Mengenmässiger Rekord: Die Schweiz hat im vergangenen Jahr 1.5 Millionen Tonnen Erdöl aus den USA importiert. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr – ein neuer Rekord, wie eine SRF-Analyse der neuen Zollstatistik zeigt. Das im vergangenen Jahr aus den USA importierte Öl hat einen Wert von 691 Millionen Franken. Das Erdöl wird in der einzigen Raffinerie der Schweiz, in Cressier im Kanton Neuenburg, verarbeitet – zu Benzin, Heizöl und Diesel. Viele Autos der Schweiz werden mit Energie aus den USA getankt, ohne dass man sich dessen bewusst ist.
Exportverbot nach Ölkrise: Der Rekord bei dem mengenmässig importierten Erdöl ist bemerkenswert, weil jahrzehntelang kein Öl aus den USA in die Schweiz gelangte, solche Lieferungen waren mehr als 40 Jahre lang untersagt. Nach der Ölkrise der 1970er Jahre gab es in den USA ein Gesetz, welches den Export von Öl ins Ausland verbot. Die Priorität lag bei der eigenen Versorgung. Doch mit neuen Produktionsmethoden, dem Fracking, steigerten die US-Firmen die Förderung massiv und so wurde das Exportverbot 2015 aufgehoben. Seit drei Jahren sind die USA der wichtigste Lieferant für die Schweiz.
Marktanteil von 50 Prozent: Nach den USA ist Nigeria das zweitwichtigste Herkunftsland von Erdöl für die Schweiz, gefolgt von Kasachstan. Lange Zeit war Libyen die wichtigste Quelle von Erdöl, hat aber im Verlaufe der Jahre an Bedeutung verloren – insbesondere nach dem Bürgerkrieg von 2011 und dem Sturz von Muammar al-Gaddafi. Das Beispiel von Libyen zeigt, dass es im Geschäft mit Erdöl gut möglich ist, auf neue Lieferanten zu wechseln. Denn es gibt ein breites Angebot.
Verarbeitung in der Raffinerie: Das in die Schweiz importierte Erdöl wird ausschliesslich von der Raffinerie in Cressier verarbeitet. Die Anlage hat in der Landesversorgung eine zentrale Rolle. Die Raffinerie produziert einen Drittel des in der Schweiz benötigten Benzins, Heizöls und Diesels. Der Rest des Bedarfs importiert die Schweiz direkt als Fertigprodukt, vor allem per Schiff über den Rhein oder auf der Schiene sowie in kleineren Mengen mit Lastwagen aus den umliegenden Ländern.
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Bild 1 von 2. Die Raffinerie von Cressier im Kanton Neuenburg bei Nacht. Hier wird das importierte Erdöl verarbeitet. Bildquelle: Imago.
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Bild 2 von 2. Wichtiger Umschlagplatz in Fos-sur-Mer bei Marseille. Hier wird das Öl für die Schweiz in eine über 500 Kilometer lange Pipeline gepumpt. Bildquelle: shutterstock.
Der weite Weg des Öls: Das Erdöl aus den USA wird in der Regel im Hafen von Houston, Texas auf Tanker verladen, die das Öl nach Südfrankreich bringen, an den Hafen Fos-sur-Mer bei Marseille. Von dort wird das Öl durch eine über 500 Kilometer lange Pipeline direkt in die Schweiz gepumpt, bis zur Raffinerie in Cressier. Diese Ölpipeline ist für die Versorgung der Schweiz wichtig, wenn sie ausfallen würde, käme es zu Engpässen.
Wer importiert das Öl: Betreiberin der Raffinerie in Cressier ist die Firma Varopreem aus dem Kanton Zug. Dieses Unternehmen wiederum gehört dem globalen Rohstoffhändler Vitol aus Genf sowie einer Finanzgesellschaft. Es sind nur wenige Personen, die darüber entscheiden, woher die Schweiz das Erdöl importiert. «Wir beziehen Rohöl aus verschiedenen Ländern. Die Entscheidungen basieren auf wirtschaftlichen und betrieblichen Kriterien, die sich zu jedem Zeitpunkt ändern können», schreibt Varopreem auf Anfrage. Ein wichtiges Kriterium sei die Mischung der verschiedenen Erdöle. Für die Herstellung von Benzin, Diesel und Heizöl eignet sich nicht jedes Erdöl gleich gut, die Mischung von leichtem und schwerem Erdöl ist mitentscheidend bei der Wahl der Lieferanten.