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Debatte um Teilzeit Wer Teilzeit arbeitet, bekommt deutlich weniger Rente

Wer sein Arbeitspensum reduziert, verzichtet auf hunderte Franken Rente im Monat: drei Beispiele.

Bei der Diskussion um die Vor- und Nachteile von Teilzeitarbeit werden häufig die unmittelbaren Folgen betont – weniger Einkommen, mehr Freizeit zum Beispiel. Weniger stark im Fokus steht dagegen, welche langfristigen Folgen eine Reduktion des Arbeitspensums auf die Rentenansprüche hat.

Das VZ Vermögenszentrum hat für SRF berechnet, wie sich Entscheidungen für eine Pensumsreduktion auf die Rentenansprüche einer Modellperson auswirken. Der Berechnung liegen mehrere vereinfachte Annahmen zugrunde, etwa, dass der Basislohn über die Zeit unverändert bei 100'000 Franken liegt.

Im Beispiel «Vollzeit» arbeitet die Modellperson ihr gesamtes Arbeitsleben lang 100 Prozent. Im Beispiel «Altersteilzeit» reduziert sie im Alter von 55 Jahren ihr Pensum auf 60 Prozent. Im Beispiel «Familienteilzeit» reduziert die Modellperson das Pensum im Alter von 35 Jahren auf 40 Prozent, später stockt sie das Pensum auf 60 und dann 80 Prozent auf.

Eckwerte der Berechnung

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  • Basislohn: CHF 100'000 bei einem 100-Prozent-Pensum
  • Modellperson ist unverheiratet.
  • AHV-Rente wird 13 x pro Jahr, Pensionskassen-Rente 12 x pro Jahr ausgezahlt.
  • Arbeitgeber wendet unabhängig vom Pensum stets den vollen Koordinationsabzug in der Pensionskasse an.
  • Sparbeiträge in der Pensionskasse: 7 Prozent / 10 Prozent / 15 Prozent / 18 Prozent des versicherten Lohnes (abhängig vom Alter)
  • Projektionszins: 1.25 Prozent für die Hochrechnung des Guthabens in der Pensionskasse (entspricht dem aktuellen BVG-Zinssatz, im Überobligatorium wird ebenfalls 1.25 Prozent angenommen)
  • Renten-Umwandlungssatz: 6.8 Prozent im Obligatorium, 5 Prozent im Überobligatorium

Die monatlichen Unterschiede bei den Rentenzahlungen sind beträchtlich und belaufen sich auf bis zu 1'300 Franken. Tatsächlich seien sich viele Arbeitnehmende der langfristigen Auswirkungen von Teilzeit aufs eigene Budget nicht unbedingt bewusst, so Edith Siegenthaler, Leiterin Sozialpolitik bei Travailsuisse.

Frau sitzt mit Laptop auf einer Wiese
Legende: Was kostet Teilzeitarbeit? Die Rechnungsbeispiele zeigen die Auswirkungen für die Rente. imago images

«Man hat viele Nachteile: weniger Lohn, eine tiefere Rente, häufig weniger Karrieremöglichkeiten», so Siegenthaler. Auch wenn sie zu bedenken gibt, dass die Modellrechnung verschiedene Variablen aussen vor lässt.

Patrick Chuard-Keller, Chefökonom Schweizerischer Arbeitgeberverband, bedauert, dass Arbeitnehmende die langfristigen finanziellen Konsequenzen oft wenig ins Auge fassen. Er führt das nicht zuletzt auf den geringen Stellenwert der finanziellen Bildung in der Schweiz zurück. «Da muss man ansetzen», ist er überzeugt. Dann könne man auch mehr Leute motivieren, hochprozentiger zu arbeiten.

Wie schnell und stark sich die Haltung zu Arbeit, auch Teilzeitarbeit, ändern kann, zeigt ein Blick in die Schweizer Geschichte. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es noch Kampagnen gegen das «Doppelverdienertum», also gegen die Tatsache, dass verheiratete Frauen einer Erwerbsarbeit nachgingen. Mit dem Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es an Arbeitskräften – und Frauen wurden, meist Teilzeit, rekrutiert.

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Eco Talk, 11.5.2026, 22:25 Uhr ; 

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