben einen klaren Auftritt an. Mit Sonderaktionen wollen sie vermehrt den deutschen Discountern die Stirn bieten, die Billiglinien verlieren tendenziell an Bedeutung.
Klarheit schaffen: Die Marke Qualité & Prix verschwindet innerhalb der nächsten zwei Jahre, wie die Zeitungen von CH-Media berichten. Die Namen der Eigenmarken werden in «Coop» geändert, es gibt neue Verpackungen, das Sortiment bleibt bestehen. Betroffen von der Neupositionierung sind tausende von Artikeln. Die jahrzehntealte Marke Qualité & Prix hat sich auf mittelpreisige Produkte bezogen. Die Billiglinie Prix Garantie wiederum, mit dem charakteristischen Pink, bleibt im Sortiment bestehen. Diese Bereinigung erscheint als logischer Schritt, damit mehr Klarheit geschaffen wird.
Rundgang durch Coop-Filiale: Im Supermarkt einer Filiale im Kanton Zürich zeigt sich, dass die mittelpreisige Linie Qualité & Prix bereits weitgehend verschwunden ist, der Name ist zumindest in dieser Filiale weg. Coop hat mit dem Aussortieren der Marke bereits vor zwei Jahren begonnen, ohne dies anzukündigen. Die Billiglinie Prix Garantie wiederum ist stark an den Rand gedrängt, wie der Gang durch die Regale zeigt. In der Coop-Filiale findet man nur vereinzelte Produkte von Prix Garantie, oft etwas versteckt. In der ganzen Schweiz macht Coop mit Prix Garantie zwar einen Umsatz von 673 Millionen Franken, im Vergleich zum Gesamtumsatz der Supermärkte von mehr als 12 Milliarden bleibt der Anteil aber relativ gering.
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Bild 1 von 3. Im riesigen Sortiment der Güezli findet man Prix Garantie nur ganz versteckt im untersten Regal. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 2 von 3. Prix Garantie für Eier. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 3 von 3. Aluminiumfolie im Angebot. Bildquelle: Manuel Rentsch.
Rundgang durch die Migros: Im Supermarkt der Migros wiederum fällt auf, dass sich das Unternehmen bei seinen Marken im Tiefpreissegment im Umbruch befindet. Das klassische Grün von M-Budget ist in den verschiedensten Regalen zwar präsent, aber nicht mehr so oft wie auch schon. Die Migros hat das Sortiment von M-Budget von 700 Artikeln auf 500 reduziert. Die Auswahl werde weiter gestrafft, vor allem bei Artikeln mit geringer Nachfrage, schreibt die Migros auf Anfrage. Ein Teil der Produkte werde unter der Migros-Dachmarke mit neuem Design weitergeführt.
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Bild 1 von 3. Zwei Strategien in der Preiskommunikation der Migros vereint: Das etablierte grün von M-Budget und die gelben Tiefpreisschilder, die vor zwei Jahren eingeführt wurden. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 2 von 3. Grundnahrungsmittel wie Zucker werden sowohl von Migros als auch von Coop in der Billiglinie angeboten. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 3 von 3. Hier werden die Katzenliebhaber angesprochen. Bildquelle: Manuel Rentsch.
Unterschied Migros und Coop: Der subjektive Vergleich der beiden Filialen zeigt, dass die Billiglinie der Migros präsenter ist als bei Coop. Coop wiederum setzt in der besuchten Filiale auf Sonderangebote. So gibt es zum Beispiel 750 Gramm Orangen aus Spanien zum Preis von nur gerade einem Franken. Damit macht Coop zwar wohl einen Verlust, aber die Kundinnen und Kunden nehmen möglicherweise das Sortiment als günstiger war.
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Bild 1 von 3. Sechs Orangen aus Spanien für einen Franken. Damit will Coop signalisieren: Wir sind günstig. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 2 von 3. Sonderaktionen sind bei Coop präsenter als die Billiglinie Prix Garantie. Bildquelle: Manuel Rentsch.
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Bild 3 von 3. Die gelben Preisschilder sind in der Migros dominanter geworden – M-Budget hingegen wird seltener. Bildquelle: Manuel Rentsch.
Schneller reagieren: Dass sowohl Coop als auch die Migros vermehrt auf Sonderaktionen und gezielte Tiefstpreise setzen, statt auf die herkömmlichen Billiglinien, dürfte auch mit der Konkurrenz aus Deutschland zu tun haben. Die Discounter Aldi und Lidl haben in den vergangenen Jahren Marktanteile gewonnen. Mit gezielten Rabatten können Migros und Coop schneller auf die Entwicklung auf dem Markt reagieren. Sie lösen sich vom starren Korsett von Marken wie M-Budget und Qualité & Prix.