Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Preiskampf im Detailhandel Weshalb Coop auf billig setzt

Coop-Chef Philipp Wyss will die Marke «Prix Garantie» weiter ausbauen. Man müsse mit den Discountern mitziehen.

Worum geht es? Coop will im unteren Preissegment gross mitspielen. Bei mehr als 1900 Produkten hat der Detailhändler im vergangenen Jahr die Preise gesenkt. In diesem Jahr seien bereits 300 weitere Artikel hinzugekommen, sagt Coop-Konzernchef Philipp Wyss am Dienstag an der Präsentation der Geschäftszahlen 2025. Wichtig ist dabei die Eigenmarke «Prix Garantie». Sie umfasst derzeit 1500 Produkte.

Warum macht Coop das? «Wir müssen und wollen uns dem Wettbewerb stellen», sagt Philipp Wyss. «Und es ist klar: Dort, wo der Discounter runtergeht, gehen wir selbstverständlich auch mit.» Man dürfe keine Lücken oder Chancen lassen, sondern brauche ein «voll ausgebautes Preiseinstiegssortiment zum gleichen Preis und in der gleichen Qualität wie beim Discounter».

Haferflocken-Verpackungen.
Legende: 1500 Artikel laufen bei Coop unter der Tiefpreislinie «Prix Garantie». Und es sollen noch mehrere Hundert mehr werden. SRF

Wie ist das zu beurteilen? Diese Strategie sei unvermeidbar, sagt auch Jörg Staudacher, Geschäftsführer des Schweizerischen Instituts für Vertrieb und Handel. «Es geht in der Branche immer um den Warenkorb, es geht nie ums Produkt.» Vernachlässige man ein Segment, «verlieren Sie einfach massiv sofort.» Nur auf die Wohlhabenderen zu setzen, sei keine Lösung: «Sie haben zwar mehr Geld, aber sie können nicht mehr Bananen essen.»

Kann Coop preislich mithalten? Die Discounter Aldi und Lidl treiben die Grossen vor sich her. Im vergangenen Jahr sorgte Aldi mit einem Brotpreis von 99 Rappen für ein Pfünderli für Aufsehen. Migros und Coop zogen mit einzelnen Broten nach. Auch hinsichtlich anderer Produkte schlägt Coop offenbar nicht nach oben aus: Das Westschweizer Konsumentenmagazin «Bon à Savoir» kam im Januar zum Schluss, dass ein Warenkorb dort nicht mehr koste als bei Migros – und nicht einmal mehr als bei den Discountern.

Warum sind günstige Lebensmittel so attraktiv? Jörg Staudacher sieht zwei Gründe: Einerseits wachse das Segment. Menschen mit geringem Einkommen seien auch in der Schweiz zahlreich. «Sobald Sie zwei, drei Kinder haben, vielleicht immigrieren und kein Haus erben, sind Lebensmittelpreise für Familien ein Thema.» Stammkäufer, die zu Aldi und Lidl gehen, könne Coop nicht mehr erreichen. «Worum sie kämpfen, sind die Wechselbesucher – also Menschen, die am Samstag vor der Entscheidung stehen, ob sie zu Aldi oder zu Coop gehen.»

Wie geht es weiter? Jörg Staudacher geht von einem «maximalen Preiskampf» für die Zukunft aus. «Die Marge wird weiter erodieren, und sie werden Prix Garantie immer weiter ausbauen.» Coop-Chef Philipp Wyss bestätigt, dass künftig bis zu 2000 Artikel unter diesem Label verkauft werden sollen. Er plant zudem weitere Preissenkungen. «Ich denke, im Sommer werden auch die Kakao- und Schokoladenpreise sinken. Und wir werden alle Rohstoff-Preissenkungen immer an die Kunden und Kundinnen weitergeben.»

Tagesschau kompakt, 17.2.2026, 12.45 Uhr;brus

Meistgelesene Artikel