Deutschland steckt wirtschaftlich in Schwierigkeiten. Nach zwei Jahren Rezession hat sich die Lage zuletzt zwar leicht verbessert, das Wachstum bleibt aber schwach. Viele Unternehmen klagen über hohe Kosten und Bürokratie – einige verlagern ihre Produktion vollständig ins Ausland.
Nicht so Märklin. Der traditionsreiche Modellbahnhersteller hält am Standort Deutschland fest – und hat in den letzten zwei Jahrzehnten sogar die Produktion zurückgeholt. Geschäftsführer Wolfrad Bächle sagt: «Es kann doch nicht die Berufung von Geschäftsführern sein, dass man alles nur noch ins Ausland verlagert, sondern ich muss auch Arbeitsplätze für meine Kinder sichern.»
Die Firma produziert rund 70 Prozent ihrer Modelle und Komponenten selbst, in Göppingen und im ungarischen Györ. Der Rest wird in Asien zugekauft, vor allem in China.
Handarbeit im Hochlohnland
Ein Rundgang durch die Fabrik zeigt: Trotz Automatisierung bleibt viel Handarbeit. Eine Lokomotive besteht aus mehreren hundert Teilen, die montiert, galvanisiert, lackiert und verkabelt werden müssen.
In Märklin-Modellen steckt viel Handarbeit
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Bild 1 von 6. Giessen und Nachbessern. Die meisten Lokgehäuse werden gegossen. Anschliessend müssen sie von Hand aufwändig ausgebessert werden. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 2 von 6. Im Galvanik-Bad kommt Gold drauf. Ein Mitarbeiter von Märklin in Göppingen zieht drei frisch vergoldete Kessel einer Dampflokomotive aus einem galvanischen Bad. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 3 von 6. Was wäre eine Lokomotive ohne Farbe? Lokomotivteile werden in einer Kabine in zwei Durchgängen rot gespritzt. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 4 von 6. Am Schluss kommt alles zusammen. Märklin-Lokomotiven bestehen meist aus mehreren hundert Teilen. In der Montage wird am Schluss alles zusammengefügt. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 5 von 6. Fertig für die Verpackung. Am Ende der Montagelinie stehen die fertigen Lokomotiven bereit. Bei diesem Modell handelt es sich um eine limitierte Auflage mit vergoldeten Teilen. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 6 von 6. Ausführliche Tests. In der Märklin-Fabrik stehen grosse Testanlagen in allen Spurweiten, um Lokomotiven zu prüfen. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
Diese Handarbeit ist teuer. Märklin versucht, dem – durch Optimierung der Prozesse – zu trotzen und geht einen Pakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein: Diese arbeiten rund 40 statt der üblichen 35 Stunden, bei gleichem Lohn. Dafür erhalten sie eine sechsjährige Beschäftigungsgarantie. Für Bächle ein funktionierendes Modell: «Wenn sie intelligent arbeiten und mit ihren Leuten ein solches Agreement eingehen, dann können sie auch an einem Hochlohnstandort erfolgreich arbeiten.»
Doch ohne politische Reformen werde es schwierig. Konkret fordert Wolfrad Bächle weniger Bürokratie, tiefere Steuern und niedrigere Energiekosten.
Kritik an der Politik
Bächle, der früher meist FDP wählte, setzte bei der letzten Bundestagswahl auf die CDU und Friedrich Merz. Nun zeigt er sich aber enttäuscht von der Arbeit der Regierung: «Ich glaube, dass man viel schneller vorangehen müsste.»
In Deutschland dauere alles zu lange: «Als ich das letzte Mal in China war, habe ich Autos gesehen, bei denen niemand am Lenkrad sass. Die tun es. Wir reden darüber und haben wieder irgendwelche Verordnungen, die sagen, warum es nicht geht.»
Verhaltener Optimismus
Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Handelskonflikte, Kriege und schwache Nachfrage belasten auch Märklin. Modelle kosten schnell mehrere hundert Franken – entsprechend sensibel reagiert die Kundschaft.
Im Märklin-Museum steht eine grosse Eisenbahnanlage
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Bild 1 von 7. Über 100 Quadratmeter Landschaft. Die Modellbahnanlage im «Märklineum» in Göppingen wurde über mehrere Jahre hinweg gebaut. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 2 von 7. Vorbild Süddeutschland. Die Dörfer, Gebäude und Bahnhöfe auf der Anlage sind keinen konkreten Vorbildern nachempfunden. «Wer in Süddeutschland lebt, sollte sich aber in der Anlage wiederfinden», sagt Museumsleiter Uwe Müller. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 3 von 7. Im Keller. Die Eisenbahnanlage steht im Keller des «Märklineums». Die Platzierung spielt auf den Umstand an, dass Modellbahnanlagen auch in Privathaushalten meist im Keller stehen. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 4 von 7. Viel zu entdecken. Die Eisenbahnanlage ist sehr detailreich. Für grosse wie kleine Modellbahnfans gibt es viel zu entdecken. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 5 von 7. Tag- und Nachtbetrieb. Im Untergeschoss des Märklin-Museums wird Tag und Nacht simuliert. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 6 von 7. Beleuchtete Züge. Neben Häusern und Strassen sind auch die Zugwagen mit Licht ausgestattet. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
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Bild 7 von 7. Auch anderes Spielzeug. Die Firma Märklin ist fast 170 Jahre alt. Früher stellte sie auch anderes Spielzeug her. Hier eine nicht mehr ganz zeitgemässe Werbung, die im Märklin-Museum gezeigt wird. Bildquelle: Damian Rast / SRF.
Trotzdem bleibt der Ton vorsichtig optimistisch. «Es ist uns nach wie vor gelungen, dass wir positive Zahlen schreiben», sagt Bächle. «Wir haben eine tolle Fangemeinde. Und so kommen wir ganz vernünftig rum.»
Märklin setzt damit auf ein Modell, das in Deutschland zunehmend unter Druck kommt: Produktion auch im Inland – trotz hoher Kosten. Ob dieses Modell Zukunft hat, hängt nicht zuletzt von der Politik ab.