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Haushaltsbudget Schweizer Mittelstand mit Geldsorgen: Was können Betroffene tun?

Das Problem ist bekannt und hat sich trotz intensiver Debatten nicht entschärft: Selbst der Schweizer Mittelstand steht finanziell unter Druck. Wohnkosten, Krankenkassenprämien und Benzinpreise zerren an Einkommen und Vermögen. Viele sehen sich nicht in der Lage, eine unerwartete, hohe Rechnung zeitnah zu begleichen.

Budgetberater Philipp Frei hat täglich mit Menschen zu tun, die mit dieser Situation nicht mehr alleine klarkommen. Er erzählt von seinen Erfahrungen und gibt Tipps für Betroffene.

Philipp Frei

Budgetberater

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Philipp Frei ist Geschäftsführer des Dachverbands Budgetberatung Schweiz. Dieser umfasst 30 unabhängige Anlaufstellen für Fragen rund um das Budget von Privatpersonen und bietet Informationen, Beratung und Weiterbildungsangebote. Damit fördert der Dachverband die individuelle Handlungskompetenz, ermöglicht einen verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen und leistet einen Beitrag gegen Überschuldung mit all ihren negativen sozialen, gesundheitlichen und finanziellen Folgen.

SRF News: Die Zahlen des Bundes lassen aufhorchen. Wie schlimm ist es?

Philipp Frei: Bis tief in den Mittelstand haben die Leute Probleme, mit dem zur Verfügung stehenden Geld zurechtzukommen. Diese Entwicklung akzentuiert sich von Jahr zu Jahr, entsprechend überraschen mich die neusten Zahlen nicht. Wir zählen mehr Beratungen als früher. In gewissen Kantonen gibt es sogar Wartelisten. Die Personen kommen teils mit ungeöffneten Rechnungen, weil sie es schlicht nicht mehr schaffen.

Finanzielle Situation des Schweizer Mittelstands

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Über die Hälfte der Schweizer Gesamtbevölkerung (55.2 Prozent) zählt zum Schweizer Mittelstand, das sind 4.7 Millionen Menschen. Dazu gehören beispielsweise Alleinlebende mit einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 4229 und 9061 Franken oder Paare mit zwei Kindern (unter 14 Jahren) mit einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 8880 und 19'028 Franken.

Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) sind rund 300'000 Personen dieser Einkommensschicht von Wohnkosten betroffen, die mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachen. Zudem geben rund 800'000 Menschen aus der Mittelschicht an, nicht über genügend finanzielle Mittel zu verfügen, um überraschende Rechnungen über 2500 Franken zu begleichen. Rund 300'000 Menschen der Einkommensmitte geben an, auf ihre Ferien zu verzichten.

* Das verfügbare Haushaltseinkommen bezieht sich auf das Bruttohaushaltseinkommen abzüglich der obligatorischen Abgaben (Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Krankenkassenprämien sowie regelmässige Transferzahlungen an andere Haushalte, z.B. Alimente).

Lebt ein Teil des Mittelstandes über seinen Verhältnissen oder wieso muss er den Gürtel enger schnallen?

Vereinzelt gibt es Menschen, die über ihren Verhältnissen leben. Oder man verdrängt, dass einmal pro Jahr die Steuerrechnung kommt. Aber viele ändern nichts an ihrem Leben und haben trotzdem weniger Geld zur Verfügung. Oft sind es auch Schicksalsschläge wie eine Trennung oder Krankheit. Das kann man sich nicht auswählen.

Es ist ein enormer Druck, wenn man sich plötzlich Dinge nicht mehr leisten kann, die früher normal waren.

Was raten Sie den Betroffenen?

Wichtig ist, sofort zu reagieren. Wenn es knapp wird, sollte man sich Unterstützung im persönlichen Umfeld oder bei professionellen Stellen holen und nicht warten, bis die Schulden da sind oder Betreibungen eintreffen. Von allein löst sich das Problem nicht. Und wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, sollte man die Rechnungssteller anrufen und sich erkundigen, ob man zum Beispiel in Raten zahlen kann oder ob es andere Möglichkeiten gibt.

Und auf die Ferien verzichten?

Es ist ein enormer Druck, wenn man sich plötzlich Dinge nicht mehr leisten kann, die früher normal waren. Eine Reise ans Meer ist selbst für einige Leute im Mittelstand nicht mehr möglich. Konkret heisst das: Ferien zuhause verbringen, wobei auch das nicht gratis ist. Beim Thema Ferien muss man ehrlich mit sich selbst sein: Was geht noch? Was lässt das Budget zu? Manchmal führt kein Weg daran vorbei, den Lebensstandard herunterzuschrauben.

Kleinkind spielt auf Decke im Garten, während ein Erwachsener ein anderes Kind küsst.
Legende: Der Druck auf den Mittelstand bleibt seit Jahren hoch, wie neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. KEYSTONE/Christian Beutler

Das Gespräch führte Laila Cavelti.

10 vor 10, 8.5.2026, 21:50 Uhr ; 

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