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Gewinn verachtfacht Warum bei Samsung ein Streik droht – und was er bedeuten würde

Es soll der grösste Streik der Unternehmensgeschichte von Samsung werden: Ab dem 21. Mai wollen sich als 45'000 Angestellte die Arbeit niederlegen – und das für 18 Tage. Worum es bei dem Konflikt geht und welche weltweiten Folgen er hat, ordnet Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann ein.

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Warum wollen die Angestellten von Samsung überhaupt streiken?

Kein Unternehmen der Welt produziert so viele Speicherchips wie Samsung. Der Konzern profitiert deshalb enorm vom Boom der künstlichen Intelligenz. Konkret hat Samsung in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verachtfacht – auf rund 30 Milliarden Franken. Von diesem grösseren Kuchen wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun auch ein grösseres Stück. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Lohn und eine Gewinnbeteiligung von 15 Prozent für alle Beschäftigten. Sonst soll Samsung bestreikt werden, wie noch nie.

Mann umgeben von Menschen mit Handys und Kameras in einem Flur.
Legende: Choi Seung-ho, der Vorsitzende der Samsung-Electronics-Gewerkschaft, gibt nach einer morgendlichen Mediationssitzung bei der National Labor Relations Commission in Sejong den Medien Auskunft über die Gespräche. (18.05.2026) Reuters

Nicht alle haben ein Samsung-Handy oder einen Samsung-TV. Trifft sie der Streik auch?

Ein so grosser und langer Streik – die Rede ist von 18 Tagen – bei Samsung würde nicht nur Samsung-Kundinnen und Kunden treffen, sondern die ganze südkoreanische Wirtschaft – Samsung ist für fast ein Viertel aller Exporte Südkoreas verantwortlich. Ein Streik würde die bereits bestehenden Lieferengpässe bei den sogenannten Halbleitern weiter verschärfen. Zu Samsungs Kunden gehören grosse Konzerne in den USA wie Nvidia, AMD und Google. Würden diese nicht mehr von Samsung beliefert, würden auch ihre Produkte teurer oder gar nicht mehr erhältlich sein.

Die Regierung hat bereits einen ersten Versuch gemacht, zwischen der Gewerkschaft und Samsung zu verhandeln. Ergebnislos. Ist der Streik, der in drei Tagen starten soll, unausweichlich?

Nein. Noch gibt es Möglichkeiten, den Streik zu verhindern. Übers Wochenende hat ein Gericht entschieden, dass der Geschäftsbetrieb von Samsung auf einem «normalen Niveau aufrecht erhalten werden» müsse. Das heisst, eine vollständige Arbeitsniederlegung wäre verboten. Zudem hat die Regierung angekündigt, gegebenenfalls mit einer sogenannten Notfall-Schlichtung einzugreifen. Das ist ein Kriseninstrument, das – in schwerwiegenden Fällen – Streiks während 30 Tagen verbietet, während eine staatliche Kommission ein Schlichtungsverfahren einleitet. Noch ist es allerdings nicht so weit. Heute Montag sollen sich die Samsung-Spitze und die Gewerkschaften nochmals zu Verhandlungen treffen – unter Vermittlung der südkoreanischen Regierung. Was dabei herauskommt, wird weit über die Grenzen des asiatischen Landes hinaus, mit Spannung erwartet.

SRF 4 News, 18.05.2026, 6:40 Uhr ; 

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