Die gewiefte Taktikerin bleibt im Amt

Christine Lagarde wird den internationalen Währungsfonds (IWF) für weitere fünf Jahren führen. Dass sie als erste Frau an der Spitze des IWF die Wiederwahl geschafft hat, ist auch ihrem Verhandlungsgeschick zu verdanken.

Christine Lagarde hat den Vorsitz am Sitzungstisch des IWF. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Christine Lagarde bleibt geschäftsführenden Direktorin, hier am Hauptsitz des IWF in Washington. Reuters

Eine Überraschung ist es nicht, dass Christine Lagarde auch in den kommenden fünf Jahren Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) bleibt. Als sie im Januar offiziell für eine zweite Amtszeit antrat, versicherten wichtige Mitgliedsländer wie Deutschland, Frankreich, Japan und die USA der Französin ziemlich rasch ihre Unterstützung. Auch einen Gegenkandidaten für das wichtige Amt gab es nicht.

Er oder sie wäre auch chancenlos gewesen. Denn die 60-jährige Grande Dame der Finanzwelt hat es in den letzten fünf Jahren mit geschickter Diplomatie geschafft, sich Respekt von allen Seiten zu sichern – Industrie- wie Entwicklungsländern.

Vormacht von Europa

Das war nicht von Anfang an selbstverständlich. Denn Lagarde ist Europäerin. Schwellenländer wie China haben ein Problem mit der jahrzehntelangen Praxis, dass stets ein Europäer den Währungsfonds führt, während die USA als grösster Anteilseigner im Hintergrund die Strippen ziehen. Länder wie China und Brasilien haben selbst Führungsambitionen, die sie mit der Wiederwahl Lagardes nun für weitere fünf Jahre zurückstellen müssen.

Die Schwellenländer haben es zudem nicht goutiert, dass der IWF viele Milliarden an europäische Krisenländer wie Griechenland ausgeliehen hat. Sie halten das für eine unfaire Bevorzugung der Europäer gegenüber ärmeren Ländern.

Die auch im IWF selber umstrittene Entscheidung, Griechenland Geld zu leihen, fiel zwar schon während der Amtszeit von Lagardes Vorgänger Dominique Strauss-Kahn. Aber Lagarde hat diese Politik fortgeführt, als sie 2011 das Amt übernahm. Dass die Französin am Ende trotzdem die Schwellenländer auf ihrer Seite hatte, ist ihrem Verhandlungsgeschick zu verdanken.

Mehr Mitsprache der Schwellenländer

Die frühere Anwältin hat dafür gekämpft, dass der US-Kongress eine schon vor Jahren beschlossene Reform des IWF im Dezember endlich durchwinkt hat. Diese Reform gibt Schwellenländern mehr Mitsprache im Fonds und sichert dem IWF insgesamt mehr Finanzkraft.

Damit ist der IWF für künftige Krisen gut gerüstet, die sich bereits abzeichnen. Nicht nur das: Lagarde hat auch durchgesetzt, dass die chinesische Landeswährung Renminbi im vergangenen Herbst den Aufstieg zur fünften globalen Reservewährung geschafft hat. Die Chinesen hatten also allen Grund, sich bei ihr zu bedanken.

So gross der Rückhalt im IWF selbst ist, Gefahr droht ihr von anderer Seite: In Frankreich soll Lagarde vor Gericht kommen. Grund ist eine undurchsichtige Millionenzahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie während ihrer Amtszeit als Wirtschaftsministerin. Lagarde will sich wehren und der Rückhalt des IWF ist ihr dabei sicher.