Es ist eine Szene, die sich in der Ukraine täglich wiederholt: nächtliche Angriffe, Einschläge in Wohnhäuser, Tote und Verletzte. Der US‑Menschenrechtsaktivist Samuel Bickett von der Stiftung «The Committee for Freedom in Hong Kong» und sein Team haben untersucht, welche ausländische Technologie Russlands Bombenterror in der Ukraine ermöglicht.
Am meisten Funde von Schweizer Firmen
Er bezieht sich auch auf eine Auswertung ukrainischer Behörden. Dort tauchten bislang 322 Komponenten von Schweizer Herstellern auf – es geht um Mikroprozessoren, GPS‑Module, Stecker und Kabel. Samuel Bickett sagt: «Auf dem ukrainischen Schlachtfeld tauchen mehr Bauteile von Schweizer Firmen auf als praktisch aus jedem anderen europäischen Land. Die meisten davon finden wir in Raketen und Drohnen. Aber auch in Panzern, in Kommandozentren, in Flugzeugen und anderen Waffensystemen.»
Huber+Suhner und Lemo Gruppe auch auf der Liste
Medien berichten seit Jahren über Schweizer Technologie in russischen Waffen – etwa Mikroprozessoren, Stecker oder Kabel – auch Komponenten für Raketen, Drohnen und Bomben. Es handelt sich um Elektronik von Ublox oder ST Microelectronics und anderen.
Nun erscheinen auch die Genfer Lemo‑Gruppe und Huber+Suhner in den russischen Zolldaten. Produziert werden die Komponenten meist nicht in der Schweiz, sondern in Asien oder anderen europäischen Ländern.
Ein Beispiel: Russische Zolldokumente, die Bickett und sein Team ausgewertet haben, erwähnen Antennen-Stecker der Firma Huber+Suhner. Am 24. Januar 2024 gelangten sie nach Hongkong – zu einem Unternehmen, das das russische Militär beliefert. Wie genau und über welche Zwischenhändler die Stecker dorthin gelangten, erwähnen die Dokumente nicht.
Huber+Suhner schreibt auf Anfrage, man habe die Transaktion geprüft, könne sie aber «nicht nachvollziehen», weil auf den Dokumenten Informationen fehlten. Alle Geschäfte mit Russland seien seit Kriegsbeginn gestoppt, sämtliche Vertriebspartner vertraglich verpflichtet, nicht weiterzuliefern. Die Lemo-Gruppe antwortete nicht auf die Anfrage von SRF.
Lieferungen nach Russland sind verboten
Auch Ublox‑GPS‑Module tauchen heute noch in russischen Drohnen auf – ein konkretes Modul stammt aus einer Produktion vom März 2025. Das Unternehmen betont, es handle sich um Massenware, die es auch in E-Rollern oder Baumaschinen gebe, sie könnten einfach entfernt und zweckentfremdet werden. Lieferungen nach Russland und Drittstaaten seien seit Kriegsbeginn verboten.
Das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, lehnt ein Interview ab. Schriftlich heisst es, man ahnde Verstösse «konsequent», habe die personellen Mittel seit 2022 verdreifacht und setzte die Sanktionen «prioritär» um.
Link zur Analyse
Für Bickett reicht das nicht: Die Schweiz müsse jede Ware prüfen, die in russischen Zolldaten auftauche. Man müsse sämtliche Beteiligten sanktionieren: die Firmen, Vertriebspartner, Logistikunternehmen, Banken und Versicherungen, welche die Fracht finanzieren oder versichern. Nur das würde helfen, sagt er.