Der Schweizer Chemiekonzern Ems entwickelt sich trotz schwierigem Umfeld in den USA positiv, wie die Jahresbilanz zeigt. Von den Zöllen in den USA ist das Unternehmen nicht betroffen, weil es die Produkte für den US-Markt in den USA selber produziert. Dennoch gab es etliche Turbulenzen. Die Ems-Chefin und SVP-Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher zieht ein kritisches Fazit zur Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump.
SRF News: Haben Sie sich in Donald Trump getäuscht?
Magdalena Martullo-Blocher: Ja. Ich habe nicht erwartet, dass er so drastisch vorgeht.
Nach den Wahlen vor einem Jahr waren Sie noch erfreut und positiv. Mussten Sie Ihr Bild revidieren?
Ich weiss noch nicht, ob die Präsidentschaft besser oder schlechter wird, als es bei den Demokraten war. Es gibt auch Chancen mit Trump.
Sie sagen, Sie waren überrascht über sein forsches Vorgehen. Können Sie das schildern in Bezug auf die Wirtschaftspolitik?
Die Wirtschaft war ihm immer wichtig, und ich habe erwartet, dass er die amerikanische Wirtschaft stärkt. Ich glaube, er wollte es auch, aber es ist ihm bis jetzt noch nicht gelungen, er hat viele vor den Kopf gestossen. Trump hat bis jetzt sein Wachstum nicht erreicht. Er muss jetzt eine andere Politik machen für die restlichen Jahre seiner Präsidentschaft.
Er hat mehr Industriejobs versprochen. Hat er das geschafft?
Nein. Die Industriejobs wurden weiter reduziert und zwar noch ausgeprägter. Wir haben das auch in der Autoindustrie gesehen, dass Stellen abgebaut wurden. Die Lieferketten waren gestört, man wusste nicht, wie kalkulieren und ist zurückgefahren. Auch die erhofften Investitionen in den USA wurden noch nicht getätigt.
Solange das Vertrauen in die USA als Weltmacht noch da ist, werden die USA nicht an den Schulden zerbrechen.
Er soll also eine andere Wirtschaftspolitik machen. Zum Beispiel?
Wenn ich wünschen könnte: Mehr Stabilität, nicht jeden Tag wieder alles in Frage stellen. Dann könnte die Wirtschaft effizient vorwärts arbeiten.
Welche nächsten Schritte erwarten Sie?
Kurzfristig wird er auf die Kongresswahlen hin einfach den Konsumenten mehr Geld zum Ausgeben lassen. Er wird ihnen Steuerermässigungen geben. Das sehen wir bereits. Er wird ihnen vielleicht sogar wieder einen Scheck nach Hause schicken, wie in der ersten Amtszeit. Wenn die Amerikaner konsumieren können, dann sind sie happy und wählen Republikaner. Nach den Wahlen werden wir dann weitersehen.
Sie sagen, er wird möglicherweise Geschenke verteilen. Dabei sind die USA bereits massiv verschuldet. Steht das Land vor dem Kollaps?
Schon vor 40 Jahren hat man gesagt, die USA würden an den Schulden kollabieren. Heute sind die Schulden noch viel grösser und sie sind nicht kollabiert. Solange das weltweite Vertrauen in die USA als Weltmacht noch da ist – und das konnte Trump sogar noch ausbauen – bekommen sie immer wieder von jemandem Geld.
Für die Firmen in der Schweiz gibt es Zölle von 15 Prozent. Wie geht es weiter mit den Verhandlungen? Sehen Sie rote Linien?
Handelsgewichtet sind es siebeneinhalb Prozent. Ich glaube, es wird gar nicht mehr viel verhandelt. Man hat den Deal schon. Es gibt noch ein paar Details in der Formulierung. Ich rechne hier mit einem schnellen Ergebnis. Aber die USA sind stark mit anderen Ländern beschäftigt. Es steht für sie nicht an erster Stelle.
Ich habe im Hintergrund sehr viel gemacht, aber es ist nicht mein Traum, ins Oval Office zu gehen.
Weshalb waren Sie eigentlich nicht im Oval Office, als es darum ging, die Wege zu öffnen?
Es gab andere, die das gut machten. Ich habe im Hintergrund sehr viel gemacht, aber es war nie mein Traum, einmal ins Oval Office zu gehen. Im Oval Office habe ich nichts verloren. Solange es für die Schweiz stimmt.
Das Gespräch führte Manuel Rentsch.