Das Geschäft mit Iran lockt – und hat seine Tücken

Nach der Aufhebung der Sanktionen blicken Unternehmer aufgeregt nach Iran. Am Wochenende reist Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit einer Wirtschaftsdelegation in das Land. Doch Euphorie ist verfrüht.

Ein iranischer Geistlicher im Teheraner Geschäftsdistrikt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bald wieder voll im Geschäft? Auch in Iran wittert man neue Chancen für die Wirtschaft. Reuters

Ein bislang weitgehend abgeschotteter Markt mit 80 Millionen Menschen – das weckt Phantasien. Iran verfügt zwar bereits über eine industrielle Basis, doch die ist erneuerungsbedürftig. Der Nachholbedarf sei enorm, sagt Peter Dietrich, Direktor des Industrie-Verbands Swissmem: «Die ganze Infrastruktur muss modernisiert werden, etwa die Mobilität. Das ist für uns natürlich eine Chance, denn in diesen Nischen bieten wir hervorragende Produkte an.»

Swissmem-Direktor Dietrich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Markt, der starke Nerven braucht: Swissmem-Direktor Dietrich weist auf mögliche Unwägbarkeiten hin. Keystone

So hoffen beispielsweise Schweizer Bahntechnik-Unternehmen auf grosse Gleis-Bau-Projekte oder Anbieter von Pumpen und Turbinen auf Grossaufträge aus der Erdöl- und Erdgas-Industrie. Auch in anderen Branchen sind die Erwartungen gross: von der Konsumgüter-Industrie bis zu den klassischen Textilmaschinen- und Werkzeugmaschinen-Herstellern.

Die Bäume wachsen aber nicht in den Himmel, wie Dietrich schildert: «Es ist nicht ein Markt in der Grösse, der unser europäisches Problem löst, wo wir mit 58 Prozent unserer Exporte hingehen. Aber Iran gibt eine zusätzliche Möglichkeit, mit unseren Exporten Erfolge zu haben.»

«Es braucht Nerven»

Allerdings: die Erschliessung des iranischen Marktes ist kein einfaches Unterfangen. Denn nicht alle Sanktionen wurden aufgehoben. Deshalb zögern die Grossbanken noch – aus Angst vor der US-Justiz, die bei allfälligen Fehltritten wohl rasch einschreiten würde.

Das stellt die Unternehmen vor grosse Probleme, führt Dietrich aus: «Es ist nicht einfach, die Geschäfte zu finanzieren und die Bezahlung sicherzustellen. Mit diesem Risiko muss sich ein Unternehmer befassen, um nicht böse Überraschungen zu erleben. Insofern braucht es auch Nerven.»

Schweiz geniesst guten Ruf

Ebenfalls nötig ist Phantasie, um Lösungen zu finden – allenfalls mit Banken in anderen Ländern, türkischen Banken beispielsweise, die Verbindungen nach Iran haben. Jedenfalls sollte die Finanzierungsfrage Schweizer Unternehmen nicht daran hindern, in Iran Fuss zu fassen. Als Vorteil könnte sich der gute Ruf erweisen, den die Schweiz hat: dank ihrer Vermittlungsdienste zwischen Iran und den USA.

Aber nicht nur die Politik, sondern auch die Schweizer Wirtschaft werde geschätzt, sagt Swissmem-Direktor Dietrich: «Das hat auch damit zu tun, dass Unternehmen trotz der Sanktionen versucht haben, gewisse Geschäftsbeziehungen im Land zu halten. Es gab Unternehmen, die auch lokale Standorte gehalten haben – und damit den Ruf der Schweiz gepflegt haben.» Diese Treue, so hofft man bei Swissmem, sollte sich nun auszahlen.